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Ostholstein Mörderische Geschichten im Eutiner Schloss
Lokales Ostholstein Mörderische Geschichten im Eutiner Schloss
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20:25 30.09.2017
Museumspädagogin Ulrike Unger vor der mit Schildpatt belegten Boulle-Uhr im Europazimmer. Quelle: Lutz Roeßler
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Eutin

Groß und bedrohlich sieht er aus: Peter der Große, russischer Zar aus dem 17. Jahrhundert, war ein Hüne von fast zwei Meter Körpergröße. Das strahlt sogar das düstere Gemälde aus, das im Flur im ersten Stock des Eutiner Schloss hängt.

Doch der Herrscher aus dem Osten war nicht nur Regent über sein Riesenreich, er war auch naturkundlich interessiert. „Er hatte ein eigenes Gruselkabinett, sammelte Sachen wie Föten mit zwei Köpfen oder missgebildete Katzen“, erklärt Ulrike Unger. Die Museumspädagogin hat eine neue Führung konzipiert, die am kommenden Wochenende beim Festival der Führungen erstmals durchgeführt wird, und Peter der Große ist ein Teil davon.

„Mit Risiken und Nebenwirkungen – Mörderische Geschichten im Hause Schleswig-Holstein-Gottorf“ heißt die Führung, die sieben Stationen quer durch die Beletage des Schlosses beinhaltet. Bei gedämmtem Licht, nur im Schein einer Laterne, macht Ulrike Unger dann an sechs Gemälden und einer Uhr Stopp und breitet ihre mörderischen Geschichten aus. Dabei hat sie einiges Interessantes zu erzählen: Über Peter den Großen, über den bekannt ist, dass er in seinem Gruselkabinett auch die abgeschlagenen Köpfe einer Mätresse und deren Bruder aufbewahrte. „Den Kopf des Bruders stellte Peter dann angeblich seiner eigenen Frau auf den Schreibtisch. Sie soll eine Affäre mit dem jungen Mann gehabt haben“, erklärt Ulrike Unger. <TB><TB>

Sie hat noch mehr unglaubliche Geschichten in petto: Über Fürstbischof Johann Friedrich und seine Ansicht über die Hexenverfolgung im 16. Jahrhundert. Über den dicken König Adolf Friedrich von Schweden, der sich zu Tode aß. Oder von seinem Sohn Gustav III. von Schweden, der hinterrücks auf einem winterlichen Maskenball gemeuchelt wurde. „Das ist eine fast kinoreife Geschichte“, sagt Unger. Ähnlich wie die Story über Herzog Paul Friedrich August, der im 19. Jahrhundert gleich drei Ehefrauen an Kindbettfieber verloren hat.

Seit Juli hat Ulrike Unger in alten Büchern, Unterlagen und Schriften gestöbert und recherchiert, welche Tragödien im Hause Schleswig-Holstein-Gottorf passiert sind. „Wenn man anfängt zu forschen, findet man ziemlich viel. Auch welches Leiden im Leben der Porträtierten steckte“, sagt Unger. Gerade die kulturgeschichtlichen Aspekte waren ihr wichtig. Sie hat nicht nur Gemälde in ihre Führung einbezogen, sondern auch die Boulle-Uhr im Europazimmer. Das reich verzierte Kunstwerk eines französischen Möbeltischlers ist mit Schildpatt belegt. „Das Mörderische daran ist, dass die Karett-Schildkröten bei lebendigem Leib in heißes Wasser gelegt oder über Feuer gehalten wurden, damit sich das Schildpatt vom Panzer löste. Das überlebten nur die wenigsten Tiere“, sagt Unger. Auch über die roten Krönungsmäntel mit den weißen Pelzkragen, in denen so mancher Monarch präsentiert wurde, hat sie einiges herausgefunden. „Rund 4000 Tiere wurden für einen Mantel geschlachtet.“

Brigitta Herrmann, Geschäftsführerin der Stiftung Schloss Eutin, freut sich schon auf die neue Führung und das anstehende Festival. „Das Schloss ist dabei, sich immer weiter zu öffnen. Und mit den unterschiedlichen Führungen können wir alles auf verschiedenste Weise zeigen“, sagt sie. So können die Besucher Geschichte immer wieder aus einer neuen Perspektive erfahren. „Das Fazit: Wer reich war und herrschte, lebte trotzdem oft gefährlich.“

Von Majka Gerke

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