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Ostholstein Mysteriöser Hortensienklau in Ostholstein
Lokales Ostholstein Mysteriöser Hortensienklau in Ostholstein
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09:36 10.01.2014
Abgerupft und gestohlen: Elly Schramm ist erschüttert, was die Diebe mit ihren prachtvollen Hortensien in ihrem Garten in Schönwalde angerichtet haben. Quelle: Peyronnet / Fotolia / Montage: kha
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Schönwalde

Im Wohngebiet um den Kniphagener Weg in Schönwalde werden im kommenden Sommer fast keine Hortensien blühen: In wenigen Nächten sind fast alle jungen Triebe in den Gärten abgeschnitten oder abgebrochen worden und verschwunden. Die Polizei vermutet, dass die getrockneten Pflanzenteile als Ersatzdroge geraucht werden. Was erhebliche Gesundheitsgefahren birgt.

„Seit Ende Dezember wurden im Bereich der Polizeizentralstation Neustadt von betroffenen Bürgern Strafanzeigen erstattet. In verschiedenen Gärten in Schönwalde (fünf Fälle bekannt), Grömitz (zwei Fälle) und Grube (ein Fall) wurden die frischen Triebe von Hortensien abgeschnitten und entwendet“, teilte die Polizei gestern mit. Die Dunkelziffer ist womöglich noch viel größer. Eine Gartenbesitzerin vom Kniphagener Weg berichtete, bei ihrer Schwägerin in Beschendorf seien ebenfalls Hortensien gestohlen worden, ebenso in Merkendorf. „Ich habe so schöne große gehabt, die sind völlig runter. Sogar in der äußersten Gartenecke sind sie gewesen“, empört sich die Frau, die ihren Namen nicht nennen will. „Es ist ärgerlich. Man freut sich darauf, dass alles im Sommer schön blühen wird, und dann blüht gar nichts.“

Ähnlich empfindet Elly Schramm, in deren Garten im nahen Glinder Weg die Diebe ebenfalls gewütet haben. „Da gibt man sich so viel Mühe, und dann kommen andere und machen einem alles kaputt.“ Bei den Schramms haben die unbekannten Diebe nicht nur die Hortensien im Vorgarten heimgesucht. Sie sind durch einen Durchgang neben der Garage bis ganz hinten in den Garten gelangt und haben dort die jungen Triebe abgeschnitten. „Das muss jemand gewesen sein, der sich auskennt“, sagt Elly Schramm.

Dass ganze Gegenden von Hortensiendieben heimgesucht werden, ist nichts Neues. „Dieses Phänomen wiederholt sich jedes Jahr“, teilt die Polizei mit. In Schleswig-Holstein registrierte sie im Jahr 2003 über 1000 Anzeigen. Im Oktober 2004 gingen der Polizei in Schleswig drei Blumendiebe ins Netz. Im Raum Lübeck gab es in den vergangenen Jahren mehrere Fälle, im April 2011 trieben die Diebe auch im Lauenburgischen ihr Unwesen. „Hintergrund ist, dass die Blüten getrocknet als eine Art Ersatzdroge geraucht werden“, heißt es von der Polizei.

Dabei ist das Interesse an der Hortensie als Droge eigentlich unsinnig, denn die Pflanze hat nach Erkenntnissen von Wissenschaftlern überhaupt keine berauschende Wirkung. „Gartenhortensien enthalten nach heutiger toxikologischer Kenntnis keine auf das Gehirn wirkenden Inhaltsstoffe. Für eine Nutzung als Droge ergibt sich daher aus medizinischer Sicht kein Anhalt“, heißt es beim GIZ, dem Giftinformationszentrum- Nord in Göttingen. In 14 Jahren seien dem GIZ-Nord etwa 50 Fälle von Hortensien-Einnahme mitgeteilt worden .

Die Einnahme, insbesondere auch das Rauchen der Pflanzenteile, sei wegen der darin enthaltenen Blausäure giftig. „Die Hortensie zählt mit zu den giftigsten Pflanzen in deutschen Gärten. Deren Genuss kann daher durchaus schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben“, warnt auch die Polizei.

Zeugen, die beobachtet haben, dass jemand Hortensien widerrechtlich beschnitten oder Triebe gestohlen hat, werden gebeten, sich an die nächste Polizeidienststelle zu wenden. Das gilt auch für geschädigte Gartenbesitzer.

Susanne Peyronnet

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