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Ostholstein Nach Urteil: Mörder von Sina L. gilt weiterhin als gefährlich
Lokales Ostholstein Nach Urteil: Mörder von Sina L. gilt weiterhin als gefährlich
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11:09 13.05.2016
Hinter diesem Zaun wird Wolfgang E. die nächsten Jahre verbringen. Für ihn ist das keine neue Erfahrung, war er doch bereits zwischen 1991 und 2011 in der geschlossenen Forensik des Neustädter Ameos-Klinikums untergebracht. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter

Verfolgt, erwürgt und den Leichnam missbraucht: Wegen Mordes in Tateinheit mit versuchter Vergewaltigung wurde gestern der Mörder von Sina L.

Wolfgang E. wird erneut in der geschlossenen Neustädter Forensik untergebracht – Die Wahrscheinlichkeit, dass der 63-Jährige noch einmal freikommt, ist gering.

„Aus Angst, die Tat könnte aufgrund der Schreie entdeckt werden, würgte er sie sechs bis sieben Minuten lang.“ Richter C. Singelmann

verurteilt. Das Lübecker Landgericht verhängte eine Haftstrafe von 13 Jahren sowie die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus. Damit endet, was am Nachmittag des 26. Juli 2015 begann.

An jenem Sonntag verschwand Sina L. Die 37-Jährige wurde zuletzt gegen 13 Uhr von Mitarbeitern des Ameos-Klinikums gesehen, wo sie als Patientin im offenen Bereich untergebracht war. Wochenlang wurde das Gelände am Binnenwasser zwischen Neustadt und Altenkrempe abgesucht. Im gesamten Stadtgebiet hingen Bilder von Sina L., in der Hoffnung jemanden zu finden, der die Frau gesehen hatte. Mindestens sechs Suchaktionen brachten kein Ergebnis. Fährten- sowie Leichenhunde, eine Polizeidrohne, ein Sonarboot und der Bundespolizei-Hubschrauber kamen zum Einsatz. Auch die Freiwillige Feuerwehr Neustadt und das Technische Hilfswerk beteiligen sich.

Wochen später, am 6. Oktober, folgte die traurige Gewissheit. Sina L. ist tot. Sie wurde von dem mehrfach vorbestraften Wolfgang E. (63) umgebracht. Während des Prozesses vor dem Lübecker Landgericht wurden nach und nach die grausamen Details bekannt. E. legte bereits am ersten Verhandlungstag ein Geständnis ab und schilderte, wie er am 26. Juli mit seinem Fahrrad unterwegs war und Sina L. auf einem Wanderweg zwischen Neustadt und Altenkrempe sah. „Da kam mir der Gedanke, mit dieser Frau Sex zu haben“, sagte E. aus. Er habe sich entschlossen, sein Rad zurück auf das Ameos-Gelände zu bringen. Dies belegen später auch Auswertungen von Videoaufnahmen einer Überwachungskamera, die am Eingang angebracht ist. Anschließend machte sich Wolfgang E. zu Fuß auf den Weg und fing Sina L. schließlich an einer Autobahnunterführung ab. Er sprach sie an, sie wehrte sich, er nahm sie in den Schwitzkasten. „Aus Angst, die Tat könnte aufgrund der Schreie entdeckt werden, würgte er sie sechs bis sieben Minuten lang“, sagte Richter Christian Singelmann während der Urteilsverkündung. Anschließend habe Wolfgang E. Sina L. entkleidet, ihren Leichnam sexuell missbraucht und diesen in einem Entwässerungsschacht versteckt.

Warum bis zum Auffinden der Überreste Monate vergingen, ist unklar. Laut Aussage eines Polizisten habe eine Jägerin bereits am 20. August starken Verwesungsgeruch unweit der Autobahnunterführung gemeldet. Suchhunde hätten jedoch nichts angezeigt, wobei diese auch nicht direkt am Fundort eingesetzt gewesen sein sollen. Die Auswertung der Videoaufnahmen vom Ameos-Eingangsbereich erfolgte laut Lübecker Oberstaatsanwalt Ralf Peter Anders am 22. September. Am 6. Oktober kam es dann zur Durchsuchung des Zimmers von Wolfgang E. Bei dieser wurde unter anderem Schmuck von Sina L. gefunden. Kurz darauf gestand E. die Tat und führte die Beamten zum Entwässerungsschacht.

Richter Christian Singelmann betonte gestern, dass sich alle Beteiligten einig seien, dass der Angeklagte ein „schreckliches Verbrechen“ begangen habe. „Das, was erneut geschehen ist, ist furchtbar schlimm und darf sich keinesfalls wiederholen“, sagte er. Aber dennoch müsse sich das Gericht an Recht und Gesetz halten und dürfe sich nicht von Emotionen leiten lassen. Um die Gefahr, die von Wolfgang E. ausgeht, einschätzen zu können, soll es eine jährliche Überprüfung durch die Strafvollstreckungskammer geben. Laut forensischem Gutachten sind die Chancen auf Entlassung gering.

 Sebastian Rosenkötter

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