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Ostholstein Nacht der Gitarren – Konzert der Extraklasse
Lokales Ostholstein Nacht der Gitarren – Konzert der Extraklasse
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20:48 01.11.2017
Nacht der Gitarren: Michael Chapdelaine (v. l.), Calum Graham, Dr. Marek Pasieczny und Lulo Reinhardt. Quelle: Fotos: Gjs
Petersdorf a. F

Lulo Reinhardt, Großneffe des legendären Jazz-Gitarristen Django Reinhardt (1910-1953), betritt den Altarraum. Über ihm schwebt die Erntekrone, geschmückt mit Schleifen in den Schleswig-Holstein- Farben. Der 56-jährige Musiker aus Koblenz greift zu einer seiner beiden Gitarren. Und lächelt.

Auf ein musikalisches Wagnis hat sich die Fehmarn-Festival- Group (FFG) eingelassen. Statt Rock und Blues auf der Wiese erklingt am Abend vor dem Reformationstag eine „Nacht der Gitarren“ in der Petersdorfer Johanniskirche.

Erst wenige Minuten zuvor hat Werner Feldmann, Gastgeber der FFG, ein Gitarrenkonzert der „absoluten Weltklasse“ angekündigt. Die Erwartungshaltung im Publikum ist groß, die Kirche fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

Noch immer lächelt Lulo, erzählt ein wenig von der Musik zu seinem ersten Film über die Nomadenkultur in Marokko. Dann kündigt er die erste Eigenkomposition dieses Abends an.

Von „Memories of Dachau“ gibt es sogar vier Versionen, drei in Moll, eine in Dur. Doch Lulo entscheidet sich für die Letztere. Vielen Besuchern stockt der Atem. Denn der Sinto aus Koblenz möchte den Abend fröhlich beginnen.

Dazu gibt es allen Anlass: „Zehn Minuten später – und wir wären nicht hier.“ Was die Wenigsten wissen: Zuvor hat er den LN im Interview erzählt, dass sein Vater bereits unmittelbar vor der Gaskammer stand, „mit vielen anderen Juden und Zigeunern“. Dann kamen die Russen. Sein Vater Bawo Reinhardt, ebenfalls ein Musiker, überlebte.

Und trotzdem gelingt es Lulo Reinhardt, nach diesem sehr persönlichen Auftakt das Konzert in eine echte „Nacht der Gitarren“ zu verwandeln. Mit drei jungen Künstlern aus den USA (Michael Chapdelaine), Kanada (Calum Graham) und Polen (Dr. Marek Pasieczny), die seit Mitte Oktober gemeinsam mit ihm auf Europa-Tournee sind. Rotterdam, Amsterdam, Bonn – und jetzt Fehmarn. Ein Glücksfall.

Es wird ein Konzert der ganz starken Kontraste. Von Bach bis zu den Beatles, sodann kleine Miniaturstücke, inspiriert durch polnische Folk-Musik, aber auch Jazziges, lateinamerikanische Klänge, Anleihen bei Sting und afrikanische Arbeiterlieder.

Jeder hat seinen Soloauftritt, andere Stücke spielen die Gitarristen in wechselnder Duo-Besetzung oder auch gemeinsam. Und jedes Stück ist für sich ein Konzertereignis. Als Marek im Duo mit Lulo seine Gitarre in ein Percussion-Instrument verwandelt, hört sich das an, als trommle eine mehrköpfige afrikanische Gruppe im Altarraum. Ein Klangfeuerwerk – und eine Augenweide.

Das exklusive Interview mit Lulo Reinhardt lesen Sie morgen in den Lübecker Nachrichten.

gjs

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