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„Mit Ungerechtigkeiten kann ich nur schlecht umgehen“

Timmendorfer strand „Mit Ungerechtigkeiten kann ich nur schlecht umgehen“

Harald Rothe, Leiter der Polizeizentralstation Timmendorfer Strand, geht in den Ruhestand und blickt im LN-Interview auf 45 Jahre im Dienst zurück.

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Harald Rothe (61) hat die Timmendorfer Polizeizentralstation seit 2009 geleitet und geht jetzt in den Ruhestand.

Quelle: S. Latzel

Wie schwer ist es, nach 45 Jahren bei der Polizei in den Ruhestand zu gehen?

Harald Rothe: Es ist jetzt stimmig für mich, aufzuhören — Platz zu machen, das Arbeitsleben zu beenden — auch wenn das Miteinander mit den Kollegen immer sehr erfreulich war. Ich freue mich aber auf die Zeit, die nun kommt, und ich merke mittlerweile deutlich, dass ich keine 40 mehr bin. Außerdem habe ich ja schon um 20 Monate verlängert. Normalerweise wäre ich im April 2014 in Pension gegangen.

Warum haben Sie verlängert?

Rothe: Dafür gab es mehrere Gründe. Ich bin gesundheitlich nicht immer fit gewesen und längere Zeit ausgefallen — das wollte ich meinem Dienstherrn zurückgeben. Außerdem war ich enttäuscht über die Verlängerung der Lebensarbeitszeit für die Kollegen im operativen Bereich. Dass ich am Schreibtisch zwei Jahre länger arbeite, finde ich in Ordnung. Aber dass sich Kollegen kurz vor ihrem 62. Geburtstag noch nachts mit 17-Jährigen herumprügeln sollen, halte ich für ungerecht. Dagegen wollte ich ein Zeichen setzen, denn mit Ungerechtigkeiten kann ich nur schlecht umgehen.

Werden Sie künftig öfter mal nach Timmendorfer Strand kommen?

Rothe: Eher nicht. Es ist richtig und wichtig, loszulassen und zu sagen: Das war einmal.

Nach diversen Stationen in Lübeck sind Sie nach Ostholstein gewechselt. Was wurde anders?

Rothe: In Lübeck sorgt das hohe Maß an Anonymität für ein ganz anderes Verhältnis im Umgang mit dem Bürger und mit den Leitungsgremien der Stadt. Im ländlichen Bereich gilt: Man kennt sich, man schätzt sich — oder eben nicht. Durch die persönlichen Bekanntschaften erfährt man eine ganz andere Form der Wertschätzung.

Was bedeutet das für die Arbeit?

Rothe: In der Stadt gilt eher ,kick and rush‘: Man fährt zur Krisenintervention raus, bringt das Ganze danach zu Papier und gibt es in den Ermittlungsdienst. Das ist wie bei den Fließbandarbeitern, die nicht sehen, was am Ende aus ihrem Produkt wird. Im ländlichen Bereich bearbeitet man alles vom Einsatzort bis zur Abgabe an die Staatsanwaltschaft beziehungsweise bis zum Gerichtstermin, der einen Schlusspunkt setzt. Das erhöht die Zufriedenheit mit der Arbeit.

Hat die Polizeiarbeit in Timmendorfer Strand Besonderheiten?

Rothe: Man hat schon im Hinterkopf, dass es ein Urlaubsort ist und dass die Gäste nicht durch Negativ-Schlagzeilen vergrault werden sollen. Ich denke da an die damaligen Exzesse am Vatertag.

Die Lage hat sich durch das — zeitlich und örtlich begrenzte — Alkoholverbot deutlich beruhigt. Wir haben einen Kontrapunkt gesetzt, und dadurch ist einigen Leuten klar geworden, dass sie zu weit gegangen sind.

Die Polizeistationen Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Ratekau gelten als beliebte Einsatzorte — warum ist das so?

Rothe: Zum einen wegen des Bäderdienstes. Der ist für die Kollegen ein guter Anlass, einmal aus der Tretmühle des städtischen Alltags herauszukommen. Zum anderen ist eben der Umgang der Bürger mit der Polizei ein anderer. Beispielsweise kommt es hier extrem selten vor, dass Polizisten beleidigt, angespuckt oder womöglich geschlagen werden.

Haben Sie sich auch mal für die Arbeit bei der Kripo interessiert?

Rothe: Nein. Für mich ist der Dienst auf der Straße immer das Wesentliche gewesen. Deswegen habe ich mich auch schwergetan mit der Entscheidung, in den gehobenen Dienst zu gehen. Die Arbeit in Führungspositionen hat mir dann aber auch viel Spaß gemacht.

Wie hat sich die Polizei in 45 Jahren Ihrer Ansicht nach entwickelt?

Rothe: Die Polizei hat eine starke Wandlung vollzogen: Aus der doch auch militärisch geprägten Organisation ist eine Landespolizei mit einem positiven, wertschätzenderen Miteinander von Mitarbeitern und Vorgesetzten geworden. Der Schwerpunkt liegt viel mehr auf Auftragstaktik als auf Befehlsempfang.

Sind die äußeren Bedingungen besser oder schlechter geworden?

Rothe: Jede Generation hat ihre speziellen Anforderungen. Als ich anfing, hieß es, man könne uns nur bedauern. Das hört man heute auch. Es hat aber beispielsweise enorme Fortschritte bei der Ausrüstung gegeben, verglichen etwa mit den 1970er-Jahren. Der Dienstherr hat wahnsinnig viel Geld in die Ausstattung der Polizei gesteckt, um den heutigen und künftigen Herausforderungen begegnen zu können. Deshalb bin ich überzeugt, dass die Polizei alles meistern wird, so wie wir früher auch alles gemeistert haben.

Gibt es Fälle, die Ihnen als besonders schlimm im Gedächtnis geblieben sind?

Rothe: Natürlich gab es viele Erlebnisse, die nicht schön gewesen sind. Aber das gehört zum Leben. Psychologische Unterstützung auch für die Helfer ist ja mittlerweile völlig normal geworden, und von daher gibt es keine Erinnerungen, die mich beeinträchtigen.

Und woran denken Sie gern zurück?

Rothe: Ich habe es mir zu eigen gemacht, das stille Glück am Wegesrand zu sehen und mich daran zu erfreuen. Es hat einfach Spaß gemacht, Menschen zu helfen. Die Menge vieler kleiner Erlebnisse bedeutet für mich Zufriedenheit.

Heißt das, dass Sie noch einmal zur Polizei gehen würden?

Rothe: Ja. Wenn ich morgen früh aufwachen würde und wieder 17 Jahre alt wäre, würde ich das machen.

Interview: Sabine Latzel

Künftig noch mehr Einsatz für den Weißen Ring
Geboren wurde Harald Rothe 1954 in Lübeck. Er wuchs in verschiedenen Orten in Schleswig-Holstein auf.



Im September 1971 begann er seine Laufbahn bei der Bereitschaftspolizei in Eutin als Polizeiwachtmeister. 1982 begann er das Studium für den gehobenen Dienst. Im Anschluss hatte Rothe diverse leitende Positionen in Lübeck inne, bis er 2009 als Erster Polizeihauptkommissar die Leitung der Polizeizentralstation Timmendorfer Strand übernahm. Dazu gehören die Stationen Timmendorfer Strand, Scharbeutz und Ratekau und somit insgesamt 33 Beamte (inklusive Bäderdienst).



Mit seiner Frau wohnt Rothe an der Westküste. Er hat vier Kinder und drei Enkelkinder, das vierte ist unterwegs. Im Ruhestand will er sich noch intensiver dem Weißen Ring und seinem Hobby Fotografieren widmen.

LN

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