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Ostholstein Mordprozess: Rechtsmedizinerin sagt aus
Lokales Ostholstein Mordprozess: Rechtsmedizinerin sagt aus
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20:16 03.06.2016

20 Verletzungen, zwei davon tödlich – „mit erheblicher Gewalt“ sei auf den Kabelhorster Familienvater Jean-Claude T. eingestochen worden, sagte gestern Rechtsmedizinerin Dr. Ivana Gerling vor dem Lübecker Landgericht. Der 58-Jährige habe vermutlich innerhalb von Sekunden das Bewusstsein verloren; es gebe „keine Hinweise darauf, dass sich das Opfer bewegt hat“. Lediglich zwei Schnitte an der linken Hand könnten „eventuell als Abwehrverletzungen gedeutet werden“, so die Sachverständige, „die Hand könnte aber auch einfach so gelegen haben, dass sie mit verletzt wurde“.

T. wurde im Herbst 2015 getötet, während er geschlafen hat. Seine 43-jährige Ehefrau hat die Tat gestanden; sie muss sich wegen heimtückischen Mordes vor Gericht verantworten (die LN berichteten).

Als Todesursache nannte Gerling am gestrigen fünften Verhandlungstag Verbluten. Sie sprach von einem „Kraftakt“, auf den die Verletzungen schließen ließen: Knochenstrukturen seien durchtrennt worden, das Opfer habe Rippenbrüche erlitten, der Kopf sei „vollständig geöffnet“ gewesen. 20 frische Wunden seien T. mit einem Messer zugefügt worden, die ersten an Kopf und Hals, weitere später im Bereich von Brust und Bauch, rekonstruierte die Medizinerin das Geschehen. Zwei der Stiche „hätten auch alleine zum Tode geführt“.

T. habe zum Tatzeitpunkt nicht unter Einfluss von Medikamenten oder Alkohol gestanden, so Gerling. Dass er offenbar dennoch kaum auf den Angriff reagiert geschweige denn sich gewehrt habe, liege daran, dass er infolge des massiven Blutverlusts sehr schnell ohnmächtig geworden sei.

T.s Frau bezichtigte ihren Mann derweil, er habe die beiden gemeinsamen Söhne (zwei und vier Jahre alt) und sie selbst umbringen wollen. Damit kam gestern die nächste neue Version ihrer Schilderungen auf den Tisch. Auch nahm die 43-Jährige im gleichen Atemzug erneut Teile ihrer bisherigen Aussagen zurück – die mittlerweile x-te Kehrtwende.

Die Kabelhorsterin mit den afrikanischen Wurzeln hatte mehrere Schreiben vorbereitet, die sie durch ihren Anwalt verlesen ließ. „Wahrheit und Entschuldigung“ hat sie im ersten handschriftlichen Dokument getitelt. Darin heißt es, sie sei bei ihrer Aussage im Gericht „konfus“ gewesen, leide unter „Denkstörungen, Müdigkeit und Erinnerungsstörungen“. Die Wahrheit sei, dass ihrem Mann eine Scheidung „zu teuer“ gewesen sei; er habe „sich entschieden, zu töten, statt sich zu trennen“. Als er den älteren Sohn bedroht habe, habe sie gehandelt.

Fortsetzung: 27.6., 14.30 Uhr

LN

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