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Ostholstein Neue Orgel für Petri-Kirche
Lokales Ostholstein Neue Orgel für Petri-Kirche
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10:42 04.11.2018
Die Niendorfer Petri-Kirche soll eine neue Orgel bekommen. Kirchengemeinderatsmitglied Dietrich Fritz, Kirchenmusiker Klaus Hoeft und Pastor Johannes Höpfner (v. l.) erläutern die Pläne. Quelle: Peyronnet
Niendorf

Der Name der Niendorfer Orgel hat keinen guten Klang. Es ist eine Kemper-Orgel, die 1956 in das 1899 geweihte Gotteshaus eingebaut wurde. Die nicht mehr existierende Lübecker Orgelbaufirma Kemper baute in der Nachkriegszeit viele, viele Orgeln, allerdings aus minderwertigem Material. Etliche wurden inzwischen durch neue Instrumente ersetzt. So soll es auch der Orgel in der Niendorfer Petri-Kirche ergehen. Denn sie stimmt nicht mehr, rauscht, wo sie klingen soll, und fiel an einem kalten Tag vor einigen Jahren sogar ganz aus.

Jetzt hat die Kirchengemeinde eine neue Orgel ausgesucht. Genauer: Sie hat eine Orgelbaufirma ausgesucht und der einen Auftrag erteilt, berichten Pastor Johannes Höpfner, Kirchenmusiker Klaus Hoeft und Dietrich Fritz, Mitglied des Kirchengemeinderates und von dessen Kirchenmusikausschuss.

Orgeln gibt es nicht im Katalog. Eine Auftragsvergabe erfordert viel Vorarbeit. Die hat die Niendorfer Kirchengemeinde mit Hilfe des Orgelsachverständigen der Nordkirche, Hans-Martin Petersen, geleistet. Der gab dem Kirchengemeinderat eine Liste mit Orgelbaufirmen. Kirchenmusiker Hoeft fuhrt herum und sah sich die Orgeln an, die die aufgeführten Firmen gebaut hatten. Er schlug schließlich vor, welche Firmen für eine begrenzte Ausschreibung infrage kamen. Das waren vier.

Auftrag ging nach Leer

Vertreter dieser Betriebe kamen nach Niendorf, sahen sich die Orgelempore an, maßen sie aus, gaben ihre Angebote ab. „Es waren alles fantastische Angebote“, sagt Hoeft. Am Ende ging der Zuschlag an die Orgelbaufirma Ahrend in Leer. Die hat sich laut Hoeft ein großes Renommee bei der Restaurierung der Arp-Schnitker-Orgel in St. Jacobi in Hamburg erworben. Die Firma hat sich auch international einen Namen gemacht. Ihre Werkliste weist Arbeiten in Paris, Tokio und Calgary auf.

„Das besondere ist bei Ahrend, dass sie die Pfeifen selbst herstellen“, sagt Hoeft, „sie sind handgemacht, nicht maschinell hergestellt“. Das dauert seine Zeit. Es werden an die 780 Pfeifen sein, kleine und große, solche aus Metall und solche aus Holz. Sie werden angeordnet in 13 stehenden Registern, und wenn das Geld noch reicht, werden drei davon mit dem Pedal verbunden, transmittiert, wie der Fachmann sagt.

Beim Bau der Orgel arbeitet die Frima Ahrend mit einem Architekten zusammen. Denn es gibt einiges zu beachten bei der Planung von Orgel und Prospekt (lateinisch: Anblick, Schauseite zum Kirchenraum). „Er sollte so sein, dass er der Kirche angemessen ist“, sagt Höpfner. Heißt konkret: Das runde bunte Fenster im Turm hinter der Orgel soll weiter sichtbar sein, um mit den bunten Fenstern hinter dem Altar korrespondieren zu können. Höpfner erläutert: „Die Fenster-Sichtachse muss erhalten bleiben, das ist eine Herausforderung für den Orgelbauer.“ Anders als der Kemper-Prospekt wird der neue symmetrisch sein.

Es fehlen noch 100 000 Euro

Bleibt die Frage nach dem Geld. „Wir brauchen 300 000 Euro, und dann kommt der Umbau auf der Empore noch dazu“, sagt Höpfner. Zwei Drittel dieser Summe, also 200 000 Euro, hat die Kirchengemeinde beisammen. Viele, viele Spenden haben dazu beigetragen, ebenso wie das Engagement des Orgelbauvereins, der sich 2006 gegründet hat.

Offene und geschlossene Pfeifen

Jede Orgelpfeife kann nur einen Ton erzeugen. Deshalb bedarf es ganz vieler Pfeifen. In großen Orgel sind es mehrere Tausend. Die Länge variiert je nach Tonhöhe und reicht von wenigen Zentimetern bis zu mehreren Metern. Es gibt Labialpfeifen (Lippenpfeifen, mit einer Tonkante wie bei der Blockflöte) und Lingualpfeifen (Zungenpfeifen mit einer Metallzunge, die im Luftstrom vibriert). Gedackte (von gedeckte) Pfeifen sind oben verschlossen.

Dank dieses jahrelangen Einsatzes soll die Zeit der ächzenden und verstimmten Orgel in der Petri-Kirche in einigen Jahren vorbei sein. Die Kemper-Orgel hat fast nur gedackte Pfeifen, die sich schwer stimmen lassen. Auch hält die Stimmung nicht. Hoeft muss die Orgel vier Mal im Jahr nachstimmen. Sonst klingt die Orgel gar nicht gut. Höpfner: „Auch ich als Nichtmusiker höre das.“

Susanne Peyronnet

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