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Ostholstein Neustädter erlebten Unwetter hautnah
Lokales Ostholstein Neustädter erlebten Unwetter hautnah
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14:03 13.10.2018
Der Torrent de Ca n’Amer läuft mitten durch S’Illot. Wenige Meter entfernt machen Eitel Pries und seine Lebensgefährtin Maria Magdanz Urlaub. Quelle: EITEL PRIES (HFR)
S’Illot/Neustadt

Auch zwei Tage nach dem verheerenden Unwetter auf Mallorca wirkt Eitel Pries geschockt. Er und seine Lebensgefährtin Maria Magdanz haben die Katastrophe am vergangenen Dienstagabend hautnah miterlebt. Der langjährige Vorsitzende der Neustädter Tafel macht derzeit Urlaub in S’Illot. Das kleine Örtchen befindet sich an der Ostküste. Pries und Magdanz haben hier eine Wohnung in einer Hotelanlage gemietet. Der Fluss Torrent de Ca n'Amer verläuft wenige Meter entfernt, trennt zwei Ortsteile voneinander und fließt normalerweise beschaulich ins Mittelmeer.

Vergangenen Dienstag war aber nichts mehr normal. Eitel Pries berichtet, dass es bereits gegen Mittag angefangen habe zu regnen. „Wir waren in Calla Millor, Geld abheben und sind dann wieder zurück zu unserer Wohnung gefahren. Der Parkplatz, auf dem wir das Auto abgestellt haben, war später ein See. Es wurde zerstört“, sagt Pries. Der Neustädter erzählt, dass der Regen immer heftiger geworden sei. Als er am frühen Abend nach seinem Leihwagen schauen wollte, sei es bereits stockdunkel gewesen. „Es hat gegossen, mindestens 150 Liter pro Quadratmeter. Hinzu kam ein heftiger Wind. Das Meer ist aufgebraust. Am Strand hat noch jemand versucht, mit einem Traktor Liegen abzutransportieren“, erinnert er sich.

Flutwelle schoss durch die Straße

Er selbst habe auf dem Weg zu seinem Auto knöcheltief im Wasser gestanden. „Der Ort verläuft etwas abfallend in Richtung Strand. Auf einmal kam eine riesige Flutwelle runtergeschossen. Es war sehr kritisch. Ich habe mich auf eine Anhöhe gerettet. An mir rauschten vier Autos vorbei. Einige hatten das Licht an. Sie sind im Meer untergegangen“, schildert Pries die dramatischen Erlebnisse. Da Handynetz und Stromversorgung ausgefallen seien, habe er mit seinem Smartphone Lichtzeichen gemacht, woraufhin ihn ein Mitarbeiter des Hotels sicher zur Anlage zurückgeleitet habe.

Eitel Pries aus Neustadt. Quelle: Sebastian Rosenkötter

Die Auswirkungen des Unwetters, bei dem nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes in einigen Teilen der Baleareninsel in nur zwei Stunden bis zu 223 Liter Wasser vom Himmel stürzten, sind enorm. Mindestens zwölf Menschen sind getötet worden. Es gibt Vermisste. Eitel Pries sagt, dass zahlreiche Autos, Geschäfte und Hotels beschädigt worden seien. „Die Inhaber haben am morgen danach versucht zu retten, was zu retten ist. Es riecht hier sehr stark nach Öl. Möbel wurden auf die Straße geschwemmt“, sagt er.

Äußerst ärgerlich sei, dass so viele Menschen nur zum Gaffen vorbeikommen würden, anstatt anzupacken. „Das ist wohl überall auf der Welt so“, vermutet Eitel Pries. Überrascht zeigt er sich, dass zunächst nur wenig Polizisten und andere Rettungskräfte vor Ort gewesen seien. Dies sehe aber mittlerweile anders. Hubschrauber seien im Dauereinsatz, würden nach Überlebenden und Toten suchen. Zudem kreuze die Guardia Civil auf dem Meer. „Ich glaube, dass sie gerade Autos im Meer entdeckt haben“, so Pries am Donnerstagmittag gegenüber den LN. Er hoffe, dass es nicht noch mehr Tote gebe. „Wir hatten wahnsinniges Glück und bleiben noch bis zum 17. Oktober hier“, betont der Neustädter. Das Erlebte zu verarbeiten, dürfte indes deutlich länger dauern.

So sieht es in S’Illot auf Mallorca aus

Sebastian Rosenkötter

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