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Neue Gedenkstätte gibt Namenlosen ihre Würde zurück

Neustadt Neue Gedenkstätte gibt Namenlosen ihre Würde zurück

Arbeitskreis Cap Arcona und das Ameos Klinikum übergaben Mahnmal mit 931 Namen von Euthanasieopfern der Öffentlichkeit — Initiatoren haben drei Jahre recherchiert.

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Der Grafiker und Designer Hans-Dieter Holtz hat das Mahnmal konzipiert und gestaltet. Auf den drei Tafeln sind die Namen von 931 deportierten und getöteten Patienten festgehalten.

Quelle: Fotos: Thomas Klatt

Neustadt. Sieben Minuten lang hallten Namen durch den Saal des Hans-Ralfs-Hauses. Es waren die 206 Namen derer, denen das Nazi-Regime mit seinen Euthanasieverbrechen die Würde, die Individualität und dann das Leben genommen hatte, wie es Sylvia Blankenburg vom Arbeitskreis Cap Arcona formulierte.

Die Gedenkveranstaltung am Holocaust-Gedenktag (siehe Infokasten) leitete die Übergabe eines Mahnmals ein, das auf dem Gelände der Ameos-Klinik an die Deportierung und Ermordung von insgesamt 931 Patienten aus der ehemaligen „Landesheilanstalt Neustadt“ erinnert. Mit der Auflistung jedes einzelnen Namens werde den Opfer ein Teil ihrer Würde zurückgeben, betonte Bürgermeisterin Tordis Batscheider.

Sylvia Blankenburg zeichnete den steinigen Weg bei der Recherche der Namen nach, die jetzt auf drei großen Tafeln zu lesen sind. Das Landesarchiv Schleswig, dem das Ameos-Klinikum seinerzeit die Namen der Opfer übermittelt hatte, verweigerte die Akteneinsicht. Noch lebende Angehörige könnten sich ihrer Verwandten schämen, lautete die Unterstellung. Entsetzt sei der Arbeitskreis über „Begrifflichkeiten der rassistischen Nazi-Ideologie“ gewesen, derer sich das Landesarchiv in seiner Begründung bedient habe.

Schließlich wurde den Mitgliedern des Arbeitskreises nach Anrufung eines Schiedsgremiums doch noch Akteneinsicht gewährt, jedoch mussten die knapp 1000 Namen von Hand abgeschrieben werden. Nur die Namen derer zu nennen, deren Todesdaten auch zuzuordnen seien, habe das Gremium zur Auflage gemacht. Bei 206 Opfern gelang das den Mitstreitern des Arbeitskreises. Gedenkstätten von Tötungsanstalten, Archive im In- und Ausland sowie die Findbücher des Klinikums wurden dafür durchforstet. Die 725 Deportierten, deren Schicksal nicht eindeutig nachzuweisen war, wollten jedoch weder Arbeitskreis noch Ameos vergessen. Man beschloss, auch deren Namen auf den Tafeln festzuhalten.

Die Ermahnung, auf eine vollständige Namensnennung zu verzichten, ignorierten die Initiatoren dagegen mit einem Verweis auf Ernst Klee: „Wer aber diese Opfer- Namen abkürzt, der vernichtet ihre Namen noch einmal, betreibt, gewollt oder nicht, das Werk der Mörder. Anonymisierung entehrt, löscht aus, tötet“, zitierte Sylvia Blankenburg den Historiker.

Während der dreijährigen Beschäftigung mit den Patientenmorden habe man gelernt, dass die öffentliche Benennung dieser Opfergruppe immer noch ein Tabu sei. Weder in Schleswig-Holstein noch in anderen Bundesländern sei man auf ein Denkmal mit Namenstafeln gestoßen.

Ameos-Vorstandsmitglied Michael Dieckmann betonte, dass er jederzeit die Veröffentlichung der Namen unterstützt habe, „weil die Gräueltaten erst dadurch wirklich begreifbar werden.“ Jeder Name auf den Tafeln gebe den verschleppten und getöteten Menschen ihr individuelles Gesicht zurück“, sagte Dieckmann. Er zeigte sich besorgt darüber, „wie sich aktuell rechtes Gedankengut wieder bei uns breitmacht“. Mit Blick auf die Flüchtlingskrise forderte er dazu auf, rechten Demagogen deutlich entgegenzutreten. Erschütternd dann Gabriela Bendfeldts Zitate aus dem Buch des ebenfalls anwesenden Professor Friedrich Ernst Struwe. Dieser hatte im Ameos-Auftrag die Deportation und Ermordung der Patienten durch die perfide Tötungsmaschinerie des Nazi-Regimes aufgearbeitet.

Geschlossen machten sich die Besucher der Gedenkveranstaltung dann auf den Weg zum Mahnmal, wo die Pastoren Dr. Ronald Mundhenk und Stefan Kramer noch einmal an die Leiden der Opfer erinnerten.

Im Anschluss an die Reden gingen die Besucher dann auf die drei großen Gedenktafeln zu, gingen ganz dicht heran, lasen die Namen derer, die verschleppt und getötet wurden — ganz so, als wollten sie auf diese Weise ihren Beitrag wider das Vergessen leisten.

27. Januar 1945: Befreiung des KZ Auschwitz
Der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein bundesweiter, gesetzlich verankerter Gedenktag. Er ist als Jahrestag bezogen auf den 27. Januar 1945, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau und der beiden anderen KZs Auschwitz durch die Rote Armee im letzten Jahr des Zweiten Weltkriegs. Zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust wurde der 27. Januar von den Vereinten Nationen im Jahr 2005 erklärt.

Thomas Klatt

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