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Ostholstein Nabucco auf dem Ingenhof: Große Oper für einen Tag
Lokales Ostholstein Nabucco auf dem Ingenhof: Große Oper für einen Tag
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22:18 29.08.2013
Für Steffen Musler und seine Kollegen ist das Aufstellen der Stühle ihr täglich Brot: Schnell und mit wenigen Handgriffen klappen sie jeden der über 800 Stühle für die Zuschauer auseinander. Quelle: Fotos: Peyronnet/Lintschnig (1)

Das hat Malkwitz noch nie erlebt: Doppelt so viele Besucher wie das Dorf Einwohner hat strömten gestern Abend dorthin, um die Freiluft-Aufführung der Verdi-Oper „Nabucco“ zu sehen. Heute früh ist schon wieder alles vorbei: Die große Oper war gerade mal 17 Stunden in Malkwitz, vom ersten bis zum letzten Handgriff.

800 Stühle aufstellen, Bühne aufbauen, Orchesterzelt aufstellen, Lichttechnik, Tontechnik installieren, Absperrungen aufbauen, es ist eine Menge Arbeit, aus einem Hofplatz ein Opernhaus unter freiem Himmel zu machen. Zwischen 8 und 10 Uhr am Morgen rollen die drei Lastwagen, in denen alles, aber auch wirklich alles für die Aufführung steckt, auf den Ingenhof in Malkwitz. Um 20 Uhr beginnt die Vorstellung, um 22.30 Uhr brandet der Schlussapplaus auf, um 2 Uhr ist alles wieder eingepackt und weggefahren. „Als wären wir nie da gewesen“, sagt Irene Hensel von der Tour-Organisation.

Die Männer, die den ganzen Aufbau bewerkstelligen, kennen jeden Handgriff. So wie Steffen Musler aus Hoyerswerda, der fix einen Klappstuhl nach dem anderen auseinanderklappt — oben anfassen, Tritt mit dem Fuß, fertig — und hinstellt. „Ich mache das jeden Tag, aufstellen, abbauen, aufstellen, abbauen“, sagt er und entklappt unverdrossen weiter die Stühle. Bis zu 1800 sind es pro Aufführung, in Malkwitz sind es über 800, so viele, wie Karten verkauft wurden. Unterdessen wuchten Bogumil Bocewiecz und Froch Marcin die steinernen Portale des Tempels von Jerusalem auf die Bühne. Gar nicht so schwer, denn sie sind nur aus Sperrholz und Pappmaschee.

Was für die Aufbaucrew Alltag ist, ist für die Ingenhof-Mitarbeiter und ihre Chefin Melanie Engel eine Premiere: die erste Großveranstaltung auf dem Hof. „Das ist alles neu für uns. Aber ich glaube, das ist eine schöne Richtung, das passt zum Wein“, sagt Engel, während sie die letzten Vorbereitungen trifft. Die Versorgung der Gäste hat der Ingenhof übernommen. Er kredenzt zwei Weißweine und einen Rotwein der Marke „Engeler Mauer“ aus eigenem Anbau, dazu andere Getränke und kleine Speisen wie Burgunderbratenbrötchen, Brezeln, Käsespieße, Bruschetta und Rote Grütze. Alle Mitarbeiter des Hofes, Familie und Freunde packen mit an, um die große Aufgabe zu bewältigen. Die Sommernacht ist lau, der Zeitpunkt gut gewählt: „Das ist ein bisschen wie ein Erntefest, das Getreide ist drin, die Erdbeerernte ist durch“, sagt Engel.

Unterdessen herrscht im 450-Einwohner-Dorf Malkwitz Ausnahmezustand. Die Bürgersteige rund um den Ingenhof sind mit Flatterband abgesperrt. Mitglieder der Feuerwehr stehen als Einweiser bereit, interessierte Dorfbewohner gucken sich das Ganze vom Straßenrand aus an. Für die vielen Gäste sind Parkplätze auf einem Feld ausgewiesen, es fährt ein Pendelbus.

Um 16.30 Uhr sitzt Steffen Musler entspannt auf einem Stuhl in Reihe 22 und raucht in Ruhe eine Zigarette. Seine Arbeit ist erst einmal getan. Hinter ihm rollen zwei Reisebusse auf den Hof, in einem sitzen die Orchestermusiker, im anderen Chorsänger und Solisten. Im Orchesterzelt werden Noten bereit gelegt, eine Harfe hereingetragen, Kissen verteilt. Gleich ruft Dirigent Tadeusz Serafin zur Probe. So richtig viel zu proben gibt es nicht: Das Opernensemble aus dem schlesischen Bytom ist seit zehn Jahren jeden Sommer mit „Nabucco“ auf Europa-Tournee.

Kostüme und Requisiten stehen in Rollcontainern in der leer geräumten Maschinenhalle des Ingenhofes. Sie dient als Garderobe und Maske. An anderen Spielorten müssen sich die Sänger mit Zelten begnügen. Nach Feierabend kehren sie in ihre Hotels zurück. Nur die Abbaucrew nicht. Wenn die Männer um 2 Uhr früh alles weggeräumt haben, kriechen sie in ihren Nightliner. Dann geht es zum nächsten Spielort. Dann sind sie wieder die ersten, die kommen — und die letzten, die gehen im rollenden Operngeschäft.

Ein rollendes Ensemble
3 Lastwagen fahren alles, was die Freiluftoper für ihre Aufführung braucht, durchs Land.

100 Künstler sind mit der Oper Bytom (Polen) unterwegs, darunter 33 Orchestermusiker und 42 Chorsänger.

8 Solisten stehen auf der Bühne: Andrii Shkurhan (Nabucco), Malgorzata Knec-Ajdukiewicz (Abigail), Iwona Noszczyk (Fenena), Krzysztof Marciniak (Ismael), Damian Konieczek (Zaccharias), Cezary Biesiadecki (Operpriester), Janusz Wenz (Abdallo), Anna Wisniewska-Schoppa (Anna).

Susanne Peyronnet

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