Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein Neues Feuerwehrhaus: Standort Festplatz wackelt
Lokales Ostholstein Neues Feuerwehrhaus: Standort Festplatz wackelt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:02 02.11.2017
Kann die Eutiner Ortswehr doch am Priwall bleiben? Erwägt wird, Nachbargrundstücke zu kaufen und neu zu bauen. Quelle: Fotos: Benthien, Jabs*
Eutin

Das Thema wird ohnehin stets hitzig diskutiert – gerungen wird um einen neuen Standort immerhin schon seit neun Jahren. Die Grünen hatten den Standort Festplatz und die Hilfsfristen innerhalb Eutins auf die Tagesordnung des Bau- und Feuerwehrausschusses gebracht. Vorausgegangen war ein Brandbrief eines Eutiner Feuerwehrmannes, der nochmals dringend darauf hingewiesen hatte, dass von einem möglichen Platz an der Kerntangente aus ganze Straßenzüge in Eutin nicht innerhalb der vorgeschriebenen Hilfsfrist erreicht werden können. Auf Nachhaken von Bürgermeister Carsten Behnk (parteilos) beim Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt hatte dieser Argumente seines Kollegen umfänglich bestätigt.

 

„Jeder Standort ist sinnvoller als der Festplatz.“ Dietrich Asbach Ortswehrführer Eutin

Zehn Minuten

Die Hilfsfrist für die Feuerwehren in Schleswig-Holstein beträgt zehn Minuten nach Annahme eines Notrufs in der Rettungsleitstelle. Zwei Minuten werden für die Gesprächs- und Dispositionszeit veranschlagt. Damit bleiben acht Minuten für die Ausrück- und Anfahrtszeit der Feuerwehr zur Einsatzstelle.

Vom Festplatz aus seien beispielsweise der Bereich Braaker Mühlenweg, Meinsdorfer Weg, das Industriegebiet, die Lübecker Landstraße nicht innerhalb der Hilfsfrist zu erreichen, erläuterte auch Julia Lunau (Fachdienstleiterin Bürgerservice) dem Gremium und belegte dies zusätzlich mit Zahlen von Testfahrten, die die Feuerwehr selbst unternommen hatte. Die jetzigen Standorte der drei Ortswehren – Am Priwall, Neudorf und Fissau – lägen optimal innerhalb Eutins verteilt, um die Hilfsfristen zu gewährleisten, sagte Julia Lunau.

„Für alles lassen wir Gutachten erstellen. Warum ist nie eines für die Hilfsfristen in Auftrag gegeben worden?“, sagte Bernd Ditscher (CDU) verärgert. Ganz offensichtlich ein Versäumnis, das Verwaltung und Kommunalpolitik jetzt einholt. Bürgermeister Behnk sagte: „Über die Hilfsfristen ist immer wieder diskutiert worden. Das Problem muss auf dem Tisch gelegen haben.“

Zeit, die Reißleine zu ziehen

Zehn Millionen Euro Investitionskosten am Festplatz und damit einhergehend eine Verschlechterung der Hilfsfristen – „wenn wir die Reißleine ziehen wollen, dann jetzt“, sagte Olaf Schmidt (SPD). Er plädierte dafür, die Feuerwache am Priwall auszubauen. Dort hätten sich die Gegebenheiten mittlerweile verändert, berichtete Heino Kreutzfeldt. Ein Nachbar des Feuerwehrgerätehauses wolle sein Grundstück verkaufen, ein weiterer könne vermutlich ebenfalls zum Verkauf bewegt werden. Auch in der Siemensstraße gebe es ein Grundstück, auf dem sich die Freiwillige Feuerwehr Eutin einen Neubau ihrer Wache vorstellen könne. Mit dem Verbleib in dem Bereich erübrige sich jede Debatte um Hilfsfristen. Das gelte auch für die Anfahrten der Feuerwehrkollegen, die vielfach im Umkreis des Priwalls wohnen.

Keine Kompromisse

„Nach allem, was man heute gehört hat, kann man nicht guten Gewissens dem Festplatz zustimmen“, sagten Elfi-Jacqueline Meyer (FDP) und Malte Tech (FWE). Er halte den Priwall für einen guten Feuerwehr-Standort, „wenn man dort weitere Grundstücke bekommen kann“, fügte Tech an. Auch die Eutiner Ortswehr ist für den alten Standort am Priwall. „Der Festplatz ist aus Feuerwehrsicht erledigt“, sagte der Ortswehrführer Dietrich Asbach. „Was Hilfsfristen angeht, gibt es keine Kompromisse. In unserem Sinne wäre es, den Standort Priwall zu ertüchtigen.“ Dort müsste auch nur ein neues Gebäude für knapp 70 Feuerwehrleute errichtet werden. Am Festplatz dagegen war für 120 Kameraden geplant worden, weil immer mal wieder eine Gemeindewehr angedacht worden war.

Die Fraktionen wollen die „neuen Erkenntnisse“ beraten und am 29. November über einen Antrag Olaf Schmidts abstimmen. Er sieht vor, den Beschluss am Festplatz zu bauen, aufzuheben und am Priwall neu zu planen. Ob die europaweite Ausschreibung zur Suche eines Planers (die Frist läuft am 1. Dezember ab) aufrechterhalten werden könne, müsse geprüft werden, sagte der Bürgermeister.

Mehr Nachrichten aus Eutin unter www.LN-Online.de/Eutin

 Ulrike Benthien

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!