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Ostholstein Mörder belastet Neustädter Witwe schwer
Lokales Ostholstein Mörder belastet Neustädter Witwe schwer
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23:40 13.06.2018
Quelle: dpa
Neustadt/Lübeck

Rückblick: Am 14. Mai 2006 wurde ein Neustädter Geschäftsmann in seinem Wohnhaus von einem mutmaßlichen Einbrecher lebensgefährlich verletzt. Zwei Monate später starb er an den Folgen. Der zu dem Zeitpunkt 20 Jahre alte Obdachlose hatte den 63-Jährigen mit einem 14 Zentimeter langen Fleischermesser attackiert und den Angriff kurz darauf gestanden.

Die Frau des Ermordeten stritt unmittelbar nach der Tat ab, den Mörder ihres Mannes zu kennen. Im Laufe des am 23. Mai dieses Jahres neu aufgerollten Prozesses revidierte sie ihre Aussage. Sie sagte, dass sie ihn bereits im Frühjahr 2005 während eines Aufenthaltes im Neustädter Ameos-Klinikum kennengelernt habe. Zugleich betonte sie, von Mordplänen nichts gewusst zu haben, sprach lediglich von einem verabredeten Einbruch in das Haus ihres Mannes. Dieses befand sich gleich neben ihrem.

 

„Wir haben eine Flut von Briefen vorliegen.Christian Singelmann Richter am Landgericht Lübeck

Befragung in der Wohnung des Verurteilten

Während Staatsanwalt Dirk Hartmann davon überzeugt ist, dass die Witwe in den Mord involviert ist, erscheinen die Aussagen der Angeklagten und der bisher vernommenen Zeugen widersprüchlich. Nun sollte ein Gespräch mit dem verurteilten Mörder, der seine Haftstrafe bereits abgesessen hat, Klarheit bringen. Neben Hartmann machten sich die Richter Christian Singelmann, Martina Fock und Beate Sager ebenso wie Verteidiger Frank-Eckhard Brand auf zum Hausbesuch. Das dabei entstandene Vernehmungsprotokoll vom 6. Juni 2018 wurde während der gestrigen Verhandlung vor dem Lübecker Schwurgericht verlesen.

Demnach habe der 32-Jährige ebenfalls ausgesagt, die Angeklagte während eines Klinikaufenthaltes kennengelernt zu haben. Er habe auch bestätigt, eine Zeit lang bei ihr im Keller gelebt zu haben. Die Witwe soll ihm erzählt haben, dass ihr Mann sie schlecht behandle. Da habe er gesagt, dass er diesen umbringen könne. Auf die Nachfrage, ob es eine klare Verabredung gegeben habe, soll der Befragte erklärt haben: „Ich habe ihr klar und deutlich gesagt, dass ich ihren Mann umbringe. Das war für uns beide klar.“

Das Messer, mit dem der Unternehmer lebensgefährlich verletzt wurde, habe er von den Angeklagten bekommen. Er habe ihr nur helfen wollen. Darüber hinaus soll er im Gespräch mit den Richtern geäußert haben, dass er seine Strafe zu Recht bekommen habe und nun die Angeklagte ihre Strafe wegen Beihilfe zum Mord erhalten solle. Dafür würde sich auch seine jetzige Frau einsetzen. Diese war Ende Mai als Zeugin geladen und hatte die Witwe mir ihrer Aussage schwer belastet (die LN berichteten).

Liebesbriefe und Geldwünsche

In welchem Verhältnis die Witwe und der Mörder ihres Ehemannes zueinander standen, ist nach wie vor nicht ganz klar. Beide räumten ein, eine kurze sexuelle Beziehung miteinander gehabt zu haben.

Während der Haft schrieben sie sich zudem lange Liebesbriefe, einige wurden gestern verlesen. Der 32-Jährige formulierte darin Sätze wie: „Du bist tief und fest in meinem Herzen“, „Du bist die Liebe meines Lebens“. Zugleich bat er sie immer wieder um Geld, um Schulden zu begleichen. Den meisten Aufforderungen kam die Neustädterin nach, bis sie 2009 schließlich das Gefühl bekam, er liebe nur das Geld. Gegenüber den Richtern betonten beide, sich nicht geliebt zu haben.

Urteil frühestens kommende Woche

Der Prozess gegen die Witwe soll kommende Woche am Freitag, 22. Juni, fortgesetzt werden. Ursprünglich wurde für diesen Tag das Urteil erwartet. Ob es dazu kommt, ist offen. Zuvor steht noch die Vernehmung eines Zeugen an. Auch müssen die Plädoyers von Oberstaatsanwalt Dirk Hartmann und Verteidiger Frank-Eckhard Brand verlesen werden.

 Von Sebastian Rosenkötter

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