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Mordprozess: T. wollte Frau abschieben

Kabelhorst/Lübeck Mordprozess: T. wollte Frau abschieben

Freunde des Kabelhorsters berichten von Eheproblemen — Opfer wollte seine Frau zurück nach Afrika bringen.

Kabelhorst/Lübeck. Wer hat wen schlecht behandelt? Im Prozess um den Tod des Kabelhorster Familienvaters Jean-Claude T. ging es gestern am zweiten Verhandlungstag vorwiegend um T.s Verhältnis zu seiner Frau. Die 43-Jährige muss sich wegen heimtückischen Mordes vor dem Lübecker Landgericht verantworten. Sie soll ihren 58-jährigen Ehemann im Oktober 2015 mit 14 Messerstichen getötet haben, als er geschlafen hat (LN berichteten). Während das Paar laut Aussage diverser Nachbarn nach außen hin glücklich gewirkt hat, berichteten Freunde und Bekannte jetzt von massiven Eheproblemen. Welcher der Partner die „Schuld“ daran trug, dazu gingen die Meinungen allerdings auseinander.

„Sie hat sich verändert, wirkte traurig.“ Eine Zeugin über die Angeklagte

„Er war enttäuscht von seiner Frau.“ Ein Zeuge

über Jean-Claude T.

Freunde von T. berichteten übereinstimmend, er habe sich zuletzt häufig über das Verhalten seiner Frau beklagt. Seinen Erzählungen zufolge sei sie offenbar mit der Erziehung der zwei gemeinsamen kleinen Kinder überfordert gewesen, wodurch der Vater mehr und mehr belastet worden sei. T. habe eingekauft, sei mit den Kindern zum Arzt oder an seinen freien Tagen zum Spielplatz gegangen; seine Frau habe im Prinzip „nie das Haus verlassen“. Häufig sei der Beikoch spätabends nach Hause gekommen und habe seine Kinder noch wach und sehr hungrig vorgefunden, weil seine Frau es versäumt habe, ihnen etwas zu essen zu machen. Auch seien alle Versuche seinerseits fehlgeschlagen, die gebürtige Kamerunerin hierzulande zu integrieren. Er selbst — der ebenfalls afrikanische Wurzeln hatte — lebte seit mehr als 30 Jahren in Deutschland. Seine Frau kam erst vor einigen Jahren dazu: T. habe damals seine Familie gebeten, ihm jemanden zu suchen, weil er sich Kinder wünschte — so berichteten es verschiedene Bekannte vor Gericht.

Zuletzt habe er offenbar mit dem Gedanken gespielt, sich von seiner Frau zu trennen, sagten mehrere Freunde von T. aus. Sie habe ihn „nur noch beschimpft und beleidigt“, wenn er versucht habe, mit ihr zu sprechen. Er habe sie nicht mehr geliebt. Die Zeugen berichteten, T. habe ihnen gegenüber erklärt, er wolle seine Frau „zurück zu ihrer Familie nach Afrika bringen, wenn die Kinder älter wären“.

Genau davor habe seine Mandantin Angst gehabt, hatte Verteidiger Stefan Tripmaker bereits bei der Auftaktverhandlung erklärt. Auch soll T. seine Frau laut deren Aussage betrogen und gedemütigt haben, ihr Ge- und Verbote erteilt haben und „wie ein Patriarch“ über das Familienleben bestimmt haben. Eine Nachbarin bestätigte jetzt vor Gericht, dass die 43-Jährige ihr erzählt habe, dass ihr Mann sie schlecht behandele. Er habe „jeden Abend getrunken“ und sich eine „Beimutter“ ins Haus — und sogar ins gemeinsame Schlafzimmer — holen wollen. Auch habe sie kein Obst mehr für die Kinder kaufen dürfen. Nach ihrer Verhaftung habe sie gesagt, ihr Mann sei „schlecht“, und dass „die Kinder keine Äpfel essen durften“, berichtete ein Justizvollzugsbeamter.

Auffällig: Fast alle Freunde von T. gaben an, dass der Kontakt zu dem Kabelhorster Paar nach der Geburt des zweiten Sohnes vor zwei Jahren sehr viel weniger geworden oder gar ganz abgerissen sei.

Alle sagten, der Grund sei gewesen, dass seine Frau sie nicht mehr habe sehen wollen — den Grund dafür konnte sich jedoch keiner erklären. „Sie hat sich verändert“, sagte eine 61-jährige Neustädterin, die T. nach eigener Aussage bereits seit mehr als 30 Jahren kannte. Anfangs sei sie „offen und fröhlich“ gewesen — zuletzt habe sie jedoch „verschlossen und traurig“ gewirkt.

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch, 4. Mai, um 9 Uhr fortgesetzt. An diesem Verhandlungstag werde sich auch die Angeklagte selbst äußern, hat ihr Verteidiger angekündigt.

Von Jennifer Binder

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