Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Mit High-Tech gegen den Tod auf dem Wasser
Lokales Ostholstein Mit High-Tech gegen den Tod auf dem Wasser
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:46 04.07.2017
Gerade bei kabbeligem Wasser ist ihre Hilfe nötig: Mirko Lepeschka (l.) und Yannik Gieseler auf dem Bosauer DLRG-Boot „Seeadler“. Quelle: Susanne Peyronnet

Die beiden Männer waren mit ihren Brettern aufs Wasser gegangen, hatten immer mal wieder Blickkontakt. Der Bekannte verließ nach einiger Zeit das Wasser, vermisste seinen Freund, suchte gemeinsam mit einem weiteren Mann an Land und dann per Surfbrett auf dem Wasser nach dem 73-Jährigen und entdeckte den Vermissten schließlich zehn Meter vom Ufer entfernt leblos im Wasser treibend. Da war der Mann schon tot. Das Surfbrett wurde später im Schilf gefunden. Die Einsatzleitstelle hatte für die Suche nach dem Vermissten die Feuerwehren aus Pönitz und Haffkrug mit ihren Booten, die Feuerwehr Gleschendorf sowie die Johanniter Unfallhilfe aus Eutin alarmiert. Die hat die einzige Tauchergruppe im Kreis Ostholstein, ist mit einem Sonar ausgestattet und immer dann im Einsatz, wenn unter Wasser gerettet oder geborgen werden muss. 

Die technischen Möglichkeiten

Die Feuerwehr ist mehr oder wenige gut ausgestattet für die Rettung auf dem Wasser, sagt Helge Börensen von der Tauchergruppe der Johanniter. An Booten mangele es nicht, auch nicht an Wärmebildkameras. Die seien aber nur hilfreich, so lange ein Vermisster wärmer sei als das Wasser um ihn herum und er nicht unter die Oberfläche sinke. Hubschrauberbesatzungen und Drohnen könnten Vermisste im Wasser sehen, der Arbeiter-Samariterbund Heiligenhafen verfüge über eine Drohne. Das Sonar, über das die Taucher und auch die Feuerwehr Eutin verfügten, ermögliche die Sicht unter Wasser. Aber, sagt Börensen: „Es ist relativ schwierig, das, was man sieht, zu interpretieren.“ Man sehe, das da am Grund etwas ist, was da nicht hingehört. Einsatz für die Taucher.

Aufgabe der Feuerwehren

Die Wasserrettung im seenreichen Ostholstein ist in erster Linie Aufgabe der Feuerwehren. Etliche von ihnen sind dafür mit Booten ausgerüstet worden und so schnell im Wasser, wie sie an Land zum Helfen da sind. Nicht eingebunden ist mit wenigen Ausnahmen die DLRG, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft, vor allem bekannt wegen ihrer Wacht an den Badestränden. „Die Hoheit liegt bei den Feuerwehren“, sagt der Kreisbeauftragte Sven Schönke. Das gelte bis auf wenige Ausnahmen. Die Hilfsfrist liegt bei denen wie an Land bei zehn Minuten, erläutert der Malenter Gemeindewehrführer Bernd Penter. „Das gewährleisten wir nicht“, muss er zugeben.

Eine Ausnahme bei der Zusammenarbeit von Feuerwehr und DLRG bilden die Feuerwehr Bosau-Kleinneudorf und die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) Hutzfeld-Bosau. Sie sind Partner bei der Wasserrettung in und auf dem Großen Plöner See und schaffen es im Notfall spätestens nach zehn bis 15 Minuten, mehr als ein Boot im Wasser zu haben. Damit liegen sie innerhalb der Hilfsfrist.

Schwierige Suche

Dass aller Einsatz der Retter und alle Technik manchmal nicht helfen, ein Leben zu retten, mussten die Einsatzkräfte Anfang Juni bei der Suche nach einem 19-jährigen Studenten auf dem Dieksee erleben. Damit Seenotfälle auf den Binnenseen nicht immer so traurig ausgehen, setzen die Feuerwehren, die DLRG und andere Hilfsorganisationen alles daran, für große Suchen auf dem Wasser gerüstet zu sein. Mit welchen Schwierigkeiten die Retter dabei kämpfen, wissen sie nur zu gut. „Bei einer Suche kann man gar nicht genug Boote haben“, sagt Mirko Lepeschka, stellvertretender Vorsitzender der DLRG Hutzfeld-Bosau. „Das meiste passiert, wenn es windig ist, und wenn dann nur noch der Kopf aus dem Wasser ragt und einen halben Meter hohe Wellen da sind, dann sieht man nichts“, berichtet Lepeschka aus seiner Erfahrung. Je länger ein Verunglückter im Wasser treibt, desto größer ist die Gefahr der Unterkühlung. Selbst in sommerlich warmen Seen.

Von der Küche ins Boot

Bosau hat einen großen, einen sehr großen See vor der Tür. Der Große Plöner See heißt nicht nur so, er hat auch riesige Ausmaße. Geht ein Notruf ein, werden Feuerwehr und DLRG parallel alarmiert. Dann rennt zunächst der Vorsitzende los. Gerd Sacknieß betreibt das Hotel Schwanensee mit direktem Seezugang, und an seinem Steg liegt die „Seeadler“, ein Kajütboot mit 140 PS. „Da springt der Chef aus der Küche in die DLRG-Jacke und ins Boot“, erzählt Thomas Sprock, Gruppenführer und Gefahrenabwehr-Beauftragter der DLRG Ostholstein. Parallel dazu fahren die Feuerwehr – Hartschalenboot mit 40 PS – und die DLRG – Schlauchboot mit 50 PS – zu den Slipstellen am Fährhaus Bosau und am Bosauer Strand. Beide Boote stehen stets auf Trailern, sind in Windeseile einsatzbereit.

 

Jede Seele zählt

Aber was ist ein Boot ohne Bootsführer? Dafür bedarf es einer speziellen Ausbildung. „Wir haben gegenwärtig elf Bootsführer, davon sollte immer einer im Ort sein. Und sonst haben wir in der Ehrenabteilung auch noch welche“, berichtet Ortswehrführer Bastian Wroblewski. Drei Boote, viele ausgebildete Retter, aber wenig Einsätze. In den vergangenen Jahren bis zu zehn, 2016 sogar nur einer für die Feuerwehr, keiner für die DLRG. Lohnt sich dafür der ganze Aufwand? Wroblewski: „Jede Seele zählt.“

 

Runder Tisch in Neustadt

Die Feuerwehr Neustadt hätte gerne auch die DLRG mit im Boot. „Grundsätzlich ist es so, dass die Wasserrettung in Schleswig-Holstein nicht so funktioniert, wie sie funktionieren könnte“, sagt der Neustädter Wehrführer Sven Lesse. Die für die Wasserrettung zuständige Feuerwehr habe noch viele andere Aufgaben, da wäre es sinnvoll, die DLRG mit zu alarmieren. Deshalb arbeite Neustadt jetzt an einem umfassenden Wasserrettungskonzept, um Feuerwehr, DLRG und Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger zu vernetzen. Noch vor August solle es dazu einen Runden Tisch geben.

Vorbildliche Ersthelfer

Im Fall des Surfers von Pönitz ist die Todesursache nach Polizeiangaben noch unklar. Für die Feuerwehr hat der tödlich geendete Einsatz aber doch noch etwas Positives. „Die Maßnahmen der Ersthelfer waren vorbildlich, vom Retten ans Ufer bis zur Einweisung ab der Badeanstalt“, sagt Gemeindewehrführer Patrick Bönig. „So konnten wir zügig zum Unfallopfer vorrücken, auch wenn leider jede Hilfe zu spät kam.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!