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Methadon statt Heroin: Hilfe für Drogensüchtige

Neustadt Methadon statt Heroin: Hilfe für Drogensüchtige

Sie sind süchtig nach Heroin und anderen harten Drogen. Therapien haben bei ihnen versagt. Stattdessen sollen Betroffene mit einer kontrollierten Abgabe von Ersatzstoffen wie Methadon zurück in ein geregeltes Leben finden. Die Ausgabe erfolgt seit Anfang April auf dem Gelände des Ameos-Klinikums.

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Die Abgabe – wie hier von Dr. Hans-Dietrich Ehrenthal gezeigt – erfolgt durch eine Klappe. Die Einnahme des Ersatzstoffes findet unter Aufsicht statt. Zudem müssen die Empfänger regelmäßig Urinproben abgeben, um den Konsum von Drogen zu kontrollieren.

Quelle: Fotos: Rosenkötter, Ameos

Neustadt.  Dadurch wurde eine seit Jahren bekannte Versorgungslücke geschlossen. Hauptinitiator und von der Kassenärztlichen Vereinigung ermächtigt ist Dr. Hans-Dietrich Ehrenthal. Der Oberarzt ist für Abhängigkeits-Erkrankungen zuständig. Er schätzt, dass es in der Region rund 100 Menschen gibt, die das Angebot nutzen könnten.

LN-Bild

Ambulanz auf dem Ameos-Gelände eingerichtet – Versorgungslücke im Kreis nach Jahren geschlossen – Angebot für etwa 100 Betroffene.

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Das Verfahren

Patienten, die in der Substitutionsambulanz aufgenommen werden möchten, können sich bei Dr. Hans-Dietrich Ehrenthal melden:

Tel. 04561/ 6115020, E-Mail hehr.psy@neustadt.ameos.de.

Die Abgabe erfolgt wochentags von 8 bis 8.30 Uhr und am Wochenende von 10.30 bis 11 Uhr. Je nach Bedarf können künftig weitere Zeiten am Nachmittag oder Abend hinzukommen.

Die Einrichtung hat mehrere Ziele. Volljährige Abhängige, die seit Jahren Opiate konsumieren und trotz mehrfacher Therapien nicht ohne Drogen leben können, sollen kontrolliert Hilfe erhalten. „Wir wollen die Menschen aus der Illegalität herausholen“, sagt Ehrenthal. Der Kauf von Heroin und anderen Drogen sei häufig mit Beschaffungskriminalität verbunden, da pro Monat mehrere Hundert Euro benötigt würden. Die legalen Ersatzstoffe hingegen zahlen die Krankenkassen. Hinzu kommt, dass diese geschluckt und nicht gespritzt werden. Ehrenthal: „Die Gefahr von Infektionen fällt weg.“

Dass die Patienten irgendwann einmal abstinent sind, hält Ehrenthal für „eher unrealistisch“. Vielmehr gehe es um ein geordnetes und sicheres Leben. Deshalb erfolgt die tägliche Vergabe auch nur unter Aufsicht. Die Süchtigen erhalten ihren Ersatzstoff aus einem Gerät, das optisch an eine Kaffeemaschine erinnert. Fünf bis zehn Milligramm fließen je nach Empfänger in einen Becher und werden mit Saft vermischt getrunken. Hinzu kommen regelmäßige Urinkontrollen, um den Konsum von illegalen Drogen auszuschließen. „Dieser könnte zu einem Abbruch der Behandlung führen“, so Ehrenthal.

Die Betreuung in der Substitutionsambulanz beschreibt der Oberarzt als intensiv. Fachkräfte seien immer anwesend. Hinzu kämen Kontakte mit einem Arzt, und das ein- bis zweimal pro Monat. Neben der Abgabe werden die Drogensüchtigen psychosozial betreut. Die Teilnahme ist verpflichtend. Entsprechende Angebote gibt es in Ostholstein unter anderem bei den ATS-Beratungsstellen in Oldenburg und auf Fehmarn sowie der Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke der Diakonie in Neustadt. Ehrenthal betont, dass viele der Betroffenen mehrere Probleme haben. Dazu gehören psychische Erkrankungen, finanzielle Sorgen und Konflikte mit Angehörigen.

Die Einrichtung einer Abgabestelle wurde bereits 2012 von der Kassenärztlichen Vereinigung angeregt. „Es gab eine gravierende Versorgungslücke. Die wurde im Arbeitskreis Sucht des Kreises Ostholstein thematisiert. Bis zum Aufbau der Ambulanz hat es dann aber noch fünf Jahre gedauert“, schildert Dr. Ehrenthal den Werdegang. Betroffene hätten in den vergangenen Jahren nicht selten bis nach Lübeck, Kiel oder Preetz fahren müssen, um an die Ersatzstoffe zu gelangen. „Ich weiß von Menschen, die in den Urlaubszeiten bis nach Niedersachsen gefahren sind“, sagt Ehrenthal. Das Neustädter Angebot sorgt für deutliche Entlastung.

 Sebastian Rosenkötter

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