Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Mit einem Kunstherz in der Talkshow
Lokales Ostholstein Mit einem Kunstherz in der Talkshow
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:23 09.01.2016
Oliver Malchow diskutierte am Donnerstag im Fernsehstudio über das Thema „Der Silvester-Skandal — Wer kann uns noch schützen?“

Freude, Erleichterung und viel Respekt bei der Polizei in ganz Deutschland und besonders in Ostholstein: Jetzt meldete sich der Gewerkschaftschef zurück — als Teilnehmer der 45-minütigen Talkrunde des TV-Senders Phoenix zu den Silvester-Übergriffen.

Wer es nicht wusste, der wird kaum bemerkt haben, dass Malchow vor wenigen Monaten in Lebensgefahr schwebte und ein halbes Jahr aussetzen musste. Souverän, konzentriert und voll im Stoff bestritt er die Diskussion. Auffallend war allenfalls ein dunkler Tragegurt, der hin und wieder unter dem Jackett zu erkennen war.

„Ich habe eine Pumpe am Herz, die die Funktion meines Herzens unterstützt“, erläuterte Malchow den LN. Gesteuert und mit Energie versorgt werde diese Pumpe über einen Kasten, den er in einer Tasche bei sich tragen müsse. „Mir geht es recht gut“, sagte der Schleswig-Holsteiner, der viele Jahre Kripochef in Eutin war. Im Mai 2013 wurde er an die Spitze der GdP gewählt. Seitdem ist er Interessenvertreter von 177 000 Beamten und Angestellten im Polizeidienst. Sein Arbeitsplatz ist überwiegend Berlin.

In Berlin setzte auch sein Herz aus. „Ich habe Glück gehabt, dass es dort passiert ist“, berichtete Malchow. Die Rettungskette sei sehr gut gewesen, im Deutschen Herzzentrum kümmerten sich umgehend Spezialisten um ihn.

Drei Monate verbrachte der Kriminaloberrat in Kliniken und Reha-Einrichtungen, drei weitere Monate erholte er sich zu Hause. Für die GdP sprach in dieser Zeit sein Stellvertreter und einstiger Mitbewerber um den Vorsitz, Jörg Radek. Weder die Gewerkschaft noch Malchow selbst machten die Erkrankung publik, die anderseits gerade in der schleswig-holsteinischen Polizei ein offenes Geheimnis war. Die Sorge um den Kollegen war groß.

Umso größer die Erleichterung, als er jetzt überraschend, aber so, als sei er nie weg gewesen, im Fernsehen auftrat. Erst Ende Dezember habe er von den Ärzten das Okay bekommen, wieder die Arbeit in der GdP-Bundesgeschäftsstelle aufzunehmen, so Malchow. Sein Entschluss, bei Phoenix Position zu beziehen, fiel sehr kurzfristig. „Die Anfrage kam drei Stunden vor Sendebeginn herein“, berichtete Malchow. Er habe sie als Herausforderung betrachtet: „Schaffst du es oder schaffst du es nicht?“ Und als Startschuss: „Jetzt geht es wieder ran!“ Mit Beginn der Sendung sei seine Skepsis verflogen.

„Ich habe mich schnell wohl gefühlt.“

Vom Echo darf sich Oliver Malchow bestätigt fühlen. Gleich nach der Sendung erreichte ihn eine Flut zustimmender Nachrichten. Thomas Gründemann, Landesvorstandsmitglied der GdP aus Eutin, schrieb etwa auf Facebook: „Ich habe das Gefühl, persönlich einen der bewegendsten Momente des gesamten neuen Jahres erlebt zu haben.“ pet

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige