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Ostholstein Mit der Kamera in den Untergrund
Lokales Ostholstein Mit der Kamera in den Untergrund
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20:17 13.04.2017
Auf Monitoren sind Schäden sofort zu sehen.

Es ist fast wie in einem kleinen mobilen Fernsehstudio. Martin Ziegler sitzt in einem Regieraum mit vier Monitoren und steuert gerade per Joystick eine Spezialkamera. Allerdings werden hier keine Aufnahmen für den TV-Zuschauer zu Hause gemacht, sondern die Regenwasserkanäle Heiligenhafens unter die Lupe genommen. Im Ortsteil Ortmühle haben der Kanalinspekteur und seine Kollegen von der Firma „Schweerbau“ aus Stadthagen bei Hannover in dieser Woche angefangen, die insgesamt 50 Kanal-Kilometer des Stadtgebiets zu untersuchen.

Heiligenhafens Regenwasserkanäle werden untersucht.

Kanalfahrten

50 Kilometer an Regenwasserkanälen werden in Heiligenhafen untersucht.

In 1500 Schächten wird die Spezialkamera heruntergelassen.

„Hier ist der Startpunkt für dieses große Projekt, das anderthalb Jahre Vorbereitungszeit benötigte“, erläutert Bauamtsleiter Roland Pfündl. Das Kanalnetz sei 60 Jahre und älter. Nach den Erfahrungen aus anderen Kommunen sei man in den kommenden zehn bis 20 Jahren sicher dabei, um die ganzen Schäden zu beseitigen. Doch diese müssen erst einmal alle entdeckt werden. Dafür kommen nun die Spezialisten zum Einsatz. Zunächst fährt Stefan Holzapfel mit seinem Spül- und Saugwagen vor und sorgt mit einem Druck von etwa 100 bis 130 Bar, dass die Rohre Heiligenhafens gereinigt werden.

Dann kommt der Einsatz von Martin Ziegler.

Im Schnitt einen Kilometer pro Tag mit einer Geschwindigkeit von 15 Zentimeter pro Sekunde durchquert die Kamera die Kanäle und zeichnet alles auf, was für die spätere Begutachtung durch ein Kieler Ingenieurbüro wichtig ist – vom normalen Verschleiß bis hin zu Risse und Wurzelanlagerungen. „Auf gerader Strecke hätte ich 500 Meter Kabel zur Verfügung“, berichtet Ziegler, doch Bögen und Kurven würden so lange Fahrten kaum zu lassen.

Gleich zu Beginn der Arbeiten am vergangenen Montag war auch schnell Schluss. „Der Kanal war in einem so schlechten Zustand, dass sich die Kamera verklemmt hatte und durch eine Tiefbaufirma befreit werden musste. Daran erkennt man auch die Notwendigkeit dieses Projekts“, erzählt Roland Pfündl .

Etwa 50 Arbeitstage hat die Firma „Schweerbau“ eingeplant. Doch man wisse nicht immer, was auf einen zukomme, betont Ziegler mit Blick auf den ersten Tag. „Zum Herbst wollen wir aber soweit mit der Zustandserfassung fertig sein, um gültige Aussagen auf notwendige Sanierungskonzepte treffen zu können“, sagt Heiligenhafens Bauamtsleiter. Um schadhafteRohre zu reparieren, vor allem wenn Sofortmaßnahmen ergriffen werden müssten, gebe es mehrere Varianten, so Pfündl weiter. „Beispielsweise grabenlos und ferngesteuert oder auch in offener Bauweise.“

Die Kosten für die Kanalbefahrung liegen bei rund 240000 Euro, dazu kommen noch rund 60000 Euro für die Unterstützung durch das Ingenieurbüro.

LN

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