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Ostholstein Messerattacke: Schockierende Aussagen vor Gericht
Lokales Ostholstein Messerattacke: Schockierende Aussagen vor Gericht
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21:31 24.09.2013
Der Fall wird vor dem Lübecker Landgericht verhandelt. Quelle: Sebastian Prey

„An den Wänden auf dem Weg zur Wohnung waren massive Blutspuren. Überall waren Blutspritzer. In der Wohnung lag eine junge, männliche Person auf dem Küchenboden, in einer Blutlache.“ Es sind grausame Szenen, die Polizeihauptmeister Helge J. (Name geändert) vor der I. Großen Strafkammer des Lübecker Landgerichts beschreibt. Die Tat, von der er berichtet, geschah am 24. August 2012.

Kurz vor Mitternacht wurde der damals 14 Jahre alte Micha K. (Name geändert) niedergestochen. Angeklagt wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung ist Hubert A. (Name geändert).

Der 69-Jährige ist der ehemalige Lebensgefährte von Ursula K. (Name geändert), der Mutter des Opfers (die LN berichteten).

Hubert A. setzt sein Schweigen auch am gestrigen Verhandlungstag fort. Als Ursula K. den Gerichtssaal betritt, verändert sich sein Gesichtsausdruck nicht. Er hört zu, wie Richter Christian Singelmann sie befragt, macht sich ein paar Notizen, redet nur während der Verhandlungspausen mit seinem Verteidiger.

Die Befragung von Ursula K. gestaltet sich äußerst schwierig. Ihre Antworten fallen kurz aus, sie bleibt meist sehr allgemein. „So schwer ist das doch nicht, versuchen Sie meine Fragen doch mal annähernd zu beantworten“, sagt Richter Singelmann. Der Verteidiger von Hubert A. sagt sogar: „Ich habe keinen Bock mehr.“

Nach mehr als vierstündiger Befragung hat die Mutter von Micha K. doch einiges gesagt, wenn auch bruchstückhaft. Sie berichtet, dass sie die Tat von ihrem Balkon aus in der Kirchenstraße beobachtet und gefilmt hat. „Sie haben diskutiert. Der Streit wurde lauter. Sie standen sich gegenüber. Ich habe gesehen wie Micha zurückgeflogen ist, auf Hubert zutaumelte und in die Knie sank“, erzählt Ursula K.. Minuten später sei ihr Sohn dann in ihre Wohnung gekommen. „Er sah aus wie ein Gespenst — mit Blut“, erinnert sich Ursula K.

Wie genau sich die Tat abspielte, sollen auch die Videoaufnahmen verdeutlichen. Die Sequenz, die im Gerichtssaal mehrfach gezeigt wird, dokumentiert den Streit. Man hört Ursula K. rufen, dass ihr Sohn aufhören soll. Womit, bleibt unklar. Micha K. hingegen ruft: „Was willst du?“

Im Laufe der Befragung entsteht nach und nach ein Bild von Hubert A. — aus Sicht von Ursula K. Sie berichtet, dass er das gemeinsame Kind (6) zunächst nicht anerkennen wollte. Sie erzählt, dass er sie immer kontrolliert, ihr einmal ein blaues Auge geschlagen habe und keinen Unterhalt zahle. „Sex ist das einzige, was er wollte“, sagt sie. Auf die Frage, warum sie sich nicht von Hubert A. getrennt habe, antwortet sie etwas unverständlich: „Ich habe den Kleinen. Bevor Hubert den in die Erde stampft, tut man was man tun muss“.

Mehr Klarheit gibt es vielleicht bereits am 1. Oktober. Dann wird der Prozess fortgesetzt.

Sebastian Rosenkötter

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