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Ostholstein Mordprozess: Vierjähriger Sohn der Angeklagten soll aussagen
Lokales Ostholstein Mordprozess: Vierjähriger Sohn der Angeklagten soll aussagen
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18:17 08.07.2016

Weitere Beweisaufnahmen statt Plädoyer der Verteidigung: Der Mordprozess von Kabelhorst zieht sich in die Länge. Gestern sagte die Pflegemutter der beiden gemeinsamen Söhne (2 und 4) von der Angeklagten und dem Ermordeten vor dem Landgericht Lübeck aus, was zu neuen Zeugenbefragungen führt. Der ältere der beiden Söhne soll kommende Woche womöglich selbst die Fragen des Gerichts beantworten. Der 43-jährigen Angeklagten wird zur Last gelegt, am 22. Oktober vergangenen Jahres ihren Ehemann heimtückisch im Schlaf ermordet zu haben. Jean-Claude T. (58) erlag den Folgen der 14 Messerstiche an Kopf, Hals und Bauch.

„Der ältere Sohn sagte einmal zu mir: ,’Mama hat gesagt, sie wollte das mit Papa nicht tun’.“ Pflegemutter der beiden Kinder

Gestern wollte Richter Christian Singelmann von der Pflegemutter erfahren, ob die beiden Söhne Aussagen zu den Eltern oder der Tat gemacht hätten. Diese sagte aus, der ältere Junge habe Dinge gesagt wie: „Papa hat Aua.“ Oder: „Papa ist nicht aufgewacht. Die Polizei ist gekommen und hat ihn in den Himmel gebracht.“ Während die Zeugin dies sagte, blickte die Angeklagte regungslos nach unten. Die Pflegemutter berichtete von weiteren Aussagen des Kindes wie: „Papa hat Mama geschlagen.“ Und: „Mama hat gesagt, sie wollte das mit Papa nicht.“ Als Richter Singelmann fragte, wie gut der ältere Sohn erzählen könne, antwortete die Zeugin: „Er ist sprachlich auf dem Niveau eines Dreijährigen.“ Ob sie sich vorstellen könne, dass der Junge vor Gericht aussagt? Pflegemutter: „Das weiß ich nicht.“

Dies soll nun mit Hilfe des Jugendamtes geprüft werden. Möglicherweise soll auch der Kinderarzt, der mit den beiden Söhnen wöchentlich zu tun hat, vor Gericht gehört werden. Ebenfalls noch nicht abgeschlossen ist das psychiatrische Gutachten der Sachverständigen Dr. Christine Heisterkamp. Denn der Verteidiger, Rechtsanwalt Dr. Stefan Tripmaker, wies auf aktuelle Begebenheiten aus dem Frauenvollzug hin, wonach die Angeklagte häufig Selbstgespräche führe, im Kreis ginge, mit den Fingernägeln an der Zellenwand kratze und komische Laute von sich gebe. Er sprach von einer möglichen sogenannten „seelischen Abartigkeit“ und Bewusstseinsstörung, die sich auf die Schuldfähigkeit auswirken könne. Daher wolle er zwei Zeugen aus dem Frauenvollzug hierzu laden. Dem entgegneten Staatsanwalt Niels-Broder Greve und Rechtsanwalt Andre Vogel, der die beiden kleinen Söhne des Ehepaars als Nebenkläger vertritt, dass die Sachverständige Dr. Heisterkamp die Angeklagte ausreichend begutachtet hätte. Richter Christian Singelmann bat jedoch Heisterkamp darum, diese aktuellen Beobachtungen in ihre Expertise einfließen zu lassen und erneut mit der Angeklagten zu sprechen.

Nächste Verhandlungstage sind Freitag, 15. Juli (9 Uhr), Montag, 8. August (10.30 Uhr) und Mittwoch, 17. August (9 Uhr). Sollte der vierjährige Sohn der Angeklagten am 15. Juli aussagen, würde dies nicht öffentlich geschehen.

Peter Mantik

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