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Ostholstein Nach AfD-Treffen: Grüne wollen Brauhaus boykottieren
Lokales Ostholstein Nach AfD-Treffen: Grüne wollen Brauhaus boykottieren
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12:37 12.01.2017
Zahlreiche Demonstranten empfingen am vergangenen Sonntag die Mitglieder und Anhänger der AfD vor dem Eutiner Brauhaus. Quelle: Foto: Arnold Petersen
Eutin

Vor allem seine Äußerung, sein Haus stehe offen für alle demokratischen Parteien, hat die Grünen aufgebracht. „Die AfD ist eine demokratiefeindliche Partei. Seine Aussage ist eine Beleidigung für uns und andere Parteien“, sagt Monika Obieray. „Er beleidigt uns als Kommunalpolitiker und Menschen, die sich für eine pluralistische und tolerante Gesellschaft einsetzen.“

„Das ist eine demokratiefeindliche Partei“ – Kritik kommt auch von der SPD.

Die Grünen beklagen, dass Gutzeit als Gastgeber der nationalpopulistischen AfD den demokratischen Konsens verlassen habe. „Dies wiegt umso schwerer, weil Sie als Betreiber eines großen Versammlungsortes in Eutin eine öffentliche Person sind und eine besondere Verantwortung für das soziale Miteinander in unserer Stadt haben“, sagen Monika Obieray, Johann Wischerath und ihre Parteikollegen. Die AfD sei eine Partei, die mit einer bewusst nationalistisch-völkischen und verletzenden Sprache Hass predige, die mit haarsträubenden Behauptungen unwahrhaftig und hetzerisch Meinung machen wolle und gleichzeitig für sich das demokratische Versammlungsrecht in Anspruch nehme. Grundgesetz-Artikel 1 (1) besage „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ – „damit ist die Würde jedes Menschen gemeint. Dieses Grundgesetz aktiv zu verteidigen, ist Aufgabe der Politik und aller Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, und das erwarten wir auch von Ihnen“, schreiben die Grünen an Marcus Gutzeit. Sie haben beschlossen, das Brauhaus künftig zu boykottieren: „Wir fühlen uns dort nicht mehr wohl“, lässt Monika Obieray wissen.

Auf Facebook hat der Brauhaus-Chef am Montag Stellung zu der Bewirtung der AfD bezogen: „Es ist nicht die Aufgabe von uns Gastronomen, Politik zu betreiben . . . Es wäre höchst undemokratisch, wenn wir einer zugelassenen, nicht als verfassungswidrig eingestuften Partei unsere Räume versagen.“

Diese Aussage stelle ihn nicht zufrieden, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Matthias Rachfahl. Seine Fraktion habe zwar am Montag im Brauhaus getagt, wolle den Vorgang aber noch intern besprechen und dann den Kontakt mit Marcus Gutzeit suchen. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans-Georg Westphal sagte: „Wir hätten uns gewünscht, dass er sich sensibler verhalten hätte. Aber jeder muss selbst entscheiden. Herrn Gutzeits Meinung, dass die AfD eine demokratische Partei ist, teile ich nicht.“

Jens-Uwe Dankert, Fraktionschef der FDP, betrachtet die Veranstaltung im Brauhaus „unaufgeregt“. Die AfD sei in vielen Landtagen vertreten, und er kenne viele Protestwähler, die früher der CDU zugetan gewesen seien. „Die AfD ist nicht verboten, sie gilt als demokratisch, und wir werden uns mit ihr argumentativ auseinandersetzen müssen“, meint Dankert.

Für Malte Tech (Freie Wähler) ist die AfD eine „normale zugelassene Partei“, und Gastronom Marcus Gutzeit müsse ja auch sein Geld verdienen. Dennoch nennt Tech das AfD-Treffen im Brauhaus „grenzwertig“.

Marcus Gutzeit wollte gestern keine weitere Erklärung abgeben, er will sich in Kürze äußern. ben

LN

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