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Ostholstein Münzbehälter aufgebrochen, eine Nacht in der Zelle verbracht
Lokales Ostholstein Münzbehälter aufgebrochen, eine Nacht in der Zelle verbracht
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20:39 19.10.2016

Es ist keine Seltenheit, dass Angeklagte sich gar nicht erst auf den Weg zu ihrer Verhandlung vor dem Amtsgericht machen – ebenso gilt aber, dass das unangenehme Folgen hat. Das konnte jetzt auch Werner H. (Name geändert) feststellen, der sich gestern in Eutin wegen Diebstahls und Sachbeschädigung verantworten musste.

Eigentlich hätte der 68-jährige Lübecker das bereits im April hinter sich bringen müssen, war aber nicht erschienen. Woraufhin Amtsrichter Otto Witt nun die Festnahme des Rentners schon am Vorabend angeordnet hatte und Werner H. die Nacht zu gestern in einer Zelle verbringen musste, bis er vorgeführt wurde.

Er habe am Dienstagabend bereits „so schön“ geschlafen, schilderte Werner H. dem Gericht, wie zwei Polizisten quasi unversehens bei ihm vor der Tür gestanden und ihn dann auch noch einfach mitgenommen hätten. Generell zeigte er sich mit den vergangenen Stunden unzufrieden: Die Qualität der Bettwäsche in der Zelle hatte Wünsche offen gelassen, zudem habe es am Morgen von den Beamten nicht einmal eine Tasse Kaffee gegeben.

Immerhin: Der Pflichtverteidiger, den Werner H. kurz vor Prozessbeginn kennenlernte, fand das Wohlwollen des Angeklagten. „Das scheint ein sympathischer Vogel zu sein“, ließ er die beiden Polizisten an seiner Seite wissen. Eine Einschätzung, die dann vor Gericht keine Rolle spielen sollte. Dort ging es stattdessen – nein, nicht um ein schweres Verbrechen, wie es der Aufwand hätte vermuten lassen. Werner H. soll vielmehr die Münzbehälter zweier Waschmaschinen in einem Appartementkomplex in Timmendorfer Strand geknackt und geplündert haben. Wert der Beute: irgendwo unter 20 Euro.

Auf die Spur gekommen waren Ermittler dem 68-Jährigen durch einen Fingerabdruck von Werner H., der sich am Münz-Auffangbehälter im Inneren des Automaten befand. „Das muss eine Verwechslung sein“, hielt der Angeklagte dem entgegen, „ich bin seit eineinhalb Jahren sauber, und wenn einer sagt, dass das meine Fingerabdrücke sind, dann möchte ich die sehen.“ Deshalb jetzt einen Spezialisten vom Landeskriminalamt zu laden, halte er für übertrieben, erklärte Amtsrichter Witt, zumal diesbezügliche Verwechslungen sehr unwahrscheinlich seien und Werner H. ja erst vor einem Jahr zuletzt vor Gericht gestanden habe, und zwar ebenfalls wegen Diebstahls und Sachbeschädigung.

Dass es mit seinem vermeintlich untadeligen Lebenswandel der jüngsten Zeit eventuell doch nicht so weit her sei, räumte der Angeklagte daraufhin ein und entschied sich für die Aussage, sich an Geschehnisse im Zusammenhang mit Timmendorfer Waschmaschinen nicht erinnern zu können. Seine Fingerabdrücke jedenfalls sind nicht von ungefähr registriert: Als eine Art Rekord-Anwärter für Kleinkriminalität ist er bereits 38 Mal verurteilt worden, „ich habe so ’ne dicke Akte“, gab er denn auch freimütig zu. Eingesessen hat Werner H. schon mehrmals, gestern kam er allerdings mit insgesamt drei Monaten auf Bewährung – die Timmendorfer Tat und die vorausgegangene Verurteilung zusammengerechnet – davon. Werner H. trug dies mit Fassung und machte sich auf den Weg nach Hause, wo es vielleicht endlich die ersehnte Tasse Kaffee gab.

latz

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