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Ostholstein Nach der Klinik auf den Raddampfer
Lokales Ostholstein Nach der Klinik auf den Raddampfer
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22:16 01.06.2016
Sein Namensschild nimmt der scheidende Chefarzt Dr. Hans-Joachim Frercks heute ab. Quelle: Christina Düvell-Veen

. In seinem Berufsleben hat Dr. Hans-Joachim Frercks jede Menge bewirkt und geschafft. Wenn der 65-jährige Chef der Vital-Klinik Buchenholm in Malente heute in den Ruhestand geht, so hat er eines aber doch nicht erreicht. „Ich hätte gerne mehr Druck von meinen 120 Mitarbeitern genommen. In den vergangenen fünf Jahren musste ich von ihnen mehr abverlangen, als eigentlich machbar war.“ Eine ständig zunehmende Arbeitsverdichtung, damit verbunden ein permanenter Zeitdruck und „der fürchterliche Preisdruck“ hätten enorm zugenommen. „Es geht immer mehr um optimale Erlöse. Die Menschen werden dabei vergessen“, kritisiert der Chefarzt.

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Heute hat Chefarzt Dr. Hans-Joachim Frercks seinen letzten Arbeitstag in der Buchenholm-Klinik in Malente.

„Mich wundert immer wieder, wie unauffällig viele Patienten auf den ersten Blick sind.“Chefarzt Dr.Hans-Joachim Frercks

Er übernahm am 1. Juli 1992 die Leitung der Klinik, die damals 118 und heute 151 Betten hat. Damals war es eine reine Rehabilitationseinrichtung im orthopädisch-internistischen Bereich.

Frercks selber absolvierte recht bald eine Weiterbildung für Psychotherapie. Da zu Beginn seiner Amtszeit die Bahnbetriebskrankenkasse Trägerin der Einrichtung war, kamen die Patienten zunächst auch aus dem Bahnbereich. Inzwischen gab es eine Privatisierung, Trägerin ist nun die Vital GmbH. Ein Schwerpunkt ist die Arbeit mit Patienten, die Opfer oder Zeugen von Unfällen und gewalttätigen Übergriffen geworden sind. Viele von ihnen leiden unter Posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS). Dazu gehören beispielsweise Kassierrinnen, die einen Raubüberfall verarbeiten müssen, aber auch Verwaltungsangestellte, die körperlich angegriffen wurden, Feuerwehrleute und Polizisten.

Damals kamen in die Buchenholm-Klinik vor allem Lokführer aus dem gesamten Bundesgebiet, die sich erholen mussten von Vorfällen, bei denen sich beispielsweise Selbstmörder vor den Zug geworfen hatten. Frercks erinnert sich gut an die Initialzündung, die eine Änderung des Behandlungsprogramm bewirkte: „Es war der Patient, der in unserer Reha-Klinik wegen Herzbeschwerden behandelt wurde, und bei dem ich merkte, dass er sich überhaupt nicht erholt.“ Frercks unternahm eine Ultraschall-Untersuchung, verdunkelte dafür den Behandlungsraum und hörte den Patienten plötzlich reden. Er erzählte ihm von einem bevorstehenden Gerichtsprozess und davon, dass es dabei auch um den Tod seines Kollegen geht, der bei einem Lok-Unfall getötet worden war. Frercks: „Da wusste ich plötzlich, was ihm aufs Herz drückte.“ Bei den Klinik-Verantwortlichen und beim Träger begann ein großer Umdenkungsprozess. Psychologen und weiteres Fachpersonal wurden eingestellt und zu den Behandlungen hinzugezogen.

„Bundesweit waren wir die einzige Reha-Einrichtung, die Menschen aus dem Verkehrswesen in geschlossenen Gruppen behandelt hat“, berichtete Frercks weiter. Dieses so genannte psycho-edukative Programm werde stets von Experten, derzeit von Experten der Universität Lübeck, begleitet.

Der scheidende Chefarzt begegnete in den vergangenen 24 Jahren vielen hundert Patienten, denen Schreckliches oder auch „schier Unvorstellbares“ passiert ist. „Mich wundert immer wieder, wie unauffällig sie auf den ersten Blick sind. Viele von ihnen versuchen, ihre Ängste zu verbergen, weil sie fürchten, verrückt zu werden.“

In den vergangenen Wochen hat Frercks nicht nur sein Büro, sondern auch die Dienstwohnung auf dem Klinik-Gelände geräumt. „Eine Einstellungsvoraussetzung war damals, dass ich mit meiner Familie dorthin ziehe.“ Zur Familie gehören neben der Ehefrau auch die beiden heute 31 und 34 Jahre alten Töchter sowie zwei kleine Enkelsöhne. Das Ehepaar Frercks wird sein neues Domizil mit direktem Elbe-Blick in Lauenburg beziehen. Von dort aus sieht der Mediziner dann immer auf sein größtes Hobby, den Raddampfer Kaiser Wilhelm“. Frercks will dort noch intensiver im Verein mitarbeiten. Außerdem überlegt er, wieder in einem Chor zu singen, und natürlich will er auch seine „Opa“-Rolle ausbauen.

Sein Nachfolger ist Dr. Richard Natmeßning. Er war zuvor Oberarzt an der Curtius-Klinik in Malente und arbeitet als Ärztlicher Leiter bereits seit Januar in der Vital-Klinik Buchenholm.

Christina Düvell-Veen

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