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Ostholstein Nahverkehr soll bis 2022 kreisweit barrierefrei werden
Lokales Ostholstein Nahverkehr soll bis 2022 kreisweit barrierefrei werden
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22:32 31.10.2013
Rollstuhlfahrer sind gerade an Bushaltestellen auf die Hilfe Dritter angewiesen. Erleichterung bieten jedoch die Niederflurbusse. Quelle: Mantik
Neustadt

Busse und Haltestellen im Kreis sollen künftig flächendeckend barrierefrei sein. Das plant der Kreis Ostholstein. Ziel sei ein „barrierefreies Gesamtsystem ÖPNV“, heißt es aus der Kreisverwaltung. Eine Umsetzung ist laut EU bis 2022 erforderlich. Lob für die Initiative gibt es vom Kreis-Beirat für Menschen mit Behinderung. Dieser fordert allerdings, das System auch auf die Nahverkehrszüge auszuweiten.

„Menschen mit Gehbehinderungen können den ÖPNV derzeit vielfach überhaupt nicht nutzen. Da muss ganz dringend etwas geändert werden“, fordert Erich Laatz, stellvertretender Beiratsvorsitzender. In einem ersten Schritt hat der Kreis in den vergangenen Monaten knapp 180 der kreisweit etwa 1000 Haltestellen begutachten lassen. Neben den Stationen in den Städten gehören dazu auch ausgewählte Haupthaltestellen in jedem Dorf mit mehr als 200 Einwohnern sowie Umstiegshaltestellen. Nach der so gut wie abgeschlossenen Felderfassung soll in den kommenden Monaten der Abschlussbericht erstellt werden. Rund 30 000 Euro lässt sich der Kreis das kosten. Konkrete Handlungsanweisungen sollen dann in dem kommenden Regionalen Nahverkehrswegeplan (RNVP) verankert werden. Das neue Konzeptpapier gilt von 2015 bis 2018. Die späteren Kosten für den Umbau der Haltestellen haben dann die Kommunen zu tragen.

Während der barrierefreie Umbau der Haltstellen noch in den Anfängen steckt, ist die Umsetzung bei den Bussen schon sehr viel weiter. „Im Linienbündel ,Mitte‘ sind 90 Prozent der NOB-Fahrzeuge bereits schon Niederflurbusse“, sagt Oscar Klose, ÖPNV-Fachplaner des Kreises. In den von der Autokraft betriebenen Bereichen „Süd“ und „Nord“ sei die Quote noch nicht so hoch. Im Zuge der Flotten-Erneuerung steige aber der Anteil der Niederflurbusse stetig.

Als wichtiges Element bei der Umsetzung des barrierefreien Gesamtsystems sieht Fachplaner Klose auch den Anrufbus. Mit dem Konzept sei ein hohes Maß an Barrierefreiheit kreisweit zu erreichen. So sei der schon jetzt eingesetzte Anrufbus nicht nur mit einer auch für Elektro-Rollstühle befahrbaren Rampe ausgestattet, sondern könne Menschen mit Gehbehinderungen auch praktisch vor der Haustür abholen. Möglicherweise weite Wege zu barrierefreien Haltestellen würden damit entfallen.

Der Kreis-Beirat für Menschen mit Behinderung fordert eine verstärkte Barrierefreiheit auch bei den Nahverkehrszügen. Deren Nutzung der Züge sei vor allem im Winter praktisch gar nicht möglich, klagt Beiratsmitglied Laatz. So würden die im Sommer teilweise fahrenden barrierefreien Züge von der Bahn im Winter andernorts eingesetzt. Stattdessen gebe es den Hinweis, zum gleichen Tarif Taxen benutzen zu können. „Es gibt im Kreis jedoch kein Taxiunternehmen, dass kurzfristig entsprechende Fahrzeuge verfügbar hat“, sagt Erich Laatz vom Beirat.

AG 60plus fordert mehr Teilhabe
Die Barrierefreiheit im ÖPNV war jetzt auch Thema bei einem Treffen der AG 60plus der SPD in Neustadt. Für ältere Menschen auf dem Land sei die Mobilität überwiegend auf Schulbusse beschränkt, so Vorsitzender Sigfried Reuter. Meistens gebe es nur eine Möglichkeit, morgens hin- und abends wieder zurückzukommen. Die Schulbusse seien zudem übervoll und oftmals ohne niederschwelligen Einstieg. Man fordere deshalb einen flächendeckenden Ausbau mit Anrufbussen oder Sammeltaxis, der auch älteren Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermögliche. tk

Holger Marohn

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