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Ostholstein "Nachts sprudeln die Ideen"
Lokales Ostholstein "Nachts sprudeln die Ideen"
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14:31 07.01.2018
Martine Lestrat an ihrem Schreibtisch: Er ist eigentlich zu klein, aber die 58-Jährige hat nicht damit gerechnet, hier so viel Zeit zu verbringen. Quelle: Fotos: Juk, Fotolia
Plön

In der Schublade neben ihrem Bett hat Martine Lestrat immer einen Block und Zettel liegen. Nachts kommen der 58-Jährigen stets viele Ideen – die hält sie dann gleich auf Papier fest. „Aber auch beim Abwaschen oder unter der Dusche fällt mir was ein“, erzählt sie. Beim Spülen hatte sie die erste Eingebung für ihr Buch – das war vor fünf Jahren. Ende November 2017 ist nun ihr Erstlingswerk „Bonjour Deutschland!“ erschienen. „Ich kann es immer noch nicht glauben“, sagt Lestrat mit einem leicht französischen Akzent. Ihre Herkunft kann sie nicht verbergen. „Ich mache das aber nicht absichtlich“, betont die Plönerin.

In der Schublade neben ihrem Bett hat Martine Lestrat immer einen Block und Zettel liegen. Nachts kommen der 58-Jährigen stets viele Ideen – die hält sie dann gleich auf Papier fest.

Mit 24 Jahren ist sie „der Liebe wegen“ nach Deutschland gekommen – mit lediglich drei, vier deutschen Wörtern im Gepäck. Das Erlernen der fremden Sprache, deutsche Eigenheiten und Vorurteile: Die Erfahrungen der vergangenen 34 Jahre hat sie in ihrem Buch verarbeitet, in kleinen Anekdoten, humorvoll und nachdenklich machend. Mit ihrem Erstlingswerk möchte Lestrat, die achteinhalb Jahre in Haffkrug gelebt hat, auf lustige Art und Weise kulturelle Differenzen aufzeigen und Tipps für ein gutes Miteinander verschiedener Kulturen geben.

Es sind manchmal nur Kleinigkeiten im täglichen Umgang, die Deutsche und Franzosen unterscheiden. Bei Unwissen können diese allerdings zu unangenehmen Situationen führen. „Meine Mutter musste ich am Ende nicht mehr vorwarnen, wenn ich sie umarmt habe“, erzählt die 58-Jährige und lacht. Denn anders als Deutsche begrüßen sich Franzosen nicht mit einem engen Körperkontakt, sondern mit Küsschen links und rechts auf die Wange. Auf die Idee, ein Buch zu schreiben, hat sie Sebastian Schnoy mit seinem Werk „Heimat ist, was man vermisst“ gebracht. In kürzester Zeit hatte sie 17 Punkte gesammelt – als einzelnes Stichwort, ganzen Satz oder als längeren Text hält sie ihre Ideen fest. Eine lose Sammlung einzelner Zettel bildete am Ende die Grundlage für ihr Buch.

Erst neulich überkam es sie wieder, als sie nachts plötzlich an die Ostsee dachte. Auf mehreren Seiten schilderte sie, wie es war, als sie das Meer das erste Mal gesehen hat. Lestrat reagierte zunächst enttäuscht. Denn im Französischen heißt die Ostsee „mer baltique“ – und sie hatte mit einem rauen und aufgewühlten Meer und nicht mit der ruhigen Badewanne gerechnet. Aus dieser einen Erinnerung wurde immer mehr, die Wörter sprudelten nur so aus ihr heraus und Satz für Satz füllte die Seiten. „Es flutschte einfach.“ Ein Wort, das die Sozialpädagogin im Zusammenhang mit ihrer Arbeit als Autorin häufig benutzt. „Unter Druck kann ich nicht arbeiten“, erklärt Lestrat. „Meine Texte sind mit Humor geschrieben.“ Deshalb hat es auch fünf Jahre gedauert, bis sie ihr Erstlingswerk vollendet hat.

Das Schreiben lag ihr schon immer. In ihrer Zeit in Haffkrug gründete sie mit anderen den Schulverein der Scharbeutzer Ostsee-Grundschule und übernahm die Pressearbeit. „Der Schulleiter lobte mich für meine Texte, er sagte, ich würde mit den Wörtern jonglieren“, erzählt Lestrat, die auch eine Ausbildung zur Gesundheitsberaterin absolviert hat und an der Lübecker Bucht Kochkurse sowie Vorträge angeboten hat. Nachts ist sie nicht nur besonders kreativ, sie kann um diese Uhrzeit auch am besten arbeiten. Denn mit den Ideen ist es nicht getan, die Entstehung des Buches erforderte auch jede Menge Organisation. Ihr Schreibtisch, der im Wohnzimmer steht, ist eigentlich viel zu klein – aber mit einer Karriere als Buchautorin hatte Lestrat auch nicht gerechnet. Kurz vor der Veröffentlichung ihres Erstlingswerkes wurde sie plötzlich unsicher. „Ich habe nur gezweifelt.“ Ihr ist anzumerken, wie unwohl sie sich in dieser Zeit gefühlt hat. „Meine Lesungen kamen immer sehr gut an, aber ich wusste nicht, ob das vielleicht an meinem französischen Akzent lag.“

Doch auch in schriftlicher Form überzeugen ihre Texte. „Die Rezensionen sind besser, als ich erhofft habe.“ Stoff für ein zweites Buch hat Lestrat bereits, die ersten Zettel sind gefüllt. Aber ob sie daraus ein zweites Buch machen wird, weiß sie noch nicht. Sie will sich nicht unter Druck setzen, aber die Geschichten, die sie als Französin in Deutschland erlebt, verlangen eigentlich eine Fortsetzung.

Lesung im März

Das Buch „Bonjour Deutschland!“ (ISBN: 978–3745041514) von Martine Lestrat ist im Elvea Verlag erschienen und kostet 9,99 Euro. Das Buch ist im Handel oder bei der Autorin (mit oder ohne Widmung) erhältlich.

Martine Lestrat kommt am 9. März zu einer Lesung nach Neustadt. Weitere Informationen auch zu der Veranstaltung gibt es im Internet unter www.bonjour-deutschland.eu.

 Julia Konerding

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