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Ostholstein Mit der „flotten Lehni“ auf Tour
Lokales Ostholstein Mit der „flotten Lehni“ auf Tour
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20:10 12.01.2018
Vor der Lensahner Kirche starten und enden die Touren für Bürgerbus-Fahrer Gunter Merkel (69). Quelle: Fotos: Binder
Lensahn

Mit einem Kaffeebecher in der Hand schlendert der 69-Jährige zurück zur „Lehni“. Der rote Kleinbus wartet an der Haltestelle vor der Kirche auf ihn; laut Fahrplan bleiben noch ein paar Minuten, bis die Reise weitergeht. Zwei Touren nach Grube und zurück hat Gunter Merkel an diesem Freitag schon hinter sich; zwei weitere liegen noch vor ihm. Halbzeit.

Der Lensahner Bürgerbus bekommt immer mehr Fahrgäste. Jetzt wird das Angebot sogar ausgeweitet: Statt wie bisher nur freitags fährt die „flotte Lehni“ ab sofort auch dienstags. „Die Nachfrage wird größer“, berichtet Gunter Merkel, einer der ehrenamtlichen Fahrer.

Durchschnittlich einmal im Monat setzt sich der Ehrenamtler hinters Steuer des Bürgerbusses. Seit Oktober verstärkt „Lehni“ freitags den öffentlichen Busverkehr, sorgt für mehr Mobilität in den ländlichen Gemeinden (die LN berichteten). Insgesamt engagieren sich zwölf Freiwillige als Fahrer.

„Die meisten Leute steigen Richtung Lensahn ein“

„Solch ein Angebot muss sich erst rumsprechen, aber man merkt schon, dass nach und nach mehr Menschen einsteigen“, erzählt Gunter Merkel, während er „Lehni“ Richtung Kabelhorst lenkt. An diesem Morgen habe er bisher drei Fahrgäste gehabt – „das ist schon ganz ordentlich“.

Zurzeit sind die Rückbänke im Bus noch unbesetzt. Der Fahrer hofft, dass sich das noch ändert: „Es gibt ja nichts Schlimmeres, als heiße Luft durch die Gegend zu fahren“, scherzt er. Auch solche kompletten Leerfahrten habe er schon gehabt – „da fragt man sich dann manchmal, ob man wirklich auf der richtigen Strecke fährt“. Noch aber ist er zuversichtlich: „Die meisten Leute steigen auf dem Rückweg ein, wenn es wieder in Richtung Lensahn geht – zumindest morgens“, berichtet er von seinen Erfahrungen.

„Lehni“ hat schon

die ersten Stammgäste

Und er soll Recht behalten. In Grube steht eine Frau an der Haltestelle, gestützt auf eine Krücke. Gunter Merkel springt aus dem Bus, um ihr beim Einsteigen zu helfen. Nach Lensahn soll es gehen und dann weiter nach Oldenburg, wo sie mittags einen Arzttermin hat, erzählt der Neuzugang, der sich freundlich als Mandy Zimmermann vorstellt.

Mit „Lehni“ sei sie schon häufig gefahren. „Ich finde, das ist ein tolles Projekt“, sagt sie, „so etwas muss man unterstützen.“ Sie selbst freue sich nicht nur wegen der zusätzlichen Fahrtzeiten über die Lensahner Initiative: „Ich hatte einen Verkehrsunfall und habe seitdem Angst, in einen Bus einzusteigen“, erklärt sie. In der kleineren „Lehni“, in der sie mittlerweile auch „schon viele der netten Fahrer“ kenne, habe sie ein besseres Gefühl.

Früher hatte Gunter Merkel einen eigenen Omnibusbetrieb

Gunter Merkel plaudert mit seinem Fahrgast, während er „Lehni“ routiniert über schmale Landstraßen lenkt. Bis vor Kurzem hat der 69-Jährige mit seiner Frau noch selbst einen Omnibusbetrieb in Oldenburg geführt; die jetzige Strecke ist er lange Zeit mit einem Schulbus abgefahren. Nachdem die Eheleute ihr Unternehmen – samt Wohnhaus auf dem Betriebsgelände – aufgegeben hatten, zogen sie im April 2017 nach Lensahn. Und als hier das Bürgerbus-Projekt aus der Taufe gehoben wurde, meldete sich Gunter Merkel sofort als Freiwilliger. „Meinen Personenbeförderungsschein habe ich sowieso noch und als Rentner habe ich ja jetzt Zeit – warum soll ich da nicht helfen?“, so der gebürtige Sachse.

Er bekomme schließlich auch etwas zurück, betont der Ehrenamtler: „Die Fahrgäste danken es einem“, erzählt er, „das macht mir auch Freude.“

Nicht so schnell: „Lehni“

darf nicht zu früh ankommen

Mittlerweile sitzt ein weiterer Fahrgast mit im Bus: ein junger Mann, der beim Einsteigen in Altratjensdorf für 3,20 Euro ein Ticket bis Lensahn gekauft hat. Jeder „Transport“ wird von Gunter Merkel gewissenhaft in seinen Unterlagen vermerkt. Auch die aktuelle Uhrzeit gleicht er regelmäßig mit dem Fahrplan vor sich auf dem Armaturenbrett ab. „Wenn keiner ein- oder aussteigt, ist man sonst manchmal zu schnell“, erklärt er.

Als „Lehni“ schließlich ein weiteres Mal vor der Kirche in Lensahn hält, warten dort schon die nächsten Fahrgäste. Offenbar soll es ausnahmsweise in die andere Richtung gehen. Gunter Merkel hilft beim Aussteigen, wechselt mit den einen ein paar Worte zum Abschied und mit den anderen zur Begrüßung, dann sitzt er auch schon wieder hinterm Steuer. Mit drei fröhlichen Frauen auf der Rückbank macht er sich noch einmal auf Richtung Grube. Zum letzten Mal für diesen Tag.

Von Jennifer Binder

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