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Ostholstein Morsche Holzbalken: Kirche in Süsel muss saniert werden
Lokales Ostholstein Morsche Holzbalken: Kirche in Süsel muss saniert werden
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09:41 15.08.2017
Pastorin Kristina Warnemünde war gestern zum ersten Mal im Turm der Süseler Kirche. Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen

Ehe die Bundespolitikerin mit Fachleuten und Angehörigen des Kirchenvorstandes in den Kirchturm stieg und sich dort ein Bild von den morschen Holzbalken machte, ließ Küsterin Silke Rüting zunächst nur eine, dann ausnahmsweise und nur ganz kurz noch einmal alle vier Kirchenglocken läuten. „Welch ein schöner Klang“, bemerkte Hagedorn.

Glocken von St. Laurentius können nicht mehr richtig läuten – Geld vom Bund?.

Diese vollen Töne können die Süseler seit eineinhalb Jahren aber nicht mehr hören, da wegen gravierender Schäden im Gebälk nur wenige Schwingungen erzeugt werden dürfen. Derzeit kann immer nur eine Glocken geläutet werden. Es ist die kleine, und sie erklingt morgens, mittags und abends auch nur jeweils zwei Minuten lang. Anders als früher, als jeweils zehn Minuten vor und nach dem Gottesdienst an Sonntagen alle vier Glocken zu hören waren, sind es jetzt auch nur zwei Minuten.

Unten am Gotteshaus zeigte Matthias Höls, Leiter der Bauabteilung beim Kirchenkreis Ostholstein aus Neustadt, zunächst die gravierenden Schäden im Mauerwerk. An einigen Stellen konnte er den Zollstock 70 Zentimeter tief zwischen die dicken Felssteine stecken. „Die Bilder gleichen sich in vielen Kirchen. Schäden gibt es fast überall. Hier in Süsel ist es wirklich fünf vor zwölf“, warnte Hagedorn.

Die Beseitigung der Mauerschäden und die im Gebälk erforderlichen Holzarbeiten werden sicherlich einen finanziellen Aufwand in einer „hohen sechsstelligen Höhe“, erfordern, schätzen Statiker und Architekten. Als einen möglichen Vergleich zog Hagedorn die Sanierung des Kirchturmes in Grube heran. Die kostete etwa 880000 Euro. 440000 Euro davon hat der Bund aus seinem Denkmalschutz-Sonderprogramm gegeben, die andere Hälfte wurde kofinanziert, sagte Hagedorn.

Beschlossen werden die jährlichen Programme seit 2008 vom Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages – und das zumeist einstimmig über alle Parteigrenzen hinweg. Sie, sagte Hagedorn, arbeite dafür stets mit Schleswig-Holsteins Landeskonservator Dr. Michael Paarmann zusammen.

Von diesen Programm profitiert hätten in Ostholstein bereits die KZ-Gedenkstätte Ahrensbök, die Ratekauer Feldsteinkirche, das Eutiner Schloss, der Oldenburger Wall und der Elisabeth-Turm auf dem Bungsberg. Im September werde die 440000 Euro teure Sanierung der Jürgen-Kirche in Grube beginnen.

Angemeldet werden kann die Sanierung der Süseler Kirche im kommenden Jahr, denn dann werde der Haushaltsausschuss mit den Etats 2018 und 2019 die weiteren Denkmalschutz-Sonderprogramme beschließen.

„Wir haben jetzt mit der Bestandsaufnahme begonnen“, berichtete der betreuende Architekt Lutz Eckoldt. Die politische Gemeinde Süsel, daran ließ die stellvertretende Bürgermeisterin Swantje Meininghaus (SPD) keinen Zweifel, sei nicht in der Lage, Zuschüsse zu geben, da sie zu den Defizitgemeinden im Land gehöre.

Die Hälfte der zu erwartenden Kosten müsse dann von einem Förderverein gesammelt werden, schlug Hagedorn vor. „Das kriegen wir sehr bald hin“, sagte Kirchenvorstandsmitglied Michael Meininghaus optimistisch. Gleich nach der Sommerpause, während der nächsten Kirchengemeinderatssitzung im September, werde die Gründung beschlossen. Dann gelte es, alle 3534 Gemeindeglieder in den 16 zur Gemeinde gehörenden Dörfern, aber auch alle anderen, denen die Kirche mit ihrem kräftigen Glockengeläut am Herzen liegt, für das Projekt zu begeistern.

Den Politiker-Besuch nutzten auch Dr. Diether Plate (82), ehemaliges Kirchengemeinderatsmitglied, und Pastorin Kristina Warnemünde für eine Turmbesichtigung. „Ich bin seit 70 Jahren zum ersten Mal wieder hier oben“, berichtete Plate. Und die Pastorin verriet: „Ich war noch niemals im Kirchturm.“

 Christina Düvell-Veen

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