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Ostholstein Mildes Urteil als „letzte Chance“ für Brandstifter von Benz
Lokales Ostholstein Mildes Urteil als „letzte Chance“ für Brandstifter von Benz
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19:18 19.06.2017
Mit einer vergleichsweise milden Strafe für zwei schwere Straftaten ist ein junger Eutiner davongekommen: Die III. Große Strafkammer des Landgerichts Lübeck hat den 22-Jährigen am Montag zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Quelle: dpa
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Lübeck/Malente

Es ist wohl vor allem das laut Richter Kai Schröder „schonungslose Geständnis“, das Dennis M. (Name geändert) einige Jahre Gefängnis erspart hat. Der 22-jährige Eutiner wurde am Montag von der III. Großen Strafkammer des Lübecker Landgerichtes zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt – wegen schwerer Brandstiftung, schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Die Staatsanwältin hatte sieben Jahre Haft gefordert. Der Richter sprach von einem „milden“ Urteil und einer „letzten Chance“ für den jungen Ostholsteiner.

Dieser hatte vor knapp zwei Wochen am ersten Verhandlungstag mehrere Straftaten von beachtlichem Kaliber ohne Umschweife eingeräumt. Dennis M. zündete im August 2016 ein Einfamilienhaus in Benz (Gemeinde Malente) an – mit Hilfe von drei Kanistern Benzin beziehungsweise Diesel und im Auftrag des Eigentümers, der zu diesem Zeitpunkt verreist war. Um das Feuer zu bekämpfen, rückten 70 Einsatzkräfte der Wehren aus Benz, Bad Malente-Gremsmühlen, Kreuzfeld und Malkwitz-Söhren an. Das Gebäude war aber nicht mehr zu retten, der Schaden liegt bei etwa 260 000 Euro. Gegen den Auftraggeber und einen Mittelsmann wird gesondert ermittelt. Diese hätten laut Richter „jemanden gesucht, der es für wenig Geld macht“. Dennis M. wurden 3000 Euro versprochen, die er laut eigener Aussage aber nie bekam.

Dabei hätte er sie dringend benötigt: Seine Schulden belaufen sich auf etwa 11 000 Euro – und trieben den Eutiner dazu, im Januar dieses Jahres gemeinsam mit einem Komplizen den ebenfalls 22 Jahre alten Justin R. (Name geändert) in dessen Wohnung in Lübeck zu überfallen. Angestiftet wurde Dennis M. dabei offenbar von seiner damaligen Freundin, der Ex-Freundin von Justin R.. Dennis M. und sein Freund schlugen bei dem Einbruch mit Teleskopschlagstöcken auf Justin R. ein und raubten 450 Euro, ein teures Smartphone und die EC-Karte des Opfers, mit der sie wenig später 1000 Euro von dessen Konto abhoben. Außerdem nahmen sie eine Uhr und ein Portemonnaie mit. Beides hatte Justin R. von seinem Stiefvater geerbt, der erst einen Tag vor dem Überfall beigesetzt worden war.

Das Opfer trug diverse Prellungen davon und leidet bis heute unter den psychischen Folgen der Tat. „Mein Mandant möchte sein Sicherheitsgefühl wiederhaben“, erklärte der Anwalt von Justin R., der als Nebenkläger auftrat, „denn das ist ihm nachhaltig genommen worden.“ In der eigenen Wohnung überfallen zu werden, gehöre mit „zum Schlimmsten, was einem Menschen widerfahren kann“, betonte auch der Richter. Dennis M. habe eine hohe kriminelle Energie an den Tag gelegt, sagte die Staatsanwältin, und die Tat professionell ausgeführt – unter anderem trugen er und sein Komplize Masken und hatten zuvor einen Fluchtweg ausgetüftelt. Dennis M. hatte im Prozess erklärt, dass er den Überfall zutiefst bedauere und Wiedergutmachung leisten wolle.

Insgesamt zeigte sich der junge Angeklagte, der seit Januar in Untersuchungshaft sitzt, ruhig, freundlich und gefasst. Er stand nach Angaben seiner Verteidigerin zum ersten Mal als Erwachsener vor Gericht: Bislang ist Dennis M. wegen kleinerer Delikte nach dem Jugendstrafrecht verwarnt worden. „Gerade im Jugendrecht werden Angeklagte wie Sie häufig zu milde angefasst“, erklärte der Richter. Auf diese Weise würden jungen Straftätern die Konsequenzen ihres Handelns nicht deutlich gemacht.

Kai Schröder attestierte Dennis M., der im Gefängnis eine Ausbildung absolvieren will, „ehrliche Reue“, mahnte aber auch: „Wenn Sie sich jetzt nicht von Ihrem Schläger-Image lösen und von allem, was damit zusammenhängt, kommen Sie nicht mehr auf die Füße.“ Er empfahl dem 22-Jährigen, sich einen Spiegel zu kaufen und jeden Tag hineinzublicken, „damit Sie sehen, wer für das Geschehen und die Folgen verantwortlich ist“.

Sabine Latzel

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