Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Nach dem Sturm: Im Wald herrscht Lebensgefahr
Lokales Ostholstein Nach dem Sturm: Im Wald herrscht Lebensgefahr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:23 29.10.2013
Eutin

Der Sturm ist weitergezogen, die Gefahr bleibt. Zumindest im Wald und dort, wo Bäume stehen. „Diese Woche sollte man den Wald auf keinen Fall betreten, die Gefahr ist viel zu groß“, mahnt Thomas Tiede, Förster in Kellenhusen, eindringlich. Für einige Kreise in Schleswig-Holstein wurde gestern von Amts wegen ein absolutes Betretungsverbot verhängt, für Ostholstein bleibt es beim eindringlichen Appell, den Tiede formulierte. Denn im Wald herrscht Lebensgefahr.

Gleich nach Abklingen des Orkans haben sich die Forstarbeiter daran gemacht, die Schäden zu beseitigen. Doch es ist zu viel zu tun. „Wir sind erst einmal dabei, die Wege zu räumen, damit wir wieder durchfahren können“, sagt Tiede. Er rechnet damit, dass es angesichts der Menge der Schäden bis nächste Woche dauert, ehe der Wald wieder sicher ist. Zu viele abgerissene Äste hängen in den Kronen, manch umgekippter Baum wird nur noch von den Zweigen seines Nachbarn gehalten. Und wann die nachgeben, weiß niemand.

Unterdessen atmen die Feuerwehren im Kreis auf. Einige kamen vor lauter Sturmeinsätzen nicht mehr zum Nachdenken. „Das war eine Katastrophe, so viele Einsätze auf einmal“, sagt der Scharbeutzer Wehrführer Sebastian Levgrün. „Wenn es dann noch gebrannt hätte, hätten wir ein riesiges Problem gehabt.“ Was das angeht, beruhigt Kreisbrandmeister Ralf Thomsen aus Oldenburg. „Wir haben genug Reserven. Einige Wehren waren nur wenig oder gar nicht belastet.“

Thomsen fordert wie auch andere Feuerwehrleute etwas mehr Eigeninitiative von den Ostholsteinern. „Wenn Menschenleben oder Sachwerte in Gefahr sind, kommt selbstverständlich die Feuerwehr. Aber wenn nur ein Ast auf der Straße liegt, kann man den auch mal selbst beiseite ziehen.“ Nur noch Kopfschütteln hat der Scharbeutzer Gemeindewehrführer Reinhold Mang für einige Anrufer übrig: „Es ist vielen Menschen wohl nicht klar, dass wir nur dann ausrücken, wenn Gefahr für Leben oder Gebäude im Verzug ist.“ Bei Anfragen wie: „Bei mir liegt eine Tanne vor der Tür. Können Sie die mal wegräumen?“ werde auf Fachfirmen verwiesen. Mang: „Wir sind ja schließlich keine Säger, die das Kaminholz klein machen.“

Die Sturmschäden wegräumen, das müssen nicht nur die Waldarbeiter, sondern auch die Mitarbeiter von Bauhöfen und Handwerksbetrieben. So wurde in Neustadt die Fensterfront einer Metallwarenfabrik zerstört; in der Straße Dörpsstede riss ein entwurzelter Straßenbaum einen Krater in den Asphalt. Der Bauhof sperrte den Fahrbahnrand ab.

Und auch auf Fehmarn begann gestern das große Aufräumen. Größere Säge-Aktionen durch den städtischen Bauhof gab es gestern auf dem Burger Großparkplatz Ost (Grassau‘sche Wiese) sowie am Schwanenteich. Am meisten gefordert waren Spezialisten, die die Reste des vom Wind zerstörten Solardachs auf einer der Hallen vom Dansk Discounter „Priss“ in Burg abmontierten. sas/cd/gjs/ser

Die Schreckensbilanz des Sturms
968Notrufe gingen am Montag in der Regional-Einsatzleitstelle der Polizei ein, die für Lübeck und die Kreise Ostholstein, Stormarn und das Herzogtum Lauenburg zuständig ist. Ein Großteil davon waren Einsätze wegen des Sturms.
114 Notrufe verzeichnete die Polizei wegen des Sturms allein im Kreis Ostholstein.

70 Mal wurde die Polizei gerufen, weil Bäume vom Sturm umgerissen wurden. Meistens alarmierten die Anrufer die Beamten, dass Bäume auf die Fahrbahn, Autos oder Hausdächer gestürzt waren, zudem fielen schwere Äste auf Straßen und Gehwege.
8 Mal alarmierten die Anrufer die Polizei, weil Ziegel von Dächern geweht wurden.
2 Mal machten sich Autoanhänger selbstständig.
2 Mal krachten umherfliegende Gegenstände in Autos.

Ärgerliche Notrufe, die die Beamten von der Arbeit abhielten, gab es ebenfalls. So rief ein Mann den Notruf an, weil er vor der gesperrten Fehmarnsundbrücke im Stau stand und nun „nicht wusste, was er machen sollte.“

LN

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!