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Ostholstein Mutmaßlicher Mörder von 1982 für weitere Tötung verantwortlich
Lokales Ostholstein Mutmaßlicher Mörder von 1982 für weitere Tötung verantwortlich
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17:59 11.01.2017
Blick am 10.03.2015 auf das Gebäude des Land- und Amtsgerichts in Flensburg (Schleswig-Holstein). Quelle: Carsten Rehder/dpa
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Flensburg/Schleswig/Oldenburg

Fast 35 Jahre nach dem Tod einer Rentnerin in Schleswig-Holstein hat in Flensburg der Mordprozess gegen einen heute 52-jährigen Familienvater begonnen. Staatsanwalt Axel Schmidt warf ihm am Mittwoch vor, im Juni 1982 als 17-Jähriger die Rentnerin in ihrer Wohnung in Schleswig brutal getötet zu haben.

„Er verschaffte sich Zugang unter dem Vorwand, telefonieren zu wollen“, sagte der Staatsanwalt vor dem Landgericht Flensburg. Tatsächlich habe sich der drogenabhängige Jugendliche nach Bargeld und Wertgegenständen umgesehen. Als es zum Streit kam, habe er die Frau mit einem Sofakissen erstickt. Anschließend soll er ihre Kleidung mit einem Messer aufgeschnitten und sich an der Frau vergangen haben. Er sei mit rund 20 erbeuteten Münzen geflohen, die er später verkauft habe.

Der vor dem Jugendgericht angeklagte Vater nahm die Vorwürfe regungslos auf. Eine Spermaspur hatte ihn laut Staatsanwaltschaft im Sommer 2016 überführt, Polizisten stellten ihn auf der Flucht in einem Saarbrücker Hotel. Seit 2012 hatten die Ermittler wieder intensiver an dem lange ungeklärten Fall gearbeitet. Es gelang ihnen, die am Tatort sichergestellte DNA zu entschlüsseln.

Der Angeklagte soll die 73-Jährige getötet haben, als sie ihn beim Durchwühlen der Schränke erwischte. Dabei sei es „irgendwie aus dem Ruder gelaufen“, sagte der Angeklagte laut einem Polizisten bei seiner Vernehmung. Es sei darum gegangen, „sie zum Schweigen zu bringen, damit sie nicht schreit, nicht die Polizei ruft“. Vor Gericht will der Angeklagte erst im Laufe der kommenden Verhandlungstage aussagen.

Am Rande der Verhandlung wurde bekannt, dass der Mann bereits 1986 in Lübeck wegen eines Tötungsdelikts zu acht Jahren Jugendstrafe verurteilt worden war. In Oldenburg in Holstein hatte er einen Siebenjährigen erwürgt. Ausgerechnet diese Entscheidung könnte dem Angeklagten im Fall einer Verurteilung nun eine geringe Haftstrafe bescheren. „Das kann das Strafmaß verändern“, sagte Staatsanwalt Schmidt. Denn das Jugendstrafrecht sieht grundsätzlich eine maximale Freiheitsstrafe von zehn Jahren vor.

Welche Folgen die Regelung für den Angeklagten konkret hat, wollte Schmidt zunächst nicht abschätzen. Denn die Ermittler hatten den Mann beim ersten Prozess noch nicht mit dem gewaltsamen Tod der Schleswiger Rentnerin vier Jahre zuvor in Verbindung gebracht.

Ob ihr Tod auch noch mit einem Sexualdelikt einherging, blieb am ersten Verhandlungstag offen. „Sobald wir das Thema ansprachen, war Schluss“, sagte der Polizist, der den Angeklagten nach seiner Festnahme befragt hatte. Der Staatsanwalt geht daher statt von einem Sexualmord von dem für den Angeklagten günstigeren Fall aus - dass er sexuelle Handlungen erst nach dem Tod der Frau vorgenommen hatte.

„Er bereut, dass da was vorgefallen ist“, sagte der Anwalt des Mannes. Was genau passiert sei, müsse der Prozess zeigen. So lange nach der Tat, die Wahrheit herauszufinden, sei „für alle Seiten schwierig“. Sein Mandant sei nach Jahrzehnten aus seiner Familie und seinem Alltag herausgerissen worden.

Da der Angeklagte bei der Tat erst 17 Jahre alt war, findet die Verhandlung vor dem Jugendgericht unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Wegen des großen öffentlichen Interesses und des hohen Alters des Mannes ließ die Kammer einzelne namentlich benannte Pressevertreter zu. Anders als ein Jugendlicher sei der Angeklagte durch den Prozess nicht „in seiner weiteren Entwicklung beeinträchtigt“.

Der Sohn der ermordeten Rentnerin äußerte sich noch immer gezeichnet vom gewaltsamen Tod seiner Mutter. „Das kann man nicht aufarbeiten, das vergisst man nicht“, sagte der heute 75-Jährige. Er hatte sie leblos in ihrer Wohnung gefunden.

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