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Ostholstein Neue Wache gefährdet schnelle Rettung
Lokales Ostholstein Neue Wache gefährdet schnelle Rettung
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21:31 11.10.2017
Wenn Feuerwehr und Rettungsdienste gerufen werden, muss es schnell gehen. Quelle: Fotos: König*, Benthien, Peyronnet

Das Thema ploppte am Dienstag im Hauptausschuss unter Verschiedenes auf. Da wurde bekannt, dass ein Eutiner Feuerwehrmann und Polizeibeamter einen „Brandbrief“ an Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) geschrieben hatte. Dieser hatte sogleich eine Stellungnahme von Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt dazu angefordert. Er bestätigte, was sein Kamerad vorgebracht hatte: „Der Standort am Festplatz ist für die Ortswehr Eutin unbrauchbar.“ Er habe nie einen Hehl daraus gemacht, die Feuerwehr habe sich letztlich dem Willensdruck der Politik gebeugt.

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Ende 2018 soll nach jahrelangen Planungen der Bau des Gerätehauses für die Freiwillige Feuerwehr Eutin auf dem Festplatz beginnen. Jetzt kommt aus Reihen der Wehr nochmals massive Kritik am Standort: Hilfsfristen in den südöstlichen Bereichen Eutins seien nicht einzuhalten.

In der Diskussion im Ausschuss räumte der Bürgermeister ein, dass die Feuerwehr den südöstlichen Bereich Eutins – ungefähr ab Höhe Netto-Markt in der Bürgermeister-Steenbock-Straße – im Fall eines Einsatzes, ausgehend vom Festplatz, nicht innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist ansteuern könne. Er habe in alten Protokollen nachgelesen und sei erstaunt, dass den immer wiederkehrenden Warnungen der Feuerwehr über Jahre nie nachgegangen worden sei.

Von ihrem Gerätehaus am Priwall schafft die Eutiner Ortswehr laut Kreutzfeldt bei ihren Einsätzen derzeit einen sogenannten Zielerreichungsgrad von 95 Prozent. „Das wird am neuen Standort nicht zu halten sein. Gerade die Bereiche Meinsdorfer Weg, Papenmoor, Oldenburger Landstraße, Charlottenviertel, das neue Wohn- und Gewerbegebiet Louise-Wagner-Straße und das Interkommunale Gewerbegebiet sind vom Festplatz aus definitiv nicht in acht Minuten erreichbar“, betonte der Gemeindewehrführer. Hier lebten weit über 4000 Menschen. Dazu komme die Kaserne mit bis zu 800

Soldaten. Der Bürgermeister, selbst langjähriger Feuerwehrmann, sagte: „Vom Festplatz aus ist nicht mal ein Zielerreichungsgrad von 80 Prozent möglich.“

Was also tun? „Organisatorische Lösungen finden“, schlug Matthias Rachfahl (CDU) vor. Detlef Kloth (SPD) forderte: „Das Thema muss neu diskutiert werden.“ Einen entsprechenden Antrag formulierten die Grünen gestern. Für den Bau- und Feuerwehrausschuss am 1. November haben sie drei Punkte aufgelistet: Die Verwaltung soll die Hilfsfristen vom Standort Festplatz aus für das Stadtgebiet systematisch darstellen und mögliche organisatorische Maßnahmen für die Teile der Stadt darlegen, bei denen die Hilfsfrist vom Festplatz aus unterhalb von 80 Prozent der vorgesehenen Zeit liegt. Außerdem möge sie prüfen, ob möglicherweise doch wieder zentral gelegene Standorte für einen Neubau zur Verfügung stehen würden.

Das hatte der Bürgermeister im Ausschuss vermutlich nicht im Sinn. Mit seiner Äußerung „Wir sind nicht am organisatorischen Ende, wenn wir am Festplatz bauen“, dachte er wohl eher daran, zusätzlich am Priwall ein Fahrzeug vorzuhalten. Bei der FDP rennen Feuerwehr und Grüne offene Türen ein. „Wir waren immer dagegen, der Feuerwehr den Festplatz aufs Auge zu drücken. Auch die Kosten für die Gründung sind ein Risiko“, sagte der Fraktionsvorsitzende Jens-Uwe Dankert gestern.

„Die Feuerwehr hat dem Standort am Festplatz zu keiner Zeit zugestimmt“, heißt es in dem „Brandbrief“. In der Tat hatte die Feuerwehr seit 2008 beständig davor gewarnt. Einwände hätten auch der damalige Kreiswehrführer Ralf Thomsen, der damalige Innenminister Klaus Schlie (CDU) und die Landesplanung vorgebracht, sagte Heino Kreutzfeldt. „All das wurde lediglich zur Kenntnis genommen.“ Was Kreutzfeldt besonders fuchst, ist, wie es zum Zuschlag für den Festplatz kam: „Ausschlaggebend hierfür war letztendlich eine Standortanalyse des Planungsbüros Blanck, welches keinerlei Kontakt zur Feuerwehr hatte!“

Dass diese Standortanalyse keine systematische Untersuchung der Hilfsfristen enthält, ist jetzt auch den Grünen aufgefallen. „Nur die Feuerwehr hat damals selbst Versuche ausgeführt, die allesamt zu erheblichen Bedenken führten, die Diskussion aber nicht in eine andere Richtung lenkten“, sagt Monika Obieray. Auch seien zwei von der Feuerwehr präferierte Standorte frühzeitig ausgesondert worden.

„Es müssen jetzt noch mal alle Bedenken geprüft und Lösungen auf den Tisch gelegt werden“, verlangen die Grünen.

Acht Minuten Anfahrt

Die Hilfsfrist für die Feuerwehren in Schleswig-Holstein beträgt zehn Minuten nach Annahme eines Notrufs in der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle. Zwei Minuten werden für die Gesprächs- und Dispositionszeit veranschlagt. Damit bleiben acht Minuten für die Ausrücke- und Anfahrtszeit der Feuerwehr zur Einsatzstelle. Die Frist unterscheidet sich in den einzelnen Bundesländern. So sollte ein Rettungsfahrzeug in Sachsen innerhalb von zwölf Minuten am Unfallort sein.

Ulrike Benthien

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