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Ostholstein Neustadts Psychiatrie feiert ihren 120. Geburtstag
Lokales Ostholstein Neustadts Psychiatrie feiert ihren 120. Geburtstag
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20:19 21.09.2013
Dr. Dabelstein mit Ärzten, Oberin, Schwestern sowie Pastor Clasen. Das Bild entstand 1918.

Karl May bringt die ersten Winnetou-Bände heraus, in Deutschland wird die mitteleuropäische Zeit eingeführt — fortan ticken alle Uhren im Land gleich. Und in Neustadt — im Kreis Ostholstein — da beginnt die Geschichte eines großen Unternehmens. Es ist die Geburtsstunde der Provinzial-Pflegeanstalt (Psychiatrie), heute bekannt als Ameos-Klinikum. 120 Jahre ist das her, und Ameos-Vorstand Michael Dieckmann und seine Mitarbeiter nahmen dies zum Anlass, den Geburtstag mit einem Festakt zu feiern. Hochrangige Vertreter aus Politik und Wirtschaft sowie jahrelange Wegbegleiter waren in den 113 Jahre alten Festsaal auf dem Gelände am Wiesenhof gekommen.

Michael Dieckmann blickte bei seiner Begrüßung sogar 129 Jahre zurück. Im April 1884 wurde nämlich der Grundstein für eine Zuckerfabrik gelegt, auf dem heutigen Klinik-Gelände. „Man ging davon aus, mit Zucker viel Geld verdienen zu können“, sagte Dieckmann. Doch schon 1885 schien der Konkurs nah, drei Jahre später folgte die Zwangsversteigerung. „Die Provinz Schleswig-Holstein musste Heilanstalten schaffen, und so kam es 1892 zum Ankauf des Grundstückes“, berichtete Dieckmann. Am 10. Oktober 1893 wurde schließlich die Provinzial-Pflegeanstalt gegründet. „Der Standort wuchs stark, die Patienten mussten im landwirtschaftlichen Betrieb mitarbeiten, Pfleger wohnten mit ihren Familien auf dem Gelände“, so Michael Dieckmann weiter.

In den folgenden Jahren erlebte die Klinik nicht nur zahlreiche Namensänderungen (siehe Info-Text), sondern auch einige schwere Stunden, verbunden mit menschlichen Schicksalen. Während des Ersten Weltkrieges litten die Bewohner an Hunger und Kälte. „Die Sterberate erreichte 1917/1918 einen traurigen Höhepunkt“, sagte Dieckmann. Sie lag bei rund 28 Prozent. Wenige Jahre später verschlimmerte sich die Situation noch einmal. „1001 Patienten fielen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft zum Opfer“, sagte der Ameos-Vorstand. In der Einrichtung herrschte während dieser Zeit ein Klima der Angst.

Heute hat sich die Einrichtung zu einer modernen Klinik gewandelt. Jedoch gibt es immer noch Ängste, die in Verbindung mit Ameos stehen. Daran erinnerte Volker Weber (SPD), zweiter stellvertretender Bürgermeister Neustadts. „Es gibt Hemmungen und Ängstlichkeiten, die sich gegenüber dieser Einrichtung zeigen.“ Diese hätten mit der Unterbringung und Behandlung von psychisch kranken Straftätern zu tun. Jedoch — betonte Weber — arbeite Ameos daran, dass Bild zu ändern. Es gebe seit Jahren öffentliche Ausstellungen und Diskussionsrunden. „Dadurch lernt die Bevölkerung, welch unverzichtbare Arbeit hier geleistet wird“, lobte Weber.

Wie die Gegenwart aussieht, das zeigte Dr. Sylvia Wachholz auf, die Ärztliche Direktorin der Ameos-Klinik Neustadt und Lübeck. Sie berichtete von einem störungsspezifischen Behandlungsangebot für Kinder, Jugendliche und Erwachsene und schilderte, welche Menschen hier behandelt werden.

Die Zukunft betreffend äußerte die Bundestagsabgeordnete Bettina Hagedorn (SPD) noch den Wunsch nach einem Betriebskindergarten: „Es wäre schön, wenn sie als großer Arbeitgeber die Kommune und den Kreis unterstützen, damit Frauen Familie und Beruf besser vereinbaren können.“

Die Historie
1893 gegründet als Provinzial-Pflegeanstalt.

1905 umbenannt in Provinzial-Irrenanstalt.

1914 erneute Namensänderung: Fortan heißt die Psychiatrie Provinzial Heil- und Pflegeanstalt.

1930 wird daraus die Landesheilanstalt.

1945 , nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, entsteht ein Landeskrankenhaus.

1988 wird das Krankenhaus Fachklinik für Psychiatrie, Neurologie und Rehabilitation.

1998 Ostseezentrum für seelische Gesundheit.

2003 folgt die Fusion zur „psychiatrum gruppe“.

2005 übernimmt die Ameos-Gruppe das Klinikum.

Sebastian Rosenkötter

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