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Ostholstein Neue Chance für die Feuerkröte
Lokales Ostholstein Neue Chance für die Feuerkröte
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20:31 22.06.2017
Hauke Drews, Projektmanager der Stiftung Naturschutz, bringt die Rotbauchunken ins Wasser. Quelle: Fotos: Rosenkötter

Die zwei Zentimeter kleinen Tiere hüpfen in dem Plastikeimer hin und her. Sie wollen raus, endlich abtauchen. Dann ist ihr großer Moment gekommen. Fast 500 Rotbauchunken werden in das Gewässer des Naturerlebnisraums auf dem Gelände der Schönwalder Kirche ausgesetzt. Bei strömendem Regen erfolgte gestern am frühen Mittag der zweite Teil einer auf drei Jahre angelegten Rettungsaktion. Die Rotbauchunke, die auch Feuerkröte genannt wird, ist laut Roter Liste in Deutschland vom Aussterben bedroht.

Die vom Aussterben bedrohte Rotbauchunke soll im Naturerlebnisraum Schönwalde heimisch werden.

Nicht geschlechtsreif

Die Rotbauchunken, die 2016 in Schönwalde im Naturerlebnisraum ausgesetzt wurden, sind noch nicht geschlechtsreif. Diese erlangen sie erst nach zwei Jahren.

Hauke Drews, Projektmanager der Stiftung Naturschutz, und Florian Bibelriether von der Firma Amphi Consult wollen die Amphibien zurück nach Schönwalde bringen. „Wir setzen eine gewisse Zahl an Tieren aus und das auf drei Jahre verteilt. Dabei wollen wir verschiedene Generationen, um eine breite genetische Vielfalt zu bekommen“, erläutert Drews. Die genetische Vielfalt sei letztlich ein Garant dafür, dass die Art Krankheiten überstehe und langfristig hier lebe. Finanziert wird die Aktion vom Umweltministerium des Landes sowie durch EU-Gelder.

Die eingesetzten Rotbauchunken stammen ursprünglich aus einem Teich bei Kükelühn (Gemeinde Wangels). Dort hat Bibelriether die Eier gesammelt, dann die Kaulquappen aufgezogen und setzt sie nun wieder aus. Parallel wurden in einem zweiten Gewässer in Schönwalde ebenfalls rund 500 Tiere eingesetzt. Im besten Fall werden sie aufgrund ihres speziellen, obertonfreien Rufes aufeinander aufmerksam und sorgen in den kommenden Jahren für weiteren Nachwuchs. Florian Bibelriether schätzt, dass rund 70 Prozent der eingesetzten Feuerkröten überleben dürften.

Für Pastor Dr. Arnd Heling ist das Engagement für die bedrohte Art selbstverständlich. Er erzählt, dass es vor der Wiedervernässungsmaßnahme des Geländes sowie dem Ausheben von fünf weiteren Teichen auf einer angrenzenden Koppel kaum noch Amphibien gegeben habe. „Ganz selten habe ich eine Ringelnatter gesehen“, erinnert er sich. Innerhalb weniger Jahre habe sich dies grundlegend verändert. Neben Kröten, Fröschen und Nattern gebe es Eidechsen, viele Wasservögel, Schwalben und Zwergfledermäuse. „Bebauen, bewahren und erhalten – für mich ist es ein Auftrag, Arten nicht mutwillig verschwinden zu lassen.“

 Sebastian Rosenkötter

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