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Ostholstein Neue Initiative gegen Riesen-Windpark
Lokales Ostholstein Neue Initiative gegen Riesen-Windpark
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21:16 21.09.2013
Bürgerinitiative gegen Windpark: Maren Drenckhan, Frank Wellmann, Frank Urban, Christian Krogmann und Jens Watzlawik (v.l.). Quelle: Foto: Peyronnet

Rechts Windräder, links Windräder — noch größere wollen die Ovendorfer nicht mehr hinnehmen. Fünf Dorfbewohner gründeten jetzt die Bürgerinitiative „Stoppt Riesen-Windpark Grammersdorf!“. Auslöser dafür sind Pläne, den Windpark Grammersdorf zu repowern, also größen- und leistungsmäßig aufzurüsten, und zwei weitere Windräder aufzustellen.

Ovendorf liegt an der Grenze zu Lübeck. Östlich des Ortes stehen auf Lübecker Gebiet zwei Windräder, nordwestlich bisher 14 kleinere auf dem Gebiet der Gemeinde Ratekau. Das ist der Windpark Grammersdorf. „Die Bewohner Ovendorfs werden nachts von der Lübecker Anlage sehr gestört“, sagt Christian Krogmann. Frank Wellmann berichtet, die 120 Meter hohe Anlage stehe 650 Meter von seinem Schlafzimmerfenster entfernt. „Die geplanten neuen Windräder im Windpark Grammersdorf werden 150 Meter hoch sein. Wir haben Angst vor den Beeinträchtigungen, die davon ausgehen.“

Nach Auskunft von Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) sollen bei Ovendorf die bestehenden 14 Windräder abgebaut und sieben neue, bis zu 150 Meter hohe aufgestellt werden. Plus zwei weitere auf einer kleinen Erweiterung der Windeignungsfläche. Die Gemeinde beginne gerade erst mit der Bauleitplanung, soeben sei der Aufstellungsbeschluss gefasst worden. Ziel sei eine umfassende Bürgerbeteiligung. Nach jetzigem Stand könne das Verfahren grundsätzlich weitergehen, obwohl die Fläche im Einflussbereich der Drehfunkfeuer der Flugsicherung liege.

Die Ovendorfer hatten darauf gesetzt, dass die Flugsicherung das Repowering verhindere und sehen jetzt ihre Hoffnungen enttäuscht. „Wir wollen wissen, woran wir sind“, fordert Frank Urban von der neuen Initiative. „Wir wollen aufrütteln und der Bevölkerung zeigen, dass hier etwas passiert.“

Zwei Auswirkungen der Windkraftanlagen befürchten die Mitglieder der Initiative besonders. Die 24-Stunden-Beschallung, zwar nur in Höhe von 42 Dezibel, was leiser Radiomusik entspricht. „Das ist wirklich keine große Lautstärke, aber es ist ein dauerhafter Ton. Bei bestimmten Windstärken ist auch der Flügelschlag zu hören“, klagt Frank Wellmann. Die neuen Anlagen würden doppelt so hoch wie die vorhandenen. Wellmann: „Durch die Höhe trägt das Geräusch weiter. Es werden sehr viele Ortschaften betroffen sein.“ Das zweite Problem ist der sogenannte Disco-Effekt, wenn die Flügel den Sonnenschein zerhacken. „Im Frühjahr und Herbst, wenn die Sonne tief steht, schlägt der Schatten durchs ganze Haus“, sagt Initiativensprecher Jens Watzlawik. Und dann die Beleuchtung. Bei 150 Metern Höhe wird ein Windrad an drei Stellen mit roten Lichtern markiert. Frank Urban: „Das ist wie auf dem Rummel.“

Die Mitglieder der Initiative fühlen sich von der Gemeinde Ratekau nicht ernst genommen. „Dort konzentriert sich alles auf den Zugverkehr“, sagt Krogmann. Es wird nicht über die Menschen gesprochen, die in Ovendorf wohnen. Und Wellmann fügt hinzu: „Wir wünschten, der Mensch stünde unter Artenschutz, wie Fledermaus und Milan.“ Watzlawik betont: „Wir Ovendorfer sind nicht gegen erneuerbare Energien. Aber hier laufen auch noch zwei Hochspannungsleitungen durchs Dorf. Irgendwann muss mal Schluss sein.“

Planung geht weiter
Ovendorf liegt im Einzugsbereich des UKW-Drehfunkfeuers der Deutschen Luftsicherung (DLS) bei Bad Schwartau. Dort muss in jedem Einzelfall geprüft werden, ob Windräder das Drehfunkfeuer stören. Ratekau hat für den Windpark Grammersdorf signalisiert bekommen, das Planverfahren könne erst einmal weitergehen.


Die Bauleitplanung ermöglicht der Gemeinde, auf die Ausgestaltung des Windparks Einfluss zu nehmen. Ohne Planung bestimmt der Betreiber allein.

Susanne Peyronnet

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