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Nach Unfall: Diskussion über Fahrtauglichkeit von Senioren

Bad Schwartau Nach Unfall: Diskussion über Fahrtauglichkeit von Senioren

87-Jähriger hatte zwei Fußgänger angefahren — Debatte über Gesundheitstests und freiwillige Abgabe des Führerscheins — Positives Beispiel ist der Bürgerbus Fehmarn.

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Christoph 12 im Landeanflug auf der Eutiner Straße in Bad Schwartau. Unterdessen versorgen Rettungskräfte die Verletzten.

Quelle: Sebastian Prey

Bad Schwartau. /Fehmarn. Ein 87-Jähriger hat beim Verlassen eines Tankstellengeländes am Dienstag zwei Fußgänger angefahren und schwer verletzt. Mit dem Rettungshubschrauber musste eine 72-Jährige, die bei dem Unfall Kopfverletzungen erlitt, in die Klinik geflogen werden. Ein 89-Jähriger kam mit einem Beinbruch ins Krankenhaus. Wie fahrtüchtig sind Senioren? Sollten Gesundheitstests vorgeschrieben werden? Diese Fragen werden nach dem Unfall auf der Straße und der Facebookseite von LN-Online diskutiert.

„Die Fahrerlaubnis wird lebenslang erteilt, und die Pflicht zur Vorsorge obliegt jedem Verkehrsteilnehmer selbst“, sagt Peter Marx, Teamleiter Fahrerlaubniswesen des Tüv Nord Mobilität in Lübeck. Der Großteil der Senioren gehe verantwortungsbewusst vor und schränke zum Beispiel entsprechend des eigenen Könnens Fahrten im Dunkeln oder ähnliches ein. „Alle Senioren zu verpflichten, vorsorglich zum Arzt zu gehen, um die Fahrtauglichkeit festzustellen, ist nicht angebracht“, sagt der Experte. Und: „Jeder muss für sich Sorge tragen. In erster Reihe sind darüber hinaus die Mediziner wie Hausärzte gefragt, Senioren zu beraten.“

Um die Fahrtauglichkeit einzuschätzen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Marx nennt drei Stufen. Die einfachste: Senioren können freiwillig den in Zusammenarbeit mit dem ADAC angebotenen Fahrfitness-Check absolvieren. „Mit dem Fahrlehrer können sie dort ihre Fähigkeiten testen“ — etwa in Lübeck oder Pansdorf.

Stufe zwei: Wer nicht nur die Fahrpraxis, sondern auch die medizinischen Voraussetzungen prüfen lassen möchte, könne dies beim Mobilitäts-Check vom Tüv Nord tun. Dabei werde von Experten unter anderem die Reaktionsfähigkeit, Belastbarkeit und Aufmerksamkeit getestet. Marx: „Die letzte Stufe ist ein amtlicher Vorgang.“ Würden die Fahrer auffällig oder verursachten einen Unfall, werde dies von der Polizei ans Verkehrsamt weitergegeben. „Wir bekommen dann den Auftrag, ein Gutachten über die Fahreignung zu erstellen.“ In solchen Fällen könne der Entzug der Fahrerlaubnis drohen.

Siegfried Müller, Vorsitzender des Seniorenbeirats Stockelsdorf, kennt das Problem: „Es gibt öfter bei älteren Menschen Einschränkungen.“ Daher hat er die kostenlose Veranstaltungsreihe „Mobil bleiben — aber sicher“ ins Leben gerufen. „Fahren im Alter ist ein schwieriges Thema“, gesteht er: „Aber ich kenne in meinem Bekanntenkreis einige, die freiwillig ihren Führerschein abgegeben haben.“

Manchmal geht‘s gut. Wie einst beim legendären Fehmaraner Lambert Grimm, der mit 100 noch am Lenkrad saß und mit diesem Rekord sogar in der „Aktuellen Schaubude“ im Fernsehen landete. Doch wann immer Senioren als Autobahn-Geisterfahrer erwischt werden oder schwere Unfälle verursachen, tauchen drängende Fragen auf. „Es ist und bleibt eine Persönlichkeitentscheidung“, betont Wilfried Lühr, Vorsitzender des Kreisseniorenbeirates. Seine Einschätzung: Die Bereitschaft, den Führerschein abzugeben, sei mit „etwa 30 zu 70 Prozent“ eher gering.

Offerten wie ein Jahr kostenlose ÖPNV-Nutzung verpufften, da außerhalb der Städte das Angebot rapide sinke. Als positives Beispiel nennt er den Bürgerbus Fehmarn, der entlegene Dörfer bedient. Am 17.

Februar diskutieren in Neustadt Vertreter der 18 Seniorenbeiräte in Ostholstein das Thema, im Herbst will es der Landesseniorenbeirat aufgreifen.

Keine aktuellen Auswertungen darüber, wie viele Senioren den Führerschein freiwillig abgeben, gibt es beim Kreis Ostholstein. Vor Jahren lief eine Aktion, im Gegenzug gab es für ein Jahr ein Busfahrticket. Kreissprecherin Anja Sierks-Pfaff: „Doch das Angebot wurde so gut wie überhaupt nicht angenommen.“ Die Landespolizei unterstützt Aktionen wie das Konzept Sicherheitsberater für Senioren — im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Zufällig heute spricht Burgs Polizeichef Stefan Newe ab 10 Uhr im „Charlston“ bei der SPD-AG 60plus auch über Senioren im Straßenverkehr. Newe: „Früher machten uns jugendliche Raser viel mehr Sorgen, heute schlägt der demografische Wandel voll durch.“

Gesundheitstests werden kommen
Einen Unfall zu verursachen, davor ist keiner gefeit. Das Alter spielt da nicht die entscheidende Rolle. Die letzte Verkehrsstatistik spricht aber auch eine klare Sprache: In Ostholstein wurden in 2014 deutlich mehr Unfälle durch Senioren (285) als durch junge Autofahrer (218) verursacht. Ob des demografischen Wandels werden die Unterschiede mit Sicherheit noch größer. Die Unfallzahlen durch Senioren werden drastisch wachsen. Über kurz oder lang führt wohl kein Weg daran vorbei, ab einem gewissen Alter Gesundheitstests für Verkehrsteilnehmer vorzuschreiben. Nicht, um Senioren zu gängeln, ihre Freiheit einzuschränken oder einfach nur abzukassieren. Es geht um das Wohl und die Sicherheit der Allgemeinheit.
Sebastian Prey (48) über
„Senioren im Straßenverkehr“. Hintergrund ist der schlimme Unfall am Dienstag mit zwei Verletzten.

Kim Meyer und Gerd-J. Schwennsen

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