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Ostholstein Kollision vor Neustadt: Yacht und Jetski beschlagnahmt
Lokales Ostholstein Kollision vor Neustadt: Yacht und Jetski beschlagnahmt
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07:34 29.05.2018
Der schwere Unfall erschüttert die Einsatzkräfte weit über Neustadt hinaus. Quelle: Arne Jappe
Neustadt

Zum Unfallzeitpunkt herrschte aufgrund der Hanseboot-Ancora-Boat-Show, die am Wochenende Tausende nach Neustadt zog, im Yachthafen dichtes Treiben. Auf dem sogenannten Wet-Bike waren vor der Mole ein Vater und sein sechsjähriger Sohn unterwegs. Bei dem Unglück geriet der Junge in die Schiffsschraube und erlitt Schnittverletzungen.

Entgegen ersten Berichten wurde das Bein des Kindes aber nicht abgetrennt. Während Messe-Mitarbeiter den Jungen aus dem Wasser zogen, wurde der Vater, beide stammen aus Stormarn, von Seglern gerettet. Einsatzkräfte versorgten die Verunglückten. Nach Angaben der Polizei kamen sie in eine Lübecker Klinik, Lebensgefahr bestehe nicht. Der Motorbootfahrer sei nach dem Unglück zu seinem Liegeplatz gefahren, meldete sich von dort bei der Polizei. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wie es zu der schweren Kollision zwischen Motoryacht und Jetski vor Neustadt kommen konnte, ist auch drei Tage nach dem Unglück nicht geklärt. Die Staatsanwaltschaft hat beide Fahrzeuge beschlagnahmt, sie wurden bereits am Sonntag von einem Gutachter untersucht.

Für die Klärung der möglichen Schifffahrts-Verkehrsgefährdung ist die Kieler Staatsanwaltschaft zuständig. Der genaue Unfallhergang wird von der Wasserschutzpolizei in Travemünde ermittelt. Auf Nachfrage sagte Polizeisprecher Dierk Dürbrook, dass sich die Kollision draußen vor der Mole in Höhe des Tonnenpaars 3/6 ereignete: „Auf der Wasserseite Richtung Sierksdorf.“ Wie schnell beide Fahrzeuge unterwegs waren und wer vorfahrtsberechtigt gewesen ist, konnte Dürbrook nicht sagen. Auch dies ist noch Gegenstand der Ermittlungen. Auf der Wasserseite gebe es keine Geschwindigkeitsbegrenzung. Hinter der Ansteuerungstonne allerdings gelte ab Tonnenpaar 3/6 auf der Landseite ein Tempolimit von zehn Stundenkilometern für alle Fahrzeuge, sagt Dürbrook.

Die Nachricht vom Unglück und dem durch eine Schiffsschraube schwer verletzten Kind erschüttert viele Menschen im Norden. Einen aber ganz besonders: Reinhard Fahlbusch. Der Hamburger war begeisterter Surfer, als der 7. August 2011 sein Leben veränderte. Damals wurde der sportliche Mann vor Pelzerhaken von einer Motoryacht überfahren. Die Schiffsschraube zerfetzte sein linkes Bein, das rechte konnte nur durch die Kunst der Ärzte gerettet werden. Wieder genesen, kämpft Fahlbusch, der nach dem Unglück nach Eutin zog, unter anderem für eine Geschwindigkeitsbegrenzung in der Dreimeilenzone. Angesichts des erneuten Unfalls sagt er: „Meine Gedanken sind bei der Familie, ich wünsche dem Jungen alles Gute.“ Enttäuscht fügt er hinzu: „Seit damals ist alles viel schlimmer geworden.“ Man müsse das Treiben in der Lübecker und Neustädter Bucht nur beobachten, „es gibt eine Masse von schnellen Motorbooten“. Die 500-Meter-Zone, in der die Geschwindigkeitsbegrenzung herrsche, sei ein Witz. Zumal es Kontrollen seitens der Wasserschutzpolizei kaum gebe. Der heute 68-Jährige fragt: „Muss es erst Todesopfer geben, damit sich endlich etwas ändert?“ Auf fehlende Kontrollen angesprochen sagt Dierk Dürbrook, dass die Wasserschutzpolizei in Heiligenhafen und Travemünde immer wieder auf deren Einhaltung achten würde.

Die Ermittler bitten dringend um weitere Aussagen von Zeugen, die den Unfallhergang am Sonnabend beobachtet haben.

Der Vater des Jungen war von Seglern aus dem Wasser gezogen worden. Das Ehepaar hatte den Verunglückten an Bord seiner Segeljolle genommen und die Seenotretter alarmiert. Das bestätigte Ralf Bauer, Sprecher der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS), den LN. Glück im Unglück: Die „Hans Hackmack“ aus Grömitz war mit ihrer Mannschaft zum Open-Ship in Neustadt. Der Seenotrettungskreuzer wurde von der Leitstelle in Bremen sofort alarmiert. „Wegen der unklaren Position haben wir in der vollen Neustädter Bucht die sieben Meter lange Jolle nicht gleich gefunden“, sagte Vormann Guido Förster. Als die Seenotretter sie am Sonnabend gegen 18 Uhr einige Hundert Meter vor der Hafeneinfahrt entdeckten, nahmen die Männer die Jolle mit dem Tochterboot „Emmi“ längsseits und versorgten den Jetski- Fahrer. Im Neustädter Yachthafen übergaben die Seenotretter den Verletzten an die Mannschaft eines Rettungswagens.

 

Kontakt: Zeugen, die bislang noch nicht von der Wasserschutzpolizei gehört wurden, werden gebeten, sich beim Wasserschutzpolizeirevier in Lübeck, Am Leuchtenfeld, 23570 Lübeck-Travemünde, oder unter Telefon 045 02/86 28 30 zu melden.

 

Martina Janke-Hansen

 

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