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Ostholstein Mysteriös: Seit Jahrzehnten entladen sich Gewitter auf dem Hof in Christianstal – LN berichteten schon 1966
Lokales Ostholstein Mysteriös: Seit Jahrzehnten entladen sich Gewitter auf dem Hof in Christianstal – LN berichteten schon 1966
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23:03 07.08.2017
Mystisch, ein Blitz schlägt an einem Baum ein – so wie es viele Male auf dem Hof der Familie Käßmann geschehen ist. Quelle: Fotos: Fotolia, Mantik (2)

 Er kann sich spontan an sechs Ereignisse in den vergangenen Jahren erinnern. „Ich sehe dann zu, dass ich ins Haus komme“, sagt er und erinnert sich: Erst vergangenen Sommer sei wieder ein Blitz in eine Pappel auf seinem Grundstück eingeschlagen. Ein Teil der Baumkrone sei vernichtet worden. Einzelne Splitter, bis zu einem Meter lang, seien bis zu 200 Meter in die Felder geflogen. Käßmann: „Wir haben einen kleinen Park auf dem Grundstück. Der Blitz schlug durch den Baum in den Elektrozaun ein. Das Weidezaungerät explodierte in 1000 Stücke.“ Der Rasen unter dem Zaun sei damals komplett schwarz verbrannt.

In diesem Sommer richtet sich der bange Blick häufig gen Himmel. Warme und kalte Luft treffen aufeinander, es blitzt und donnert.

Blitzeinschlag

Jedes Jahr schlagen etwa zwei Millionen Blitze in Deutschland ein. Die dabei entstehenden Blitzspannungen entladen sich über Feldern ebenso wie über dicht besiedeltem Gebiet. Das kann für Menschen gefährlich werden und auch technische Geräte zerstören.

Frisch in Erinnerung ist ihm auch noch ein Blitzeinschlag in eine Linde vor wenigen Jahren. „Ich stand damals in der Küche, wusch mir die Hände, als zehn Meter entfernt der Blitz in den Baum schmetterte und ich mit einem Schlag umfiel.“ Er habe eine Minute auf dem Boden gekauert. Der Sicherungskasten in dem Gebäude nebenan sei dabei explodiert.

Ein anderes Gewitter bescherte einen Blitzeinschlag in einen Ahornbaum. „Der Baum war danach völlig kahl“, erinnert sich Käßmann. Der sei mit einem Schlag derart ausgetrocknet gewesen, dass es schwierig gewesen sei, ihn zu zersägen. Einige Sägeblätter seien dabei gebrochen.

Auf Käßmanns Grundstück kommt so etwas immer wieder vor. Und zwar seit Jahrzehnten. Die LN titelten schon am 6. August 1966: „Kugelblitz schlug Pfeife aus dem Mund“. Damals war der Blitz in eine Esche eingeschlagen. Wörtlich hieß es damals weiter: „Von der Esche sprang der Blitz auf den Dachfirst eines kleinen Hauses, in dem ein Mann auf dem Bett lag und friedlich seine Pfeife rauchte. Der Blitz lief bis zur Nachttisch- Steckdose (...). Die Pfeife wurde dem jungen Mann aus dem Mund gerissen.“ In den Notizen der Familie Käßmann heißt es dazu ergänzend: „Susann hat seitdem eine Gewitterphobie, da sie sich sehr erschreckt hat.“ Susann Käßmann ist die damals vierjährige Schwester von Günter. Sie lebt heute noch auf dem Hof in Christianstal.

Günter Käßmann kann sich die Gründe für die regelmäßigen Blitzeinschläge nicht erklären. „Wir haben zwar viele zum Teil 150 Jahre alte Bäume, die sehr hoch gewachsen sind“, sagt er, „aber auf der anderen Seite liegen wir ja in einem Tal“. Er wisse noch von einem weiteren Bauern aus der Nähe von Schönberg, bei dem es ebenfalls häufig blitzt, „allerdings liegt dessen Hof auf einer Anhöhe“.

Seine Familie lebt mit der Gefahr im Hinterkopf. Bisher ist kein Mensch zu Schaden gekommen. Dennoch, der bange Blick geht öfter hinauf als bei anderen Menschen in Ostholstein. Besonders in diesem Sommer mit all seinen Wetterkapriolen.

 Peter Mantik

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