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Ostholstein Nervenkrieg am Fährbahnhof
Lokales Ostholstein Nervenkrieg am Fährbahnhof
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20:29 07.06.2017

Endstation Fährbahnhof – für entnervte Brummi- Fahrer wie für ratlose Skandinavien-Urlauber. Mit jeder gestrichenen Fährabfahrt wird der Stau aus Richtung Süden länger. Stunde um Stunde. Die Insel Fehmarn erstickt zunehmend im Verkehrschaos, auch auf den Zufahrtsstraßen. Doch niemand weiß, wie sich die Lage nach der Bombendrohung gegen Scandlines entwickeln wird.

Und trotzdem reagieren die meisten Betroffenen geduldig auf die Zwangspause. Scandlines-Mitarbeiter gehen von Auto zu Auto, informieren die Wartenden über die ungewisse Lage: „Wir bieten Ihnen an, umzukehren. Wer schon den Check-In passiert hat, bekommt sein Geld zurück.“ Noch sind viele unentschlossen. Mit jedem Meter, den es vorangeht, wächst wieder die Hoffnung, auf die nächste Fähre zu kommen. Vergebens. Dann drehen die ersten Autofahrer entnervt um. „Das kann ja noch bis Mitternacht dauern“, schimpft ein Rheinländer – und macht sich auf den langen Umweg über die Jütland-Route.

Andere sind gelassener. Zum Beispiel das Biker-Ehepaar Fritz und Marlies Wölfel (beide 67). Sie sind schon Pfingstsonnabend frohgemut in Thüringen gestartet – und dann mit einer Panne in Lütjenburg liegengeblieben: „Da hat man sich rührend um uns gekümmert, heute wollten wir endlich unseren Urlaub Richtung Lofoten fortsetzen.“ Jetzt stehen sie in Puttgarden wieder im Regen.

Andere gehen mit ihren Vierbeinern Gassi, verfrühstücken im Auto oder Wohnmobil ihr zweites Sandwich oder schnappen frische Inselluft. Am Straßenrand vor Puttgarden gibt es neue Infos per Handy oder Internet, auch der LN-Redakteur ist ein gefragter Mann.

In der Landgangshalle ist derweil eine chinesische Gruppe angekommen. Sie macht es sich auf dem Boden gemütlich. Bunte Servietten werden ausgebreitet, gemeinsam wird dann diniert. Noch ist ihre Laune gut. Bis am frühen Nachmittag die „Schleswig-Holstein“ einläuft – ihre Fahrgäste von Bord lässt und kurz darauf leer wieder den Fährhafen verlässt. Keiner weiß, wie es weitergehen soll. Der Landgang zur Fähre ist gesperrt. Scandlines-Personal serviert derweil kalte Erfrischungsgetränke.

Froh sind dagegen die Passagiere, die mehrere Stunden lang auf der „Schleswig-Holstein“ festsaßen – mitten im Fehmarnbelt. Nadine und David Merzig mit Sohn Dante und der Oma Irmgard machen Urlaub auf Fehmarn. Dass die Schiffsfahrt nach Dänemark zum mehrstündigen Törn wird, haben sie nicht geahnt: „Doch Panik an Bord gab es nicht. Aber auch keine Infos. Zuerst war von technischen, dann von polizeilichen Maßnahmen die Rede.“ Den tatsächlichen Grund erfahren sie erst später. „Aber es gab gratis Kaffee und Kuchen an Bord.“Jetzt sind sie froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

Andere harren dagegen weiter aus. Um 16.32 Uhr läuft endlich die „Deutschland“ ein, gegen 17.15 Uhr legt sie – beladen mit Autos, Lkw und Fußgängern – in Richtung Dänemark ab.

Gerd-J. Schwennsen

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