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Ostholstein Nach Auflösung der „Tierhilfe Ostholstein“ stellen sich die Tierheime auf mehr Zulauf ein
Lokales Ostholstein Nach Auflösung der „Tierhilfe Ostholstein“ stellen sich die Tierheime auf mehr Zulauf ein
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21:53 10.07.2018
Stolpe

Der langjährigen Vereinsvorsitzenden Anna Gomberg macht das Aus ihres Lebenswerks sichtlich zu schaffen. Seit 1999 kümmerte sie sich auf dem von ihr angemieteten Grundstück in Stolpe (Gemeinde Altenkrempe) mit haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern um die Versorgung von Tausenden Tieren. Eine aufreibende Aufgabe. Im September 2017 wurde die Auflösung des Vereins beschlossen (die LN berichteten). Der Vorstand war mit seinen Kräften am Ende. Aktuell leben noch einige junge Wildtiere bei Anna Gomberg. „Ich habe bereits mehrere Fundtiere abgelehnt. Aber natürlich kümmere ich mich weiter um verletzte Wildtiere“, betont sie.

Ende in Stolpe

Um die Abwicklung der Tierhilfe Ostholstein kümmern sich das langjährige Vorstandsmitglied Gabriele Flick und Günther Sierck. Beide wurden bei der Mitgliederversammlung vor neun Monaten als Liquidatoren bestimmt.

Stellt sich die Frage, was mit den Fundtieren passiert, die bislang von der „Tierhilfe Ostholstein“ versorgt wurden. Klar ist, jede Stadt und Gemeinde ist gesetzlich dazu verpflichtet, Hunde, Katzen, Meerschweinchen und andere Haustiere unterzubringen. Die meisten Orte haben Verträge mit entsprechenden Tierheimen.

Katzen nach Eutin, Hunde nach Lübbersdorf

Klaas Raloff, Leiter des Neustädter Amtes für gesellschaftliche Angelegenheiten, teilt mit, dass Katzen künftig nach Eutin und Hunde nach Lübbersdorf gebracht werden sollen. „Mit den Tierschutzvereinen wurden entsprechende Vereinbarungen getroffen“, sagt Raloff. Ähnlich äußert sich Burkhard Busch, Leitender Verwaltungsbeamter des Amtes Ostholstein-Mitte: „Beide Tierheime haben bereits in der Vergangenheit regelmäßig Fundtiere aus unserem Amtsbereich aufgenommen und werden dies künftig in einem etwas größerem Umfange fortsetzen.“ Der Verein „Tierschutz Eutin und Umgebung“ hat auf die gestiegene Zahl von Fundtieren bereits reagiert. Laut dem Vorsitzenden Dr. Werner Sach gibt es jetzt zwei Container für die höheren Aufnahmekapazitäten.

Auch in Lübbersdorf sieht man sich gut gerüstet. Claus-Peter Matthiensen, Vorsitzender des Vereins „Tierschutz Oldenburg in Holstein und Umgebung“, betont, dass Privatleute sich gerne an die Lübbersdorfer wenden können. Zugleich versichert er, den Eutiner Kollegen keine Konkurrenz machen zu wollen. „Wir haben die Erlaubnis, bei uns 30 Hunde, 50 Katzen und 20 Kleintiere aufzunehmen“, sagt Matthiensen.

Wildtiere bekommen andere Unterstützung

Wildtiere, die Hilfe benötigen, müssen woanders hingebracht werden. Annika Sommerfeld, stellvertretende Sprecherin des Kreises Ostholstein, erläutert, dass die Entnahme von Wildtieren aus der Natur „grundsätzlich naturschutzrechtlich beziehungsweise jagdrechtlich verboten“ sei. Sommerfeld: „Meistens werden angeblich von den Elterntieren ,verlassene’ Jungtiere oder aber verletzte Wildtiere in Tierheimen angeliefert. Da Jungtiere in der freien Natur nicht freiwillig von ihren Elterntieren verlassen werden, appellieren Fachleute immer wieder, solche Tiere nicht einzusammeln, sondern diese an Ort und Stelle in der freien Natur zu belassen.“ Im Zweifel könnten jedoch Jäger oder die Naturschutz- und Veterinärbehörde kontaktiert werden.

Zwar nimmt auch das Tierheim Eutin Wildtiere auf. „Dieses wird aber von Fall zu Fall und in Absprache mit spezialisierten Partnern entschieden“, erläutert Werner Sach.

Verletzte Vögel können unter anderem zur Vogelschutzgruppe Preetz gebracht werden (www.wildtierheim.de). Auch Klaus Langfeldt vom Vogelpark Niendorf (www.vogelpark-niendorf.de) kümmert sich um verletzte Vögel. Eine weitere Anlaufstelle ist die Wildtierstation Hamburg/Schleswig-Holstein (www.wildtierstation-hamburg.de).

Geld für Tierheime

Ob Neu-, Aus-, Anbau oder Sanierung, das Land gewährt für den laufenden Betrieb von Tierheimen jährlich 100000 Euro, für Investitionen 250000 Euro. Eine jetzt erlassene Richtlinie regelt laut Umweltministerium die Verteilung der in diesem Jahr zur Verfügung stehenden Fördermittel. „Mit der Unterbringung herrenloser Tiere und Fundtiere leisten ehrenamtliche Tierschutzvereine eine wertvolle Arbeit“, sagte Minister Robert Habeck (Grüne).

Anträge müssen bis zum 30. September beim Ministerium gestellt werden. Infos bei Anja Hinz (Tel. 0431/ 9887128, E-Mail: anja.hinz@melund. landsh.de oder unter dem Link: https://bit.ly/2ulyh1U

Sebastian Rosenkötter

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