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NS-Zeit: Spurensuche auf Fehmarn

Fehmarn NS-Zeit: Spurensuche auf Fehmarn

Chronik von Hans-Christian Schramm jetzt als Buch erschienen — Leser entscheiden, ob es nachgedruckt wird.

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Großer Tag für Fehmarn: 1935 wird Heinrich Himmler vor dem Burger Rathaus empfangen um zum Ehrenbürger ernannt. *Archivfoto: Karl-W. Klahn

Fehmarn. Die Lupe auf dem Titel vergrößert die klaren Umrisse der Insel. Doch wer genau hinschaut, entdeckt als Orientierungsmarken statt der vertrauten Dorfnamen böse Schlagwörter aus dem Tausendjährigen Reich, das vor 70 Jahren jäh zusammenbrach. Gleichschaltung, Judenhass oder Sippenforschung — eine „Insel der Glückseligen“ gab es von 1933 bis 1945 auch hier nicht. „Fehmarn im Nationalsozialismus“ von Hans-Christian Schramm ist eine Spurensuche, deren Lektüre heftig nachwirkt.

Denn jetzt liegt sie — endlich — als Buch gedruckt vor. Zunächst in einer begrenzten Auflage: Doch wenn sich genug Interessenten finden, soll es eine weitere Auflage geben. „Damit die düstere Chronik zur NS-Zeit auf Fehmarn nicht in Vergessenheit gerät“, betont der Autor aus Puttgarden.

Schramm krönt damit seine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit einem undankbaren Thema. Sie beginnt 1981, als der junge Lehrer erstmals im Burger Stadtarchiv herumstöbert — und (fast) nichts vorfindet. Der damalige Stadtarchivar Georg Laage staunt: „Da sind Sie ja der erste, der sich an die Sache heranwagt.“ Schramm lässt sich nicht entmutigen. Mit Unterbrechungen arbeitet er Schritt für Schritt Fehmarns NS-Geschichte auf. Stöbert in Schulchroniken, durchblättert Seite für Seite die noch vorhandenen Ausgaben der Heimatzeitung.

Parallel engagiert sich der 2011 pensionierte Schulleiter von Landkirchen mit einigen weiteren Mitstreitern. Sie erreichen, dass der 1933 von den Nazis aus dem Burger Rathaus gejagte Bürgermeister Claus Lafrenz doch noch zu Ehren kommt (die LN berichteten).

Schramms Spurensuche ist alles andere als eine vergnügliche Lektüre. Inbrünstig wird 1935 eine Sonnenwendfeier in Burgtiefe zelebriert. Anlass ist der Inselbesuch Himmlers, der obendrein zum Ehrenbürger ernannt wird. Es gibt Fackeltanz und Feuerrede zu Brauchtum und Ahnenerbe.

Schramm nennt in seiner kommentierten Chronik der Jahre 1933 bis 1945 Klarnamen — nur die Opfer will er nicht noch ein zweites Mal bloßstellen. Aber wer damals öffentlich in der Zeitung zur großen Idee des Führers stand, taucht jetzt wieder auf. Schramm verzichtet aber bewusst auf ein Namensregister, das zur schnellen Zuordnung von Schuldigen einladen würde.

Ein Fundgrube zur NS-Zeit auf Fehmarn mit authentischen Zeitungs-Meldungen: von scheinbar harmlosen Ausschachtungen in der „Adolf-Hitler-Straße“ in Burg (1933 war die Breite Straße ungetauft worden) bis zu zahllosen Kultur-Veranstaltungen rund um die damalige Mittelschule. Aber man kann in der Chronik immer wieder zwischen den Zeilen lesen: Ganz so euphorisch, wie es sich die Nazis wünschten, machten die Insulaner beim großen Umbruch vor allem in den ersten Jahren nicht mit.

Bestell-Listen liegen in Burg aus
Das Buch kann in den Burger Buchhandlungen Niederlechner und Rauert sowie in der Stadtbücherei Fehmarn eingesehen werden. Dort liegt auch eine verbindliche Bestell-Liste aus.

Diese Aktion dauert bis Ende Januar. Dann entscheidet sich, ob und zu welchem Preis das 408-seitige Buch nachgedruckt wird. Jetzt kostet es beim Autor 40 Euro. Er sucht noch Sponsoren.

Gerd-J. Schwennsen

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