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Ostholstein Museumsarbeit mit ganz viel Leidenschaft
Lokales Ostholstein Museumsarbeit mit ganz viel Leidenschaft
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12:14 26.01.2017
Cismar

Freiwillig arbeiten während Gleichaltrige schon Geld verdienen oder durch die Welt reisen. Amrei Schwardt (20) hat sich bewusst für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Bereich Kultur entschieden – und zwar im Haus der Natur in Cismar. Ihr Arbeitsplatz ist ein Museum. An den Wänden des Großraumbüros hängen ausgestopfte Vögel und Geweihe. In den Regalen stehen Hunderte Bücher und es gibt eine riesige Sammlung von Muschel- und Schneckenschalen. Hinter Ordnern und umgeben von unzähligen Heftchen sitzt die 20-Jährige an einem Laptop. Sie katalogisiert neue Ausstellungsstücke. „Ich wusste vorher nicht, dass ich so viel mit wissenschaftlichen Sammlungen zu tun haben werde“, sagt die Lensahnerin.

Die 20-jährige Amrei Schwardt ist Ostholsteins einzige FSJ’lerin im Bereich Kultur – In Cismar begleitet sie die Besucher und katalogisiert Ausstellungsstücke.

Was für Außenstehende fremd klingt, ist für Amrei Schwardt spannender Alltag. „Ich weiß nie, was mich erwartet und es gibt jeden Tag Dinge, die mich überraschen. Wer weiß schon, dass es über 120 000 Schnecken- und Muschelarten gibt?“, erzählt sie.

Junge Leute im Museum. Das gibt es nicht so häufig. Für Amrei hingegen ist es Leidenschaft. Schon mit 14 engagierte sie sich im Wallmuseum, außerdem half sie bei der Kinderbetreuung. „Eigentlich wollte ich zur Polizei“, sagt sie. Aber das habe nicht geklappt. Deshalb entschied sie sich nach dem Abitur für das FSJ. Die Stelle im wenige Kilometer entfernten Cismar war schnell gefunden.

Ihr Chef ist Museumsleiter Dr. Vollrath Wiese. „Im Bezug auf das FSJ Kultur gehören wir zu den Dinos in Schleswig-Holstein. Wir waren unter den ersten vier Einrichtungen, als es 2003 losging“, berichtet er. Seitdem wechseln die jungen Frauen und Männer jährlich. Für Wiese ist der Einsatz, für den es ein Taschengeld von wenigen Hundert Euro gibt, von unschätzbarem Wert. „Die Arbeit wird auf zwei weitere Schultern verteilt. Das ist toll. Wir versuchen es als Team zu meistern und es ist gut, junge Leute mit neuen Ideen im Haus zu haben.“

Für Amrei Schwardt ist es die Chance, museumspädagogische Arbeit kennenzulernen. Sie führt Gruppen durch Ausstellungsräume und Wälder, hilft bei der Betreuung junger Naturforscher ab acht Jahren und ist an der Erweiterung vom Haus der Natur beteiligt. „Wir haben das Nachbarhaus erworben und müssen handwerklich einiges verändern“, schildert Vollrath Wiese. Außerdem plant die FSJ’lerin den Bau einer Taststation. Ihr Projekt ist fester Bestandteil des FSJ.

Jeder Freiwillige kann eines vorschlagen. So kommt es, dass einige der jungen Menschen im Land Ausstellungen und Konzerte organisieren. Andere planen regelmäßige Angebote, wie Theaterworkshops.

Bei all den Möglichkeiten verwundert es, dass das FSJ Kultur ein Einzelfall im Kreis Ostholstein ist. Dabei dürfte es etliche Einrichtungen geben, die dafür in Frage kommen. Unter anderem könnten FSJ’ler in Kulturbetrieben wie Musikschulen, Theatern, Soziokulturellen Zentren, Kunstschulen, Medienwerkstätten und Volkshochschulen mitarbeiten. Landesweit werden 122 Stellen für den Zeitraum 2016/2017 gelistet. Bis auf vier sind derzeit alle besetzt.

Der Dienst selbst gilt als Möglichkeit für junge Menschen, Angebote aktiv mitzugestalten. „Kulturarbeit hält vielfältige Herausforderungen für junge Menschen bereit, eigene Potenziale freizulegen, um sich auf den weiteren Lebensentwurf vorzubereiten“, sagt Sven Karger, Referent FSJ Kultur der Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Schleswig Holstein.

Für Amrei Schwardt ist das FSJ nach fast fünf Monaten vor allem eine Bestätigung. Sie ist sich nun sicher, dass sie Pädagogik studieren wird und möchte später in einem Museum arbeiten.

Das ist ein „FSJ Kultur“

Die Abkürzung FSJ steht für Freiwilliges Soziales Jahr. Dieses ist auch im Bereich Kultur möglich. In Schleswig-Holstein gibt es 122 Stellen, bei denen sich Menschen für einen solchen Dienst bewerben können.

Zwölf Monate dauert das FSJ in der Regel. Teilnehmer können den Arbeitsalltag verschiedener Berufe kennenlernen und erfahren, ob dieser ihren Vorstellungen entspricht. Zudem gibt es Weiterbildungen.

Weitere Infos: www.fsjkultur.de

 Sebastian Rosenkötter

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