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Ostholstein Muster, Tiere, Objekte: Faszinierende Sandkunst im Glas
Lokales Ostholstein Muster, Tiere, Objekte: Faszinierende Sandkunst im Glas
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15:20 27.10.2017
Im ZDF-Fernsehgarten staunte sogar Andrea Kiewel über die Sandkunstwerke von Mohamad Alsaoud. Quelle: Fotos: Billhardt
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Heringsdorf

„Die Leute können immer gar nicht glauben, dass es nur Sand ist und erschrecken dann, wenn ich zum Beweis die Gläser auskippen will“, erzählt Mohammad Alsaoud. Er ist seit Februar anerkannter Flüchtling und stammt aus Palmyra, der Stadt, die durch die Zerstörung der antiken Bauwerke durch den IS überall auf der Welt bekannt wurde. Mohamad musste aus seiner Heimat fliehen und kam vor etwa drei Jahren nach Ostholstein, wo er auch wieder mit seiner Sandkunst anfing, die er als Junge kennen und lieben gelernt hatte.

Spezialsand, ein Röhrchen aus dem Baumarkt und viel Fingerspitzengefühl braucht Mohamad Alsaoud aus Heringsdorf, um seine ganz besondere Sandkunst entstehen zu lassen. Auf das außergewöhnliche Hobby des Syrers wurde sogar der ZDF-Fernsehgarten schon aufmerksam.

„Als Zwölfjähriger bin ich durch unseren Basar gelaufen, in dem unsere Familie Geschäfte hatte und habe einen Mann gesehen, der genau diese Kunst beherrschte“, erzählt Mohamad. Ein Jahr später bekam er näheren Kontakt zu dem Künstler und konnte ihm ein paar Schalen mit farbigem Sand abkaufen. „So hat alles begonnen. Ich wurde immer besser, mein Vater erkannte, dass ich daran sehr viel Spaß hatte und unterstützte mich dabei. Doch es blieb nur ein Hobby.“

Mohamad ist eigentlich gelernter Hotelfachmann und hat ein Diplom im Bereich Hotelwissenschaft. Er hat früher als Restaurantleiter gearbeitet und ist jetzt seit vergangenem Jahr als Coach für andere Flüchtlinge tätig, möchte aber, sobald seine Abschlüsse anerkannt sind, gerne wieder in seinem alten Beruf arbeiten. „Und ich hoffe, auch mit der Sandkunst ein wenig Geld zu verdienen“, betont der 28-Jährige.

Das Interesse für seine Arbeit wächst, nicht zuletzt durch einen bundesweiten Auftritt im Fernsehen. Das ZDF lud ihn in den Fernsehgarten „Karibik Flair“ Ende August ein und dort durfte er Moderatorin Andrea Kiewel seine ungewöhnliche Kunst, die er „Mohjoulin – Traum aus Sand“ nennt, vorstellen. „Kiwi“ habe ihm versucht, das Geheimnis seines Schaffens zu entlocken, doch Mohamad blieb standhaft: „Ich darf nicht alles verraten, sonst ist es ja nicht mehr so einzigartig.“So viel kann er aber sagen. „Es ist naturbelassener Sand, den ich in 22 Farben selbst einfärbe.“ Dann werde in einem Gefäß von unten nach oben gearbeitet und mit verschiedenen Röhrchen der Sand in das Behältnis gefüllt. Besondere Rolle spiele dabei die Bewegungen mit den Fingern, der Hand, dem ganzen Arm.

„Wenn ich mehrere Tage und Stunden an einem großen Objekt arbeite, merke ich das dann richtig in den Schultern“, sagt Mohamad. Doch er lässt er sich nicht davon abbringen, immer weiter zu machen. Ob in einem Schnapsglas oder in einer 80 Zentimeter hohen Vase, die auch Andrea Kiewel zum Staunen brachte – er kann das Unmöglichste in den Sand zaubern. Muster, Tiere, Objekte – alles entsteht frei von Hand.

„Die Ideen sind alle in meinem Kopf. Ich habe keine Vorlagen, denn auf Papier kann ich überhaupt nicht zeichnen“, betont der Sandkünstler. Und wenn er nicht zufrieden sei, werde es einfach ausgeschüttet und er beginne dann von vorne. „Ein bisschen perfektionistisch bin ich schon“, muss Mohamad eingestehen. Jetzt möchte er einen Gewerbeschein beantragen, um das, was so viele begeistert, auch besser finanzieren zu können. Denn bisher gehe sein Geld hauptsächlich für den Spezialsand drauf. Auch ist er immer auf der Suche nach geeigneten Glasgefäßen.

Mohamad Alsaoud freut sich über jeden, der sich etwas Außergewöhnliches aus Sand von ihm kreieren lassen möchte: „Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.“

Info: www.mohjoulin.de.

 Von Markus Billhardt

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