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Mit Blaulicht übers Glatteis: „Man geht an die Grenzen“

Ostholstein Mit Blaulicht übers Glatteis: „Man geht an die Grenzen“

Gefährlicher Weg zum Unfall für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst: Die Witterungsbedingungen stellen die Einsatzkräfte selbst immer wieder vor Herausforderungen.

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Auf dem Weg zu einem Glätteunfall rutschte der Einsatzleitwagen der Feuerwehr Bad Schwartau/Rensefeld unlängst auf spiegelglatter Straße bei Pohnsdorf in den Graben.

Quelle: Foto: S. Prey

Ostholstein. Ein schwerer Unfall auf spiegelglatter Straße – jetzt muss es schnell gehen für Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr. Doch die Witterungsbedingungen stellen die Einsatzkräfte selbst immer wieder vor Herausforderungen. Wenn jede Minute über Leben und Tod entscheidet, begeben sich die Helfer während der Fahrt meist selbst in große Gefahr. Einer der ersten, der gerufen wird, ist der Rettungsdienst. Dirk Kraus ist Rettungsassistent und sich der Gefahr bewusst, wenn er den Krankenwagen über die vereiste Fahrbahn lenkt. „Angst fährt nicht mit, aber ein gehöriges Maß an Aufmerksamkeit“, sagt der Leiter der Malteser-Rettungswache in Timmendorfer Strand. „Respekt vor den Witterungsbedingungen muss man immer haben.“ Für den 49-Jährigen gab es schon oft Momente, wo er dachte „oh, jetzt wird’s knapp“.

LN-Bild

Gefährlicher Weg zum Unfall für Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst.

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„Es hilft ja nichts, wenn wir nicht ankommen."

Dirk Kraus , Rettungsassistent

Wenn die bis zu sechs Tonnen schweren Fahrzeuge erst einmal ins Schleudern kommen, „dann wird’s brenzlig“. Aber die Erfahrung half ihm, bei jedem Wetter an den Unfallort zu gelangen.

„Es hilft ja nichts, wenn wir uns aus dem Fenster lehnen und wir nicht ankommen.“

Wenn die Fahrt zur gefährlichen Schlitterpartie wird, bewahrt auch Polizeihauptkommissar Daniel Hüsson Ruhe. „Jeder von uns hat Frau und Kinder zu Hause. Unser Motto heißt ,ankommen ist wichtiger als hinrasen‘“, sagt der 44-Jährige vom Polizeirevier Eutin. Es sei zwar wichtig, zügig das Ziel zu erreichen. Aber auch die Polizei kann nur so schnell fahren, wie es die Witterungsbedingungen erlauben. Wenn Hüsson jedoch weiß, dass es sich um einen „Personenschaden“ handelt, also Menschen in einen Unfall verwickelt sind, versuche er, zügiger zu fahren.

Aber oft lassen Schnee, Eis und Glätte schnelles Fahren nicht zu – auch wenn manchmal jede Minute zählt. „Darüber macht man sich schon Gedanken“, sagt Hüsson, der schon oft – auch in seiner Zeit im Polizeirevier Neustadt – schlitternd zum Einsatz fuhr. Angst habe er jedoch keine. „Die Gefahr ist einem bewusst. Man lernt aber damit umzugehen“, sagt er.

Die Polizei habe übrigens ganz normale Pkw wie andere Menschen auch, erklärt Hüsson. Er selbst fährt ein Auto mit Heckantrieb, das gerade bei Glatteis schwierig zu kontrollieren sei. Um den Beamten ein sicheres Gefühl in den Fahrzeugen zu geben, werden zwei Mal im Jahr Fahrsicherheitstrainings angeboten, bei denen etwa mit Gummimatten und Wasser rutschige Straßen nachempfunden werden.

Rettungsassistent Dirk Kraus, der „vor einigen Jahren“ an einem Training teilnahm, würde sich indes wünschen, dass es mehr Möglichkeiten zur Übung gibt. „Es wäre schön, wenn mehr Fahrsicherheitstrainings im Lehrplan vorkommen“, sagt er. Der erfahrende Polizist Hüsson weiß inzwischen, sein Fahrzeug und die Verhältnisse einzuschätzen. „Man geht schon an die Grenzen – man darf sie aber nicht überreizen“, erklärt er.

Mit Fahrten auf glatten Straßen hat auch schon die Feuerwehr Bad Schwartau/Rensefeld ihre Erfahrungen gemacht. Jüngst ist der Einsatzleitwagen bei der Anfahrt zu einem schweren Unfall bei Pohnsdorf in den Graben gerutscht. „Wir hatten Glück im Unglück“, sagt Lars Wellmann, der mit im Fahrzeug saß. Bei dem Unfall sei niemand verletzt worden und auch am Fahrzeug entstand kein Schaden. Lediglich die Bergung des Wagens durch einen Kran habe Geld gekostet.

„Wir waren gewarnt und wirklich langsam unterwegs. Dennoch hatten wir keine Chance und sind von der Straße abgekommen“, sagt der stellvertretende Gemeindewehrführer, der sich an viele heikle Situationen erinnern kann. „Wir werden ja häufig auch zu Eisregen-Einsätzen gerufen. Da müssen wir los, bevor der Streudienst durch ist. Es ist schon passiert, dass unsere eigenen Leute auf dem Hof gestürzt sind“, berichtet Wellmann. „Wir müssen genauso vorsichtig sein wie alle anderen Verkehrsteilnehmer auch. Besondere Verhaltensregeln gibt es nicht.“

 Beke Zill und Sebastian Prey

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