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Ostholstein Mess-Stellen in Kiesgruben verschlossen
Lokales Ostholstein Mess-Stellen in Kiesgruben verschlossen
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22:44 21.04.2016
Der Oberflurabschluss mit Spuren der Ton-Zement-Suspension.

Für den Sprengmeister der Spezialfirma aus Celle und den Brunnenbaumeister aus Schleswig-Holstein war es ein ganz gewöhnlicher Auftrag. Bemerkenswert schien ihnen allenfalls das Interesse der Öffentlichkeit: Insgesamt vier Grundwasser-Mess-Stellen waren in den Lebatzer Kiesgruben nahe Ahrensbök zurückzubauen, um eine Verunreinigung des Grundwassers durch Fremdstoffe zu verhindern. Auftraggeber war die Strabag, Mutter-Konzern der Firma Becker-Bau Bornhöved, die damit einer Anordnung des Kreises folgte. Bis zum 30. April sollte der Rückbau fertig sein.

Strabag-Konzern setzt Auflagen des Kreises Ostholstein für Lebatzer Kiesgruben fristgerecht um.

„Die Leute haben zu viele Filme gesehen, in denen Häuser in die Luft fliegen.“Der Sprengmeister

„Man hat in den 1980er-Jahren bei der Installation der Mess-Stellen Fehler gemacht, die jetzt durch die Verschließung zum Schutz des Grundwassers ausgebügelt werden“, erklärte der Brunnenbauer.

Obgleich die beiden Fachleute namentlich nicht erwähnt werden wollten, gaben sie bereitwillig Auskunft darüber, was vor sich geht, wenn Mess-Stellen mittels einer „Schussperforation und einer Verpressung mit einer Ton-Zement-Suspension“, so die fachlich korrekte Bezeichnung des Verfahrens, verschlossen werden: Stark vereinfacht beschrieben, wird in die Rohre eine flüssige Tonmehl-Zement-Mischung eingebracht und über versetzte Sprengungen im Rohr auch im umgebenden Ringrohrbereich verteilt. Das Rohr ist dann „durchlöchert“, daher die Bezeichnung „Schuss-Perforation“.

Die nach dem Erhärten wiederhergestellte Stauschicht schirmt das Grundwasser gegen Verschmutzungen ab. „Anschließend demontieren wir den Oberflurabschluss der Mess-Stelle, entfernen die letzten 50 Zentimeter des Rohres und setzen eine Betonplombe auf. Bald sieht man hier nichts mehr davon“, erklärte der Brunnenbauer.

Die Besorgnis, die die Ankündigung einer Sprengung bei den Anwohnern auszulösen vermag, war nichts Neues für den Mann mit dem Zünder: „Das ist aber unbegründet: Wir arbeiten mit mehrfach gesicherten Zündern, die elektronisch ausgelöst werden. Ich mache das seit 20 Jahren, es ist nie etwas passiert“, betonte er. Während des unterirdischen Sprengvorganges stand er in acht Meter Entfernung zur Mess- Stelle: „Dass man ein bisschen was spürt, ist ganz normal, es bebt, und mit einer Luftblase schwappt ein wenig Tongemisch aus der Öffnung“, sagte er zum Ablauf. Seine Vermutung, dass „die Leute in Aufruhr geraten, wenn es um Sprengstoff geht, weil sie zu viele Filme sehen, in denen auf Knopfdruck komplette Häuser in die Luft fliegen“, galt für Gerhard Jacobs indes nicht.

Jacobs, dessen Elternhaus wie auch sein eigenes Heim nur durch eine Landstraße beziehungsweise einen Feldweg von einer der Mess-Stellen entfernt liegen, war zwar einigermaßen erstaunt über die Vibration, die die Sprengung in seinem Zuhause ausgelöst hatte: „Unter einer Miniatursprengung hatten wir uns etwas Anderes vorgestellt. Es war, als stünde ein Panzer im Garten“, schilderte er sein Erleben. Dass er die Vorgänge an den Kiesgruben mit Misstrauen beobachtete, hatte andere Gründe: „Wir sind wie das gebrannte Kind nach vielen negativen Erfahrungen in den letzten Jahren“, erläuterte der besonnene Mann, dessen Familie seit Generationen dort ansässig ist, wo jetzt die Kiesgruben liegen. Die Beispiele dafür füllen einen dicken Ordner. 40 Meter senkrecht in die Tiefe sei in 20 Meter Entfernung zum Haus Kies abgebaut worden, das Gebäude sei daraufhin abgesackt. Aufgefüllt wurde mit belastetem Material. Grundsätzlich wünscht sich Jacobs, dass Ruhe einkehrt an den Kiesgruben, was möglich scheint, nachdem der Kreis das Gebiet unter Schutz stellen will: „Ich sehe Chancen, dass sich alle einig werden — Gemeinde, Eigentümer, Anwohner, Kreis und Naturschutz“, sagt er und ergänzt: „Uhu, Seeadler, Milan und viele andere Tiere sind schon zurück.“

Von Astrid Jabs

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