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Ostholstein Mit Leidenschaft gegen die Online-Riesen
Lokales Ostholstein Mit Leidenschaft gegen die Online-Riesen
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23:07 06.01.2018
Hanna Maschke wollte nie ihre Ausbildung bei einer großen Kette machen. So ist sie heute froh, in Oldenburg gelandet zu sein und als Buchhändlerin sich mit den Kunden austauschen zu können. Quelle: Fotos: Billhardt/hfr

„Die Beratungskompetenz ist ganz wesentlich“, sagt Hanna Maschke. Sie hat gerade die Buchhandlung Ton & Text in Oldenburg und Heiligenhafen übernommen (LN berichteten). Statt langem Suchen im Internet könne man den Kunden aus Erfahrung heraus zur Seite stehen. „Wir erhalten ein halbes Jahr vorher Leseexemplare von den Verlagen und haben so einen guten Überblick“, erzählt sie. Das Gespräch mit den Kunden mache die Arbeit so besonders.

Mit persönlichem Kontakt zu den Kunden, einer individuellen Beratung in gemütlicher Atmosphäre, aber auch mit der Leidenschaft für das Buch zeigen die selbstständig geführten Buchläden in der Region ihre Vorteile gegenüber Handelsketten und Online- Riesen.

„Es ist ein vielseitiger Beruf“, betont Hanna Maschke. Schon mit sieben Jahren sei ihre Liebe zum Lesen durch das Buch „Das kleine Gespenst“ geweckt worden, was schließlich in der Ausbildung bei Ton & Text mündete. Wichtig, um zu bestehen, sei aber auch, „mit der Zeit zu gehen“. Unterschiedliche Veranstaltungen würden eine Plattform zum Austausch bieten: „Wir Buchhändler sind ein kultureller Treffpunkt“. Aber ohne eigenen Online-Shop gehe es nicht.

Unabhängige Händler vor Ort stärken

So sieht es auch Buchhändler Jörg Storath. Seit zwölf Jahren Inhaber des Buchladens Lensahn, ist er mittlerweile Mitglied bei „genialokal“, einer Internetplattform unabhängiger Buchhändler in ganz Deutschland. Bücher online kaufen – und trotzdem den Einzelhandel im eigenen Dorf stärken. „Wir bieten den kompletten Service, den es auch bei großen Internethändlern gibt“, so Storath. Eine Bestellung beim Buchladen Lensahn ist genauso schnell wie bei Versandriesen. „24 Stunden nach dem Onlinekauf können Kunden sich ihre Bücher im Buchladen abholen oder nach Hause liefern lassen.“

Und der entscheidende Unterschied zu großen Versandhäusern bleibt: „Kunden, die uns online treu bleiben, unterstützen keinen internationalen Konzern, sondern stärken gezielt das Gewerbe vor Ort und helfen auf diese Weise mit, dass sich ein Buchladen wie der unsere langfristig halten kann“, stellt Storath fest. Lokale Unternehmen wie der Buchladen seien ein wichtiger Teil einer Gemeinde.

Die inhabergeführten Läden sichern nicht nur Arbeits-, sondern auch Ausbildungsplätze wie für Mareile Hintz bei Ton & Text. „Ich habe meine Lehre zur Industriekauffrau abgebrochen, weil nur im Büro sitzen nichts für mich war. Ich suchte eine Alternative und fand sie im Buchhandel“, erzählt die Auszubildende. Die Kundenbetreuung, aber auch das Auspacken der Ware finde sie spannend. „Man hat gleich in den Händen, was neu auf den Markt kommt.“

Gabriela Bendfeldt von der Buchhandlung Buchstabe in der Neustädter Hochtorstraße ist seit 38 Jahren im Geschäft. Schon zu Schulzeiten hatte sie davon geträumt, einen Buchladen im Ort aufzumachen:

„Das allerwichtigste ist die Leidenschaft.“ Man kenne die Menschen und könne ganz persönliche Buchempfehlungen aussprechen. Es gebe beim lokalen Händler nicht wie bei den Großen die überall gleichen Bücherstapel. „Wir können auch von einem Tag auf den anderen das Lieblingsbuch liefern.“ Außerdem immer wieder junge oder regionale Autoren vor Ort zu präsentieren, mache es für die Kundschaft so besonders, sagt Gabriela Bendfeldt und bezeichnet die Buchläden der Region als eine „geistige Tankstelle“.

 Von Markus Billhardt

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