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Ostholstein Mühlen-Tradition am Pfingstmontag
Lokales Ostholstein Mühlen-Tradition am Pfingstmontag
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20:47 04.06.2017
Ein Blickfang – und derzeit ein Sorgenkind: „Jachen Flünk“ im Lemkenhafen braucht eine neue Flügelwelle. Quelle: Foto: Gjs
Fehmarn/Hasselburg/Kassedorf

Noch hinken die Ostholsteiner weit hinterher. Denn zur erstmaligen „Mühlentour“ mit einem historischen Linienbus wie in Hamburg reicht es bislang nicht. Doch beim mittlerweile 24. Deutschen Mühlentag ist der Kreis wieder eine feste Größe.  Die Wassermühle Kasseedorf macht seit 2016 mit.

Drei Mühlen in Ostholstein öffnen ihre Türen. Auf Fehmarn gibt es sogar ein Doppeljubiläum.

„Wir erwarten eine große Resonanz. Denn Wind- und Wassermühlen sind nicht nur wichtige Zeugnisse der Technikgeschichte, sondern auch ein wirtschaftsgeschichtliches Erbe im Norden“, sagt Hans-Jakob Tiessen. Der langjährige Vorsitzende des Mühlenvereins für Schleswig-Holstein und Hamburg, der die Aktion mit 55 Mühlen im Norden betreut, ergänzt: „Sie prägen unser Landschaftsbild positiv und sind dadurch ein wichtiger Faktor für den Tourismus.“

Allerdings: Mühlen gelten heute als technisches Kulturdenkmal – doch viele sind von der Bildfläche verschwunden. Allein auf Fehmarn gab es um 1900 noch 22 Mühlen, darunter vier in der Stadt Burg.

Heute stehen inselweit nur noch drei: In Dänschendorf und in Petersdorf werden sie aber nur noch zu Wohnzwecken genutzt.

Ganz anders die vom Schiffsreeder Joachim Rahlff (1756 bis 1830) für 22 000 Reichstaler gebaute Segelwindmühle „Jachen Flünk“ in Lemkenhafen von 1787: Sie birgt heute ein Mühlen- und Landwirtschaftsmuseum. Dabei meldete der letzte Müllermeister 1954 Konkurs an. Seit 1961 wird es – als Schenkung vom Land – durch den Verein zur Sammlung Fehmarnscher Altertümer betreut. Dessen Mitstreiter feiern Pfingstmontag sogar ein 350-jähriges Doppeljubiläum: Die Mühle steht 230, das ebenfalls von Klaus Klahn betreute Fehmarn-Museum in Burg 120 Jahre. Er sagt: „Im Prinzip könnte in Lemkenhafen sogar heute noch Getreide gemahlen werden. Zehn Tage Vorlauf und ein versierter Müllermeister – dann könnte es losgehen.“

Los geht es am Montag definitiv in Hasselburg (Zur Hasselburger Mühle 1). Eigentümer Detlef Söhl kündigt an, Weizenschrot zu mahlen. Um die Mühle am Laufen zu halten, werden pro Minute 32000 Liter Wasser benötigt. Neben der Vorführung können junge Gäste auf Oldtimer-Traktoren klettern. Auch gibt es zwei Ruderboote.

Ein paar Kilometer entfernt in Kasseedorf öffnet eine weitere Wassermühle (Eutiner Straße 2). Das Backsteingebäude wurde 1641 als Papiermühle mit Wasserrad in Betrieb genommen. 1954 folgte trotz mehrerer Umbauten die Stilllegung.

Mühle zum Ausmalen

Die Mühle ganz in Weiß – bunt ist dagegen das Nebengebäude. Ein originelles Buchcover rückt die Segelwindmühle Lemkenhafen ins Blickfeld. Des Rätsels Lösung: Das neue Fehmarn-Buch in der Reihe „MAL Regional“ ermuntert junge Inselbesucher zum Ausmalen ihrer Urlaubseindrücke von der Sonneninsel. Auf 64 Seiten bieten sich viele weitere Motive an: von der imposant geschwungenen Sundbrücke bis zum Leuchturm in Flügge, der bei der Sanierung 2009 wieder seine Ursprungsfarben zurückerobert hat. Auch die Mühle „Flinke Laura“ in Dänschendorf ist dabei. „Fehmarn – Urlaub zum Ausmalen“ ist im Gmeiner Verlag erschienen und kostet 7,99 Euro.

 Gerd-J. Schwennsen und Sebastian Rosenkötter

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