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Ostholstein Nach fast 40 Jahren: CVJM löst sich auf
Lokales Ostholstein Nach fast 40 Jahren: CVJM löst sich auf
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20:03 05.01.2018
Heiner Backer beim Boxtraining: Beim Projekt „Vogelfrei“ lernen Jugendliche, Aggressionen abzubauen. *FOTO: TK
Oldenburg

Bereits vor zwei Jahren hatte der CVJM angekündigt, seine Projekte nach und nach auslaufen zu lassen. „Die Ehrenamtler werden leider nicht mehr“, erläutert Vorsitzender Heiner Backer (57) den jetzigen Schritt. Die vielfältigen Angebote hätten die wenigen verfügbaren Kräfte gebunden und nicht zuletzt die Arbeit mit sozial benachteiligten oder bereits straffällig gewordenen Jugendlichen sei stets eine Herausforderung gewesen.

Nach fast 40 Jahren beendet zieht der CVJM seine Arbeit in Oldenburg. Seit 1979 hat der Verein sich hierzulande in der Jugendarbeit engagiert, zuletzt als „CVJM auf der Vogelfluglinie“ auch über die Stadtgrenzen hinaus. Jetzt ziehen die Mitglieder die Reißleine.

Jugendarbeit in 130 Ländern

Die Abkürzung CVJM steht für „Christlicher Verein Junger Menschen“. Weltweit gehören dieser Jugendorganisation, die 1855 gegründet wurde, 45 Millionen Menschen in 130 Ländern an. Der CVJM ist überkonfessionell und bietet unterschiedliche Programme, Aktionen und Freizeiten an. In Deutschland gibt es etwa 2200 dieser Vereine.

Mehr im Internet unter www.cvjm.de.

„Das größte Lob kam von den Jugendlichen“

Backer dankt seinen Mitstreitern für das jahrelange Engagement: „Ohne die aktiven Ehrenamtler wäre die Arbeit des CVJM nie möglich gewesen“, betont er. Er freue sich sehr über die erfolgreichen Projekte. Im Jahre 2009 etwa erhielt der Verein gleich zwei Auszeichnungen auf Landesebene.

Das größte Lob aber komme von den jungen Menschen selbst: „Das Schönste ist, wenn ehemalige Teilnehmer von ihren Erlebnissen Erfahrungen erzählen“, sagt Backer. Dann werde ihm bewusst, dass die Projekte, Freizeiten oder Veranstaltungen des CVJM die Jugendlichen nachhaltig geprägt hätten – „das ist ein tolles Gefühl“.

Heiner Backer selbst stieß vor 30 Jahren zum Verein dazu. Er war es auch, der die Offene Arbeit als einen wesentlichen Schwerpunkt in Oldenburg installierte, ein Angebot, mit dem eben auch die „Problemfälle“ erreicht werden sollten. „Das war nicht immer einfach – die Jugendlichen passten manchmal so gar nicht in das Klischee vom braven Konfirmanden“, scherzt der gelernte CVJM-Sekretär und Diakon. Umso mehr habe es ihn gefreut, wenn die jungen Menschen mit der Vereinsarbeit erreicht werden konnten und aus dem Erlebten etwas für sich mitgenommen hätten. Ihm habe es immer am Herzen gelegen, gerade auch denjenigen zu helfen, die in ihrem jungen Leben schon einmal ins Straucheln geraten waren.

Projekt für straffällige Jugendliche wird fortgesetzt

Die Jugendarbeit in Oldenburg sei mittlerweile gut organisiert, sagt Backer. Die Kirchengemeinden leisteten seit vielen Jahren ihren Beitrag, genau wie die kommunale Jugendarbeit, Sportvereine und freie Träger. „Das ist viel und gut“, so der CVJM-Vorsitzende, mache es derweil allerdings nicht leichter, ehrenamtliche Kräfte für den eigenen Verein zu finden.

Er freue sich aber, dass die Angebots-Vielfalt erhalten bleibe. Und besonders schön sei, dass sogar für das letzte CVJM-Projekt „Vogelfrei und doch dabei. . .“ noch ein Nachfolger in Ostholstein gefunden worden sei: Der neu gegründete CVJM „Don Bosco“ in Ahrensbök wolle das Projekt weiterführen, das verhaltensauffällige oder straffällig gewordene Jugendliche wieder in die Gesellschaft integrieren soll. „Besser konnte es nicht laufen“, so Backer zufrieden. Er sei froh über diesen positiven Ausgang.

LN

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