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Ostholstein Neustädter Gilde würdigt Ehrenamt mit einer Ausstellung
Lokales Ostholstein Neustädter Gilde würdigt Ehrenamt mit einer Ausstellung
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21:33 10.08.2017
Uwe Muchow (l.) und Eckert Groth (r.) haben die Ausstellung vorbereitet. Links im Bild ist der Papagei zu sehen. Was es damit auf sich hat, erfahren Besucher der Ausstellung. Auf möglichst viele Gäste hofft der 1. Ältermann der Neustädter Gilde Dr. Ralf Ingmar Stolley. Quelle: Fotos: Rosenkötter

Acht Jahrhunderte Bürgerengagement sollen dargestellt werden. Uwe Muchow und Eckert Groth haben Archive durchforstet und Informationen über engagierte Bürger zusammengetragen.

Verdiente Persönlichkeiten der vergangenen acht Jahrhunderte stehen im Fokus – Gildebrüder haben Archive durchsucht – Alte Lade soll restauriert werden.

Sonderausstellung läuft ab dem 28. September

Die Vernissage findet am 27. September um 17 Uhr statt. Anschließend kann die Ausstellung „Acht Jahrhunderte Bürger-Engagement Neustadt in Holstein“ bis zum 19. November besucht werden.

Fünf Jahre ist es her, da fanden die Schützenbrüder in einer längst vergessenen alten Lade die Überreste einer Fahne vom 1. Quartier. „Sie wurde 1840 von Jacob Lienau gespendet. Wir haben sie dem Museum geschenkt. Die Fielmann-Stiftung zahlt die Restaurierung“, erläutert Muchow. Das Stück Stoff hat die beiden Männer nicht mehr losgelassen. Sie begannen nach verborgenen Schätzen der Gilde zu suchen. Denn ein Archiv, in dem historische Gegenstände fachgerecht gelagert werden, hat die Stadt nicht – dieser Zustand ist immer wieder Thema in Ausschüssen. Muchow und Groth haben sich auf ihrer Suche unter anderem im Museum umgesehen, waren im ehemaligen Horchturm in Pelzerhaken und auf dem Ameos-Gelände.

Im Fokus der Ausstellung sollen Menschen wie Michel Schütten stehen. Der Schützenkönig von 1633 dürfte einer der ersten gewesen sein, der den Papagei der Gilde mit nach Hause nahm. Der Vogel ist Teil des Silberschatzes. „Damals durfte der Schützenkönig den Schatz für ein Jahr mitnehmen. Zudem wurde ihm erlaubt, die Wiese, wo heute der Sportplatz ist, zu bewirtschaften“, erklärt Muchow.

Schütten habe jedoch finanzielle Probleme gehabt und den Schatz verpfändet. „Er hat ihn wiedergebracht“, beruhigt Muchow. Jedoch dürfe heute keiner mehr die Kostbarkeiten der Schützengilde mitnehmen.

Eine Besonderheit der Neustädter ist es, dass fast alle Mitglieder stets ehrenamtlich engagiert waren. Das überrascht wenig: Schließlich bezieht sich das Wort Schützengilde nicht auf das Schießen, sondern darauf, etwas zu schützen. „Der Unterschied zu Vereinen ist, dass ich hier nicht hingehe, um etwas für mich zu machen. Es geht darum, sich einzusetzen“, verdeutlicht Muchow. Eine aktuelle Umfrage habe ergeben, dass sich noch heute mehr als 95 Prozent der Gildebrüder in anderen Vereinen und Verbänden der Stadt engagieren oder engagiert haben.

Erstmals erwähnt wird eine Gilde nachweislich im Jahr 1344. Dies geht aus der Gründungsurkunde vom Hospital unweit der Hafenbrücke hervor. Viele Informationen liefert auch Johann Offe. Der Stadtschreiber hat die Geschichte der Stadt um 1440 in zwei Lederbänden aufgeschrieben. Eben diese Inhalte wollen Uwe Muchow und Eckert Groth vorstellen. Darüber hinaus werden sie alte Gildevögel und Laden präsentieren. Eine stammt von der Toten- und Brandgilde von 1702 und muss dringend aufgearbeitet werden. Die Gilde sucht hierfür Sponsoren. In einer anderen Lade haben die beiden Heimatforscher alte Abrechnungen von den Vogelschießen zwischen 1753 und 1903 gefunden. All diese Dinge sollen im Zeittor präsentiert werden.

Weitere Infos zur Gilde gibt es auf www.neustaedter-schuetzengilde.de

 Sebastian Rosenkötter

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