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Ostholstein Nasser Sommer kostet Bauern viel Geld
Lokales Ostholstein Nasser Sommer kostet Bauern viel Geld
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22:10 23.08.2016
Ein abgeerntetes Feld bei Liensfeld: Wegen des unbeständigen Wetters stehen landesweit noch 25 Prozent Weizen und Roggen auf dem Halm.
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Liensfeld

Pünktlich zur Erntebilanz schien immerhin die Sonne, aber die Stimmung konnte das auch nicht aufhellen. Das aprilhafte Sommerwetter hat Schleswig-Holsteins Landwirten die Ernte vermasselt. Ob Weizen, Gerste oder Raps – nach guten Vorjahren fahren sie in diesem Jahr nur knapp unterdurchschnittliche Mengen ein. Auch die Qualität fällt schlechter aus. Hohe Trocknungskosten und mäßige Verkaufspreise belasten das Ergebnis zusätzlich. Ein typischer Ackerbaubetrieb mit 120 Hektar dürfte in diesem Jahr rund 40 000 Euro weniger erlösen als im Vorjahr, prognostizierten gestern Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), Landwirtschaftskammerpräsident Claus Heller und Bauernverbandspräsident Werner Schwarz. Dem Jahr 2016 gaben sie unter dem Strich die Note 3 minus. Präsentiert wurden die Zahlen im ostholsteinischen Liensfeld auf dem Hof von Inga und Jan-Henning Wülfken.

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Robert Habeck dankt Inga und Jan-Henning Wülfken für die Pressekonferenz auf ihrem Hof.

Noch stehen zwar 25 Prozent des Weizens und Roggens auf dem Halm, vor allem an der Westküste, aber auch in Stormarn. Absehbar ist aber, dass die Weizenernte mit 1,6 Millionen Tonnen um 16 Prozent niedriger ausfallen wird als 2015. Die Qualität wird wohl nur knapp für Brotweizen reichen. Gleichzeitig sind die Preise für die wichtigste Wintergetreideart im Land um einen Euro auf 15,50 Euro pro Doppelzentner gefallen.

Enttäuschend verlief die Rapsernte. Mit 300 000 Tonnen ging die Menge ebenfalls um 16 Prozent zurück. Immerhin notieren die Preise knapp über dem Vorjahr. Die Gerste-Menge wird voraussichtlich um 20 Prozent auf etwa 500 000 Tonnen sinken. Die Preise liegen wie beim Roggen knapp unter denen des Vorjahres. Sehr gut gedeiht dagegen der Silomais. Welche Qualität eingefahren werden kann, hängt aber entscheidend vom Wetter der nächsten Wochen ab.

Für Schwarz hat das schwierige Wetter in diesem Jahr gezeigt, wie wichtig Pflanzenschutz und Düngung in diesen Breiten sind. „Wir brauchen beides.“ Pflanzenschutzmittel gegen Pilzbefall gehörten dazu, um gesunde Lebensmittel zu produzieren. „Eine Pflanzenschutzbesteuerung ist der falsche Weg, sie ist völlig kontraproduktiv“, warnte der Bauernverbandspräsident.

Habeck ließ das so nicht gelten. Uneingeschränktes Düngen und Spritzen verschärfe die Probleme beim Gewässer- und Artenschutz. Er wolle Pflanzenschutz nicht verbieten, aber besonders toxische Substanzen müssten wegen des Steuerungseffekts teurer werden. „Dazu stehe ich uneingeschränkt“, bekräftigte der Grünen-Politiker. Eine immer größere und immer intensivere Produktion sei die falsche Antwort auf Krisen. Der Minister begrüßte dagegen den Ansatz von Kammerpräsident Heller, als Reaktion auf Wetterextreme und die geplante Verschärfung der Düngeverordnung Fruchtfolgen zu erweitern und Saattermine anzupassen. „Viele Versuchsfragestellungen bei der Kammer sind mittlerweile darauf ausgerichtet“, berichtete Heller. Für Habeck liegt hier, im Lernen des konventionellen Landbaus vom Öko-Landbau, die Zukunft. Weitere Fruchtfolgen könnten etwa dem Ausbreiten von Schadkräutern in Monokulturen vorbeugen.

Einig war sich die Runde, dass die Ackerbaubetriebe insgesamt durch ein mageres Erntejahr nun nicht in Not geraten. Ganz anders sehe es für die Milchviehbetriebe aus. Deren Situation sei dramatisch, auch wenn sich nach den Tiefstpreisen für Milch eine leichte Erholung abzeichne. pet

Erfolg mit Direktverkauf: Der Liensfelder Landhof

Inga und Jan-Henning Wülfken haben ihren „Liensfelder Landhof“ breit aufgestellt. Das zahlt sich aus, wie der Landwirt jetzt bei der landesweiten Erntepressekonferenz auf seinem Hof erläuterte. Stolze 226 Hektar bewirtschaftet das Ehepaar, auf knapp 200 Hektar werden Raps, Gerste und Weizen angebaut. Aber 2014 sind die Wülfkens zusätzlich in die Direktvermarktung von Spargel, Kartoffeln und Kürbis eingestiegen. Und die Kartoffeln haben es in diesem eher mauen Jahr gebracht. „Der Ertrag ist mehr als gut, die Qualität super. Das fängt die Verluste zum Teil auf“, schwärmt Jan-Henning Wülfken von den Knollen, die bei ihm auf knapp sechs Hektar wachsen und gedeihen.

Spargel baut der „Liensfelder Landhof“ auf zehn Hektar an. Doch die Verkaufssaison war in diesem Jahr zwei Wochen kürzer, weil es bis Ende April Frost gab und ab Mitte Juni der Absatz einbricht. „Da haben wir schon die Köpfe hängen lassen“, so Wülfken, denn diese 14 Verkaufstage machten den Gewinn aus. Klagen tut der Landwirt aber nicht, denn die Direktvermarktung entwickelt sich sehr gut. Drei Supermärkte beliefert Wülfken inzwischen mit Spargel und Kartoffeln („Mit Famila bin ich sehr zufrieden“), dazu die Gastronomie im Umkreis von 20 Kilometern. Hinzu kommen eigene Verkaufsstände und seit dem Vorjahr ein 150 Quadratmeter großer Hofladen. In der Spargelsaison beschäftigt der Hof 15 Verkaufshilfen und acht Erntehelfer. Seine diesjährige Getreideernte bezeichnete Wülfken als durchwachsen. Sie liege „ein bisschen über dem Durchschnitt“ , sei aber „nicht richtig gut“. pet

LN

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