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Ostholstein Nach 30 Jahren: Oldenburgs Polizeichef verabschiedet sich
Lokales Ostholstein Nach 30 Jahren: Oldenburgs Polizeichef verabschiedet sich
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09:13 15.03.2016
Zu Besuch im alten Büro: Olf Leder (60) schaut noch ab und zu bei den Kollegen vorbei. Quelle: Fotos: Binder

„Noch fühlt es sich an wie ein ganz normaler Urlaub“, sagt Olf Leder. Doch diesmal geht es für den 60-jährigen Leiter der Oldenburger Polizei-Zentralstation nicht zurück zur Arbeit, wenn der Urlaub vorbei ist. Nach fast 45 Jahren bei der Polizei — mehr als 30 davon in Oldenburg — verabschiedet sich Leder Ende März in den Ruhestand. Wer sein Nachfolger wird, steht bisher nicht fest; das Bewerbungsverfahren läuft noch.

Richtig realisieren werde er das Ende seiner beruflichen Laufbahn wohl erst nach einiger Zeit, sagt Leder. Dann allerdings werde es „vermutlich schon ein bisschen komisch“ sein — immerhin habe er „ein ganz schönes Stück“ seines Lebens bei der Polizei verbracht. Im Alter von 15 Jahren begann der gebürtige Lübecker seine Ausbildung in Eutin, war neben der Kreisstadt später zwischenzeitlich auch in Lübeck und auf Fehmarn stationiert, bevor es ihn schließlich nach Oldenburg verschlug.

„Jetzt muss ich mir etwas suchen, damit ich nicht nur auf dem Sofa sitze und über Gott und die Welt schimpfe“, scherzt der 60-Jährige. Dank seines ehrenamtlichen Engagements für die Tafel scheint in dieser Hinsicht allerdings keine Gefahr zu bestehen. Den Vorsitz des Oldenburger Vereins hat er vor Kurzem abgegeben (die LN berichteten), er bleibt jedoch als stellvertretender Vorsitzender des Landesverbands aktiv. Er sei froh um diese sinnvolle Beschäftigung, betont Leder, „dadurch wird man ein bisschen aufgefangen, glaube ich“.

Sein „wichtigstes Hobby“ aber sei seine Familie, verrät der mittlerweile achtfache Großvater schmunzelnd. So gern er bei der Polizei gearbeitet habe, so nebensächlich seien irgendwelche Karrieresprünge im Vergleich zu seinen Kindern gewesen. Besonders, als seine erste Frau 1986 verstarb und er alleine mit drei kleinen Töchtern dastand.

Jetzt, in zweiter Ehe, beschreibt er sein privates Umfeld lachend als „große Patchwork-Familie, in der immer ‘was los ist“. Seine Enkel hielten ihn auf Trab, die jüngste Tochter stehe kurz vorm Abitur. Und Hund „Baani“ habe zu Hause ohnehin alle „voll im Griff“.

Vielleicht liegt es an seinen eigenen Prioritäten, dass Leder bei seinen Kollegen den Ruf eines sehr sozialen Chefs genießt. „Er hatte immer ein offenes Ohr, wenn es um persönliche Belange ging“, erzählt Leders Stellvertreter Andreas Reimer, „er war auf jeden Fall nicht nur ein Vorgesetzter, sondern in erster Linie ein Mensch.“

Deshalb sei es ihm allerdings auch manchmal schwer gefallen, die persönlichen Empfindungen im Berufsleben zurückzustellen. Bei Fällen von Gewalt an Kindern etwa sei das nicht einfach — „da rumort es in einem und man muss sich sehr zusammenreißen“. Oder auch bei Demos, die der eigenen Überzeugung komplett widersprächen, die aber dennoch geschützt werden müssten.

Nein, es sei auch für Gesetzeshüter nicht immer leicht, strikt nach geltendem Recht zu handeln und die eigene Meinung hintenan zu stellen, gibt Leder zu. Natürlich seien ihm manchmal Zweifel gekommen. Es gebe Momente, da habe man das Gefühl, „für den Papierkorb zu arbeiten“. Wenn ein Täter nach langwierigen Ermittlungen von einem Gericht dennoch freigesprochen werde, sei das frustrierend. Und besonders schlimm werde es, wenn man dann vom Opfer nach dem Warum gefragt werde.

Dennoch sei er unterm Strich nach wie vor von seiner Berufswahl überzeugt, so Leder, „ich denke, es war schon die richtige Entscheidung“. Einige Erlebnisse hätten ihn zwar ziemlich mitgenommen. Wenn er an einer bestimmten Stelle auf der Autobahn vorbeifahre, sehe er heute noch die Bilder einer jungen Frau, die nach einem schrecklichen Unfall in ihrem Fahrzeug verbrannt ist. Auch die Einsätze als junger Mann bei Protesten gegen das Atomkraftwerk Brokdorf werde er nie vergessen, sagt Leder, weil die Gewaltbereitschaft gegen Polizisten damals eine neue Dimension erreicht habe.

Doch es habe auch viele schöne Erlebnisse gegeben, betont der Oldenburger. Er habe sich immer über Aktionen wie die Sicherheitstage auf dem Markt gefreut, bei denen er direkten Kontakt zu den Bürgern gehabt habe. Und die Zusammenarbeit mit seinem „tollen, eingespielten Team“ habe ihm ebenfalls immer viel Freude gemacht, sagt Leder. „Die Kollegen werden mir fehlen“, ist er sicher.

Und wer hört, wie die Oldenburger Polizeibeamten über ihren Noch-Chef reden, der merkt: Umgekehrt gilt das offenbar genauso.

Von Jennifer Binder

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