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Ostholstein Mit langen Ohren richtig punkten
Lokales Ostholstein Mit langen Ohren richtig punkten
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22:24 25.10.2013
Der Vereinschef Hans-Joachim Frühling mit einem Deilenaar.

43 Zentimeter sind eine gute Länge. Für die Ohren, genauer: den Behang von Großwiddern. Das sind Kaninchen mit Schlappohren, würde der Laie sagen — Falko Fuhrhop allerdings ist kein Laie, sondern im Gegenteil Preisrichter, und er nimmt an diesem Freitagvormittag mit zwei Kollegen insgesamt 150 Kaninchen unter die Lupe. Die sind anlässlich der Kreisverbandsschau in der Halle des Ahrensböker Zuchtvereins „U 102“ versammelt und ruhen gelassen in ihren Ställen, bis sie auf dem Richtertisch an der Reihe sind.

„Beim Großwidder darf der Behang 38 bis 45 Zentimeter lang sein, quer über den Kopf gemessen“, erklärt Fuhrhop und zückt sein Lineal. „Ideal sind 42 bis 44 Zentimeter, und der Behang sollte außerdem hufeisenförmig vom Kopf fallen.“ Tut er in diesem Fall, und auch die „Blume“, also der Schwanz des Kaninchens, weist die beim Großwidder verlangte Sprenkelung auf. Die Preisrichter pusten den Tieren ins Fell, um die „Unterfarbe“ zu kontrollieren, wiegen sie und drehen sie und tasten sie ab. Es gilt, in sieben Kategorien Punkte zu sammeln, das Maximum sind 100. „Das ist aber sehr selten“, sagt Fuhrhop, „die meisten liegen zwischen 93 und 96 Punkten.“ Ab 97 gibt‘s die Note „vorzüglich“, alles unter 90 Punkten bekommt jedoch „nicht befriedigend“.

Die meisten Kaninchen — egal, ob mächtige Weiße Riesen oder zarte, putzige Farbenzwerge — lassen die Prozedur am Richtertisch brav über sich ergehen. Einige posieren sogar so gekonnt, als hätten sie sich Albrecht Dürers berühmtes Aquarell „Feldhase“ zum Vorbild genommen. „Ich sage immer: wie der Herr, so‘s Gescherr“, meint Fuhrhop. „Ist man selber nervös, wird auch das Tier nervös. Man muss ruhig bleiben.“ Aber wenn ein Rammler den Preisrichter doch einmal in den Finger beißt, setzt es bestimmt Punktabzüge, oder? „Nein“, winkt Fuhrhop ab, „das hat ja mit der Bewertung nichts zu tun.“

Dennoch sei es besser, „wenn sich die Tiere entsprechend präsentieren“, ergänzt Hans-Joachim Frühling. Er ist Vorsitzender des Kaninchenzuchtvereins „U 102“ und Leiter der Kreisverbandsschau. Dieses Mal nehmen 26 Züchter teil und bringen eine Menge unterschiedlicher Rassen mit klingenden Namen mit: Weiße und Graue Riesen, Deutsche Widder, Groß- und Kleinchinchilla, Helle Großsilber, Blaue, Weiße und Graue Wiener, Weiße Neuseeländer, Thüringer, Alaska, Deilenaar, Lohkaninchen, Kleinsilber, Zwergwidder, Farbenzwerge, Rexkaninchen und Angora. 150 Kaninchen seien allerdings wenig, räumt Frühling ein: „Früher waren bei einer solchen Schau 800 bis 900 Tiere zu sehen.“ Leider aber sei die Jugend schwer für das Hobby Kaninchenzucht zu begeistern, es fehlt also an Nachwuchs. Aber vielleicht findet sich ja doch der eine oder andere potenzielle Kaninchenzüchter, heute und morgen, wenn die Besucher in der Halle an der Reeperbahn sehen, dass auch mit einer Ohrlänge von 43 Zentimetern gepunktet werden kann.

Kaninhop-Wettbewerbe an der Reeperbahn
Heute und morgen steht die Kreisverbandsschau der Lübecker Kaninchenzüchter an, in der Halle des Zuchtvereins „U 102“ in Ahrensbök (Reeperbahn 2). Dem Kreisverband sind Vereine aus Ostholstein, Stormarn, Lübeck und Lauenburg angeschlossen.

26 Aussteller zeigen 150 Kaninchen. Geöffnet ist heute von 9 bis 17 Uhr und morgen von 9 bis 16.30 Uhr. Die Jugendgruppe des Zuchtvereins präsentiert Kaninhop-Wettbewerbe: heute ab 10 Uhr und morgen ab 12 Uhr. Der Eintritt zu der Schau ist frei.

Sabine Latzel

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